Bilanz
BilanzLifestyle
  1. Home
  2. Lifestyle
  3. Reisen
  4. Kreuzfahrtgiganten: Masse samt Klasse

 
Kreuzfahrtgiganten: Masse samt Klasse

MSC Yacht Club: Persönliche Butler sollen den Gästen der 71 Suiten in der «Members only»-Zone jeden Wunsch erfüllen.

MSC wagt mit seinem Yacht-Club-Konzept einen Spagat. An Bord eines Ozeanriesen mit 4000 Passagieren wird ein kleiner Teil exklusiv betreut.

Von Norman C. Bandi
22.03.2012

Vorbei geht es an Hunderten von anstehenden Menschen, die an diesem Nachmittag in Barcelona ganz regulär einschiffen. Die «Splendida» von MSC Crociere kann fast 4000 Passagiere mitnehmen. Vor dem Cruise Terminal wurde man von einem der wartenden Butler empfangen. Er wird sein Dutzend Gäste die nächsten Tage rund um die Uhr betreuen – sofern man dies von ihm wünscht. Selbstverständlich durfte man sein Gepäck schon draussen abgeben. Es wird noch vor den Gästen in einer der grössten der 1637 Kabinen sein. Auf Begehr wird der Inhalt des Koffers vom Bediensteten unter Anleitung sogar ausgepackt.

Der klassisch gekleidete Butler aus Indonesien führt die Gäste direkt an Bord. Obwohl man als Passagier dazu sonst eine Cruise Card als Ausweis braucht, schleust er einen ohne diese Plastikkarte ins Innere des Ozeanriesen. Das Vorweisen des Passes oder der ID genügt. Mit dem Lift geht es hoch ins 15. von 18 Stockwerken. Im vorderen Teil des Decks der «Leonardo Da Vinci» angekommen, betritt man die Concierge Area. Hier wird das Bild für die Cruise Card mit einer Webcam geschossen. Wenig später ist man im Besitz der Legitimation, die fortan belegt, dass man zur auserlesenen Klientel gehört.

Nur im Refugium bevorzugt behandelt

Diese und weitere Privilegien sind Teil des Konzepts MSC Yacht Club, über das momentan zwei der elf Schiffe der italienischen Reederei mit Sitz in Genf verfügen. Nummer zwölf, der Neubau «Divina», wird es ab Mitte 2012 in modifizierter Form gleichfalls führen. Der MSC Yacht Club ist eine geschlossene Zone, die ihren Gästen in edlem Ambiente wohltuende Ruhe sowie Privatsphäre bietet, obwohl man sich auf dem Rest des Dampfers mit Tausenden anderen Passagieren tummelt. Solange man sein geschütztes Refugium nicht verlässt, merkt man davon nichts. Sobald man sich nach draussen wagt, spürt man unweigerlich, dass man auf einem sogenannten Gigaliner ist. In den öffentlichen Bereichen wird man nicht mehr wirklich bevorzugt behandelt.

Die 71 geräumigen Suiten auf der «Splendida» (Deck 15 und 16) – 23 bis 53 Quadratmeter und meistens mit Balkon – zeichnen sich durch eine hochwertige Inneneinrichtung aus, etwa Holztäfelung oder Marmorbad. Auch eine Auswahl an Kopfkissen und Bettdecken fehlt nicht. Zum MSC Yacht Club gehören ausserdem ein eigenes, leider kleines Schwimmbad samt Whirlpool und Bar auf der privaten Sonnenterrasse (Deck 18), die exklusive Panorama Top Sail Lounge mit Blick von oben vorne aufs Meer (Deck 15), genau über der Kommandobrücke gelegen, sowie ein diskreter Zugang via Geheimlift zum MSC Aurea Spa (Deck 14), dem Wellness- und Fitnesszentrum an Bord.

Auch speisen kann man unter seinesgleichen. Gefrühstückt wird meistens in der Panorama Top Sail Lounge. Ausserhalb der Zeiten für das Mittag- und Abendessen findet man hier stets ein Häppchen-Buffet. Für die grossen Mahlzeiten geht man ins exklusive Gourmetrestaurant L’Olivo (Deck 15), wobei es weder Tischordnung noch Sitzungstermine gibt. Der Makel daran: Man muss vom MSC Yacht Club bis nach ganz hinten gehen. Das Schiff ist übrigens 333,3 Meter lang. Dies wird auf der neuen, nochmals grösseren «Divina» anders sein, weil das Gourmetrestaurant dort vorne liegt und von Anfang an für die Gäste des MSC Yacht Club konzipiert wurde. Auf der «Splendida » war es ursprünglich für alle Passagiere als Premiumlokal gegen Aufpreis gedacht.

Wie das Villenviertel einer Grossstadt

«Es geht uns nicht darum, den Luxusreedereien mit ihren kleinen yachtähnlichen Schiffen Konkurrenz zu machen», erklärt Paul Egli, Geschäftsführer von MSC Kreuzfahrten in der Schweiz. Doch der persönliche Butler und die «Members only»-Zone hoben das Serviceniveau auf einem Gigaliner dieser Grössenordnung auf eine neue Stufe. «Die Idee hinter unserem exklusiven Konzept ist es, ein neues Kundensegment zu erschliessen, das zwar im Villenviertel lebt, aber nicht auf die Annehmlichkeiten einer Grossstadt verzichten will.» Quasi wie zu Hause könne man spontan entscheiden, ob man in den Ausgang gehen wolle oder nicht.

Zudem ist es ein Luxus, den man sich leisten kann, weil er nicht snobistisch überteuert ist. Pro Person kostet eine Suite für eine achttägige Mittelmeer-Kreuzfahrt nach Katalogpreis ab 4000 Franken – mit Frühbucherrabatt sind es schnell mal 1500 bis 2000 Franken weniger. Dafür ist neben den Leistungen einer Standardschiffsreise im MSC Yacht Club eine Auswahl an alkoholischen Getränken und Softdrinks inbegriffen, gleichsam aus der Minibar in der Suite. Zudem: Die Atmosphäre ist nicht steif, die Kleiderordnung oft leger und Kinder sind willkommen.

Weitere Informationen finden Sie in unserer Rubrik Kreuzfahrten

Anzeige