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Portugal: Einmal Vinothérapie bitte

Douro: Bei Porto mündet der Fluss in den Atlantik.

Das vor eineinhalb Jahren über dem Douro-Fluss eröffnete «The Yeatman» stehtim Zeichen des Weins. Portos neuste Nobelherberge befindet sich inmitten von Rebbergen.

Von Renate V. Scheiper
21.03.2012

Vier exklusive Wege führen zum Ziel: Im Korb eines Heissluftballons mit 360-Grad-Panorama über Porto schwebt man ins Vinothérapie Spa. In einem schummrigen Weinkeller fährt man zwischen Fässern hinauf zur Rezep­tion. In der zauberhaften Landschaft des Douro-Flusses mit seinen Rebbergen stehend, ­erreicht man die Pool-Ebene. Stundenlang könnte man im Ambiente der drei ­Lifte des «The Yeatman» verweilen, weil die wenigen Sekunden einer einzigen Fahrt selbst von der ersten zur fünften ­Etage nicht ausreichen, dieses besondere Fahrstuhlerlebnis zu geniessen.

Irritiert? Verständlich. Doch das ist bei weitem nicht das einzige Ungewöhnliche in diesem eleganten Luxushotel, das seit kurzem der Gruppierung Relais & Châteaux angeschlossen ist. Das Haus ist ­benannt nach der britischen Familie Yeatman, die seit über 300 Jahren an den Hängen in der Region des Douro-Tales edle Portweine produziert. In typisch englischem Understatement ist die Fassade des «The Yeatman» ein schlichter, flacher Bau. Ankommende Gäste fragen sich, wo sich da der Luxus verbergen soll. Und schon öffnet sich wie von Geisterhand die gläserne Schwingtür in eine unvermutet weite ­Marmorhalle – es ist die obere Etage der sich terrassenförmig in den Hang schmiegenden Nobelherberge. Durch die grosse Glaskuppel fällt heller Sonnenschein auf eine breite, hinabführende Treppe, in deren Mitte eine zauberhafte Bronzefigur des Weingottes Bacchus als jugendlicher Knabe auf einem Podest steht, mit nichts bekleidet als einem Kranz aus Trauben.

In einem Dekanter-Pool schwimmen

Er verkörpert den Geist des vor eineinhalb Jahren in exponierter Lage hoch über dem Douro und den roten Ziegeldächern der Portweinkellereien in Vila Nova de Gaia eröffneten Hauses, das unter dem Motto Wein steht. In Kooperation mit berühmten Partnern der Portweinbranche wird diese Philosophie nicht nur in der Gourmetküche verwirklicht, sondern in jedem der 70 grosszügigen Zimmer und Suiten, in der Gestaltung der Flure, öffentlichen Räume und Tagungsbereiche, sogar im ungewöhnlichen Konzept des ver­heissungsvoll Vinothérapie genannten Spa. Wo kann man sonst in einem Dekanter schwimmen – wenn auch nicht in Rotwein. Dafür dekantiert man sozusagen selbst im riesigen Pool dieser Form in frischer Luft unter blauem Himmel.

Jedes der luxuriösen Zimmer mit nicht einsehbarer Terrasse bietet denselben fantastischen Blick auf den Douro und die berühmte, den Fluss überspannende Bogenbrücke von 1886, die Vila Nova de Gaia mit Porto verbindet. Gegenüber klettern die farbigen Häuschen der Altstadt den Berg hinauf. Sogar vom eleganten Bad aus hat man nicht nur beim Rasieren oder Föhnen den Blick hinüber auf die zweitgrösste Stadt Portugals, sondern sogar aus der Badewanne. Auch verlockt in jedem Zimmer eine kleine Bibliothek, sich in Büchern und Bildbänden über Wein, Kultur und Portugal zu verlieren. Die als Begrüs­sung für den Gast bereitgestellten exotischen Früchte wirken, von geschickten Händen geschnitten, wie ein Kunstwerk. Man möchte es nicht zerstören. So ist es auch im Restaurant bei den einfallsreich dargebotenen Gourmetmenüs von Chef Ricardo Costa, einem der bekanntesten Köche Portugals für verwöhnte Gaumen, der im Guide Michelin früher einen Stern verliehen bekam. Nun hat er diesen Glanz auch ins junge «The Yeatman» geholt.

Fast gibt es im gesamten Hotel keinen Bereich, von dem aus nicht der einzigartige Blick zu geniessen ist, ob von der Orangerie, in der das Sektfrühstück eingenommen wird, ob von «Dick’s Bar», wo raffinierte Cocktails gemixt werden, oder von einer der vielen Panoramaterrassen, die sich weitläufig mit immer wieder anderen Sitzkombinationen die lang gestreckte obere Etage entlangziehen. General Manager Pedro Alvellos ist stolz darauf, nach einigen Jahren in Häusern von Leading ­Hotels of the World nun Gastgeber sein zu können «im schönsten Luxushotel seiner Heimatstadt Porto». Jeder der Flure ist einem bestimmten Thema gewidmet wie der Geschichte der Portweinregion oder den Seefahrten berühmter Portugiesen.

Blick aus der Wanne auf den Douro

Auf dem Weg zum Vinothérapie Spa kann der Gast sich informieren über die in Portugal wachsenden Korkeichen und ihre Verwendungen, gefolgt von einer ­Galerie mit Werken junger portugiesischer Künstler. Alle Wellnessanwendungen haben mit Wein zu tun wie das belebende Schlankheits-Peeling mit zerstossenen Kernen der Cabernet-Traube. Oder das Highlight: Eintauchen in ein warmes «Barrel Bath» mit wohltuender Düsenmassage und dem Zusatz von Weintraubenextrakt, dazu der Märchenblick aus der Wanne auf Porto und den Douro.

25000 Flaschen der edelsten Tropfen aus der Douro-Region birgt der «Wine Cellar». Darunter auch Spezialabfüllungen in 2- und 3-Liter-Flaschen oder noch grösseren Dimensionen für besondere Gelegenheiten, wie einen «Brut Método Clássico» in einer 9-Liter-Flasche. Jeden Donnerstag findet hier ein festliches «Wine Dinner» statt, jeweils ausgerichtet von einem der 66 Partner und mit dazu abgestimmten delikaten Kreationen des Küchenchefs. Natürlich hat der Gast die Möglichkeit, die Weinkeller der Partner zu besichtigen mit Verkostung, zum Beispiel den benachbarten von «Taylor’s», der seit 1692 in Familienbesitz ist. Der teuerste der dort im Safe liegenden Portweine stammt aus dem Jahr 1855 und kostet 21385 Euro.

Nur zehn Fussminuten die Strasse hinunter sind es vom Luxushotel zum Ufer des Douro, wo am Kai die historischen ­Segelboote dümpeln, beladen mit (heute vermutlich leeren) Fässern. Noch vor 50 Jahren wurde mit den kleinen Seglern der Wein von den Kellereien am Douro nach Porto gebracht, hier eingelagert und später über den Atlantik verschifft.

 

 

 

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