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Österreichs Klassiker: Ohne Mozart durch Salzburg

Salzburg: Blick über die Salzach und die Altstadt auf das Wahrzeichen, die Festung Hohensalzburg.

Die viertgrösste Stadt Österreichs hat mehr zu bieten als ihren berühmten Sohn.

Von Daniel Tschudy
21.03.2012

Der gute alte Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) hat kaum geahnt, wie sehr er dereinst seiner Geburtsstadt Salzburg seinen Stempel aufdrücken wird: Mozart Geburtshaus, Mozart Wohnhaus, Mozart Familiengrab, Mozartkugeln, Mozarthotel, Universität Mozarteum oder einfach billige Krawatten mit dem Antlitz des Komponisten – er ist wirklich omnipräsent. Das haben weder die Beatles in Liverpool noch Elvis in Memphis geschafft. Selbst die Gegenwart kann sich nicht davon verstecken: «Spirit of Mozart» heisst ein Kunstwerk von Ma­rina Abramovic, wo man über dem Fluss Salzach auf Stühlen sitzen und in sich gehend den Geist Mozarts fühlen kann.

Aber die viertgrösste Stadt Österreichs bietet so viel mehr als Mozart. Sehr visuell ist vor allem die permanente Freilichtausstellung «Walk of Modern Art». Seit zehn Jahren hat der künstlerische Leiter Walter Smerling immer wieder namhafte internationale Künstler gewinnen können, ein Projekt eigens für den öffentlichen Stadtraum zu konzipieren. Dazu wurden verschiedene öffentliche, teilweise etwas versteckte Plätze Salzburgs angeboten.

Zeitgemässe Kunst und Küche

Mittlerweile sind es zwölf Kunstprojekte. Erwin Wurms provokative «Gurken» zum Beispiel wurden beim klassischen Schiller-Monument platziert, direkt vor den Festspielhäusern. Das hat dann in der Musikszene schon mal etwas Unruhe kreiert. Aber schmunzeln muss man beim Anblick trotzdem. Eindrücklich ist auch der 5 Meter hohe Kopf eines jungen Mädchens namens Awilda, eine Skulptur des katalanischen Künstlers Jaume Plensa. Das Schöne am «Walk of Modern Art» ist, dass man während eines mehrstündigen Spaziergangs entlang der Ausstellung ­automatisch auch die Stadt kennen lernt.

Kunst kann man auch noch an anderen Orten erleben, beispielsweise auf dem Mönchsberg hoch über Salzburg. Dort steht das Museum der Moderne und zeigt heuer vom 15. Juli bis 17. Oktober 2012 und in Kooperation mit der Akademie der Künste Berlin eine Ausstellung zum 100. Geburtstag von John Cage. Dies könnte man Mitte August mit einem Besuch der internationalen Kunstmesse verbinden. Diese findet in der Salzburger Residenz statt. Zeitgemäss ist auch alles, was im Hangar 7, etwas ausserhalb des Zentrums und direkt am Rollfeld des Flughafens, ­angeboten wird. Heimbasis des Red-Bull-Konzerns und von dessen charisma­tischem Gründer Dietrich «Didi» Mateschitz. Im multifunktionellen Gebäude kann man eine Vielzahl von Aktivitäten geniessen. Dreimal im Jahr werden wechselnde Kunstausstellungen von jungen Talenten gezeigt, dann gibt es historische Flieger und Formel-1-Boliden. Als Höhepunkt kann man im Restaurant Ikarus mit 18 Gault-Millaut-Punkten essen. Hier tritt monatlich ein anderer Gastkoch auf.

Gute Verpflegung ist den Salzburgern wichtig. Die Stadt bietet viele, meist kleinere Gasthäuser, immer mehr mit Speisen aus der ganzen Welt. Kein Geheimtipp ist das «Carpe Diem» an der Getreidegasse, das etwa für seine Spargelmousseline mit gebratenen Jakobsmuscheln bekannt ist. Das Lokal nennt das lapidar «eine Ode an die Geschmacksnerven».

Historische Läden und Leichen

Wer sich dennoch mit der Geschichte auseinandersetzen will, kommt auch ohne Mozart auf seine Rechnung. Salzburg hält an vielen Traditionen fest und versteckt sich dabei nicht. So werden zum Beispiel alte Gewerbe liebevoll geschützt, wie man das im bereits in sechster Generation geführten Glasladen der Wiener ­Familie Lobmeyr an der Schwarzstrasse sehen kann. Oder beim Hemdenmacher Babitsch an der Wolf-Dietrich-Strasse. Oder beim Schuhmacher Haderer an der Pfeiffergasse, bekannt durch seine Bergschuhe für Himalaya-Expeditionen oder die Skierfolge von Toni Sailer. Oder, nochmals ein schönes Beispiel, im Laden des Ledermachers Kainberger an der Goldgasse. Alles sind authentische Bijous, die zum Verweilen und Geniessen einladen.

Wenn man dann für ein paar Minuten seine Ruhe braucht, dann kann man den Sebastiansfriedhof besuchen. Er wurde 1595 vom Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau in Auftrag gegeben und ist nur etwa 90 auf 80 Meter gross – dafür sagenhaft still und fast mystisch. Heute finden dort keine Beerdigungen mehr statt. Die meisten Gräber sind überwachsen. Und so fühlt sich ein Besuch in diesem mit gewölbten Arkaden umgebenen Garten fast wie eine Zeitreise an. Erwähnenswert ist das Grab der Familie Mozart; hier hat unter anderem die Witwe Constanze ihre letzte Ruhe gefunden. Die sterblichen Überreste des Gatten liegen ja in den Ehrengräbern am Zentralfriedhof in Wien.

Wer in Salzburg wirklich Mozart will, kriegt ihn «live»: Anfang Jahr während der Mozart-Woche oder im Spätsommer während der Salzburger Festspiele. Sie werden neu von Alexander Pereira, dem langjährigen Direktor des Zürcher Opernhauses, geleitet. Auch seine Agenda sieht Mozart vor, nämlich die «Zauberflöte».

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