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Melbourne 
Ein Schmelztiegel

Mit einer Länge von 245 Kilometern, 27 Linien und über 1800 Haltestellen hat Melbourne das grösste Strassenbahnnetz der Welt

Die zweitgrösste Stadt Australiens tritt immer mehr aus dem Schatten von Sydney. Melbourne gilt nicht umsonst als die lebenswerteste Stadt der Welt.

Von Daniel Tschudy
13.03.2013

Melbourne ist eine der attraktivsten Städte der Welt – mit Geschichte, Lebensstil, Spass und vor allem viel Sport: ­«Easy-going» oder wie die ­Australier sagen «no worries». Das zieht an, sowohl Menschen als auch Unternehmen. Sie kommen in Scharen aus ­aller Welt. Mittlerweile leben fast 4 Millionen Einwohner in der Hauptstadt des australischen Bundesstaats Victoria. So steigt trotz relativ langer Anreisedauer das Angebot an Flügen nach Melbourne. Es gibt mehr als 500 internationale Verbindungen pro Woche. Kein Wunder, dass der Hauptflughafen Tullamarine­ 24 Stunden rund um die Uhr geöffnet ist.

Um die Metropole zu verstehen, lohnt sich zu Beginn des Aufenthalts ein Besuch auf dem Eureka Tower, dem höchsten Wohngebäude der Südhalbkugel. Auf dem Skydeck im 88. Stock gibt es einen Glaskubus, der 3 Meter weit aus der Hausfassade herausgefahren wird und so einen Blick 285 Meter in die Tiefe freigibt – nur getrennt durch eine 4,5 cm dicke Glaswand. Aber man kann die Perspektive über die Stadt am Yarra-Fluss auch normal auf der Aussichtsplattform geniessen. Der Panoramablick ist phantastisch: Das alte Stadtzentrum, dann das Finanzzentrum, das neue Tagungszentrum und natürlich die Sportstätten, inklusive der Tennisanlagen des Australian Open. Aus luftiger Höhe kann man gut erkennen, wie freundlich Melbourne für Fussgänger und Velofahrer und wie ausgeklügelt das Tramsystem ist. Mit einer Länge von 245 ­Kilo­metern, 27 Linien und über 1800 Haltestellen besitzt die Stadt das grösste Strassenbahnnetz der Welt. Höhepunkt ist das City ­Circle Tram (Nummer 35), das die Innenstadt mit ­historischen Fahrzeugen umrundet – kostenlos übrigens.

Etwas für jeden Geschmack

Das Klima ist das ganze Jahr hindurch angenehm. Man kann es als mediterran bezeichnen. Die durchschnittlichen Höchsttemperaturen im Sommer (unserem Winter) liegen bei 26 Grad, im Winter fallen sie selten unter 13 Grad. Kein Wunder, gibt es unzählige Strassencafés und insgesamt rund 3000 Restaurants und Bars. Dabei sind alle möglichen ethnischen Gruppen vertreten. Angeführt von den Griechen. In Melbourne lebt die grösste griechische Gemeinde ausserhalb ­ihrer Heimat. Dicht gefolgt von den Chinesen, dem nun wichtigsten Handelspartner Australiens. Aber die ganze Welt ist hier vertreten, vor allem die Alte Welt. Es scheint, Melbourne ist wie Europa. Oder besser, Melbourne ist Europa. Spannend, multikulturell und jederzeit eine Reise wert. Die langen Flugzeiten werden durch Lebensstil und Vielfalt wettgemacht.

Die passende Unterkunft gibt es selbstverständlich. Man muss sich einfach die ersten ein, zwei Tage etwas schonen. Jede führende internationale Hotelgruppe ist vor Ort, zum ­Beispiel Intercontinental, Hyatt und Westin, die alle an der oder in der Nähe der zentralen Collins Street sind. Es gibt auch kleinere Boutique-Hotels, zum Beispiel das «Lindrum» an der Flinders Street oder das «The Prince» etwas ausserhalb ­Melbournes in St. Kilda am Meer. Dieses 40-Zimmer-Haus sieht von aussen nicht speziell aus, gewann aber kürzlich den «Australia’s Leading Boutique Hotel Award» und bietet ­modernste urbane Innendekoration. Das «The Prince» ist teilweise im Art-déco-Stil gehalten, ähnlich wie das «Causeway» an der Little Collins Street, eine sympathische und preis­gerechte kleine Adresse mitten in der Altstadt.

Grosse moderne Unterkünfte führt die Crown-Kette. Deren Häuser liegen allesamt im trendigen Quartier rund um das Kongresszentrum und das Spielkasino zwischen der Southbank und South Wharf. Eine Alternative ist das 1883 erbaute und altehrwürdige Hotel Windsor, ein traditionelles Haus mit geschichtsträchtiger Innendekoration und «Tea at 4 pm»­-Angebot. Das «Windsor» ist älter als die vergleichbaren «Ritz» und «Savoy» in London oder das «Raffles» in Singapur.

Ausflüge in und um die Stadt

Die Geschichte des vorletzten Jahrhunderts kann man im Golden-Mile-Quartier sowieso auf Schritt und Tritt verfolgen. Es werden Führungen angeboten, aber man kann auch selber einen rund 4 Kilometer langen «Heritage Trail» nutzen. Er führt vom Immigrationsmuseum zum Rathaus und dann ­vorbei an vielen alten Gaststätten und Handelsgebäuden. ­Sogar ein altes Bordell wird vorgestellt, zusammen mit der spannenden Geschichte der Madame Brussels. Einer deutschen Geschäftsfrau, die anno 1897 an der Lonsdale Street ein Luxusetablissement eröffnete. Das Haus lebt noch immer von den Erinnerungen. Heute ist es ein Café.

Vergangenheit und Gegenwart treffen sich ebenso herrlich im Queen-Victoria-Markt, einer spannenden Sehenswürdigkeit der Metropole und dem grössten Freiluftbazar der südlichen Hemisphäre. Alles begann vor 160 Jahren über einem ehemaligen Friedhof, zuerst nur für den Grosshandel und später für Endkunden. Heute ist der Markt eines der grossen touristischen Ziele der Stadt und bietet eine Vielfalt von Früchten, Gemüsen, Meeresfrüchten und Fleisch an. Zudem führt der «Vic» Kleider, Schuhe, Schmuck und Handwerkswaren.

Ohne jetzt gleich durch ganz Australien reisen zu müssen – es gibt in und um Melbourne vieles zu erleben. Legendär ist die Sportbegeisterung der Australier, wobei der harte «Aussie Rules Football» für Europäer gewöhnungsbedürftig ist. Sport gibt es täglich und überall, auch im Fernsehprogramm. Wer mehr wissen will, kann das National Sports Museum ­besuchen. Einfacher zu erleben sind die Ausflüge rund um die Stadt, allen voran zur Philips-Insel mit ihren Pinguinparaden. Jeden Morgen ziehen Hunderte von Zwergpinguinen von ihren Behausungen ins Meer, um dort Fisch für ihre Jungen zu ­fangen. Am Abend kehren sie wieder zu ihren Bauten an der Felsküste zurück. Ein ruhiges und faszinierendes Erlebnis. ­Genauso wie ein Besuch in der träumerischen Weinregion im Yarra-Tal, das man unter anderem mit Heissluftballons erfahren kann. Dabei lassen sich im nahe liegenden Buschland des Healesville Sanctuary einheimische Tierarten wie Dingos, Kängurus und das scheue Schnabeltier beobachten.

 

Hopetoun Tea: Die süsseste Versuchung in Down Under

 

Café
Die Confiserie Sprüngli sucht man Down Under ver­gebens. Dafür gibt es in Melbourne wenigstens Kaffee und Schokolade im altehrwürdigen Hopetoun Tea Rooms aus den 1890er-Jahren. Es liegt in der Block Arkade an der Collins Street und bietet viele kleine Schlemmereien. Aber ohne Reservation wird es schwierig oder man wartet geduldig draussen in der Schlange. ­Reservieren kann man übrigens auch online auf der ­Website www.hopetountearooms.com.au.

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