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Reisebüros 
Guter Rat ist nicht gratis

Kuoni-Flagship-Store in Zürich. Bild: zvg

Vor allem Kunden im Hochpreissegment suchen online und kaufen offline.

Von Norman C. Bandi
01.10.2014

Von 2000 bis 2010 verschwanden in der Schweiz unter dem Strich fast 1400 Reisebüros. Wirt­schafts­-kri­sen,­ Terrorgefahren, Natur­kata­strophen­ und die Billigkonkurrenz aus dem Internet trieben den Strukturwandel voran. Klammert man die kleineren Bahnhöfe sowie Tauch- und Surfshops aus, die keine Ferien mehr vermitteln, waren es trotzdem rund 1000 Wiederverkäufer, die von der Bühne abgetreten sind. Ende 2010 gab es noch 1252 A-Reisebüros mit Kundengeldabsicherung und 627 B-Reisebüros ohne Kundengeldabsicherung – total 1879.

Die Konsolidierung der Industrie hat sich in den letzten vier Jahren nur etwas verlangsamt, aber zu Ungunsten der Unseriösen verlagert. Das zeigen die neusten Zahlen der Markus Flühmann AG. Das Aargauer Unternehmen beliefert hierzulande die Reisebüros mit den Katalogen aller relevanten Anbieter wie Kuoni, Hotelplan, TUI, Knecht oder Globetrotter. Stand heute gibt es 1166 A-Reisebüros (minus 86 seit 2010) und 463 B-Reisebüros (minus 164) – total 1629 (minus 250). Das heisst, die Wiederverkäufer mit Kundengeldabsicherung halten sich besser.

Diese erfreuliche Entwicklung lässt sich auf zwei Hauptgründe zurückführen. Zum einen haben sich die A-Reisebüros quasi neu erfunden. Viele von ihnen arbeiten fokussierter und treten gezielt als Spe­zialisten für massgeschneiderte Dienstleistungen am Markt auf, zum Beispiel für Rundreisen, Kreuzfahrten oder Fernreisen. Solche individuellen Produkte sind lukrativer, weil die Margen attraktiver sind. Im Gegensatz zu Badeferien und Städtereisen beziehungsweise Nur-Hotels und Nur-Flügen, die ab der Stange oder direkt gebucht werden können. Der Trend lautet: Die Kunden suchen online und kaufen offline.

Im vergangenen Jahr konnte so der Umsatz pro Reisebüro im Schnitt um 2,9 Prozent von 4,5 auf 4,7 Millionen Franken gesteigert werden. Gleichzeitig hat sich die Nettorendite um 0,2 Prozentpunkte von 1,2 auf 1,4 Prozent verbessert. Dies geht aus der aktuellen Studie des Schweizer Reise-Verbandes (SRV) hervor. Die Erhebung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Systemisches Management und Public Governance der Universität St. Gallen wurde zum 14. Mal in Folge durchgeführt, diesmal nahmen 401 der 698 SRV-Mitglieder-Reisebüros teil.

Zum andern setzen die Wiederverkäufer die Be­ratungshonorare für ihren Mehrwert konsequenter durch. Bei vielen Reisebüros hat deren Bedeutung in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen, so der SRV. Mit einem Anteil von 4,9 Prozent am Gesamtumsatz machten sie mittlerweile knapp einen Drittel der Bruttorendite aus. Ohne diese­ Entwicklung sei es heute gar nicht mehr möglich, ein Reisebüro kostendeckend zu betreiben. Weil die Margen weiter unter Druck bleiben dürften.

Dass die Wiederverkäufer generell und im Hochpreissegment besonders ein Comeback erleben, belegt die repräsentative Umfrage über das Reise- und Buchungsverhalten der Schweizer Bevölkerung der Allianz Global Assistance (vormals Elvia Reisever­sicherung). Die Erhebung in Zusammenarbeit mit dem Link Institut in Luzern wurde zum 20. Mal in Folge­ durchgeführt, diesmal nahmen 1020 Personen zwischen 15 und 74 Jahren teil, erstmals nur online.

61 Prozent der Befragten entscheiden sich gegen Pauschalreisen. Und die Ansprüche bei Individualreisen steigen mit der Höhe des Einkommens. 22 Prozent buchen ihre Ferien im Reisebüro. Damit steigt deren Marktanteil im Vorjahresvergleich um 4 Prozentpunkte. Neben dem Internet bleibt der stationäre Vertrieb der wichtigste Absatzkanal.

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