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Fortschritt 
Der Oman wirbt um Seefahrer und Touristen

Wie der Oman wieder zum Handelszentrum werden will
Sonnenuntergang in Maskat: Der Oman sieht die Zukunft in der Vergangenheit. Andrew Moore/CC/flickr

Vor Jahrhunderten war das Sultanat Oman ein wichtiger Knotenpunkt des Welthandels. Um die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren, soll die ehemalige Seefahrernation an glorreiche Zeiten anknüpfen.

Von Sumnima Udas (CNN International)
26.09.2015, Aktualisiert am 27.09.2015

Entgegen des landläufigen Glaubens war die altertümliche Seidenstrasse nie nur ein einzelner Verkehrsweg. Vielmehr handelte es sich dabei um ein weitläufiges Netz aus miteinander verbundenen Handelsrouten, das sich über Land und See erstreckte. Den Ehrenplatz als maritimer Knotenpunkt im Zentrum dieses pulsierenden Netzwerks hatten die pittoresken Küsten des Sultanats Oman inne.

Vor Jahrhunderten legten die mit Gewürzen und Halbedelsteinen beladenen Schiffe aus dem Tal des Indus an den historischen Häfen Omans an: Ras al-Hadd und Ras al-Jinz. Im Gegenzug handelten omanische Kaufmänner mit Weihrauch, dem aromatischen Harz, das einst sein Gewicht in Gold wert war. Die traditionellen Dhauen aus Holz segelten bis nach Indien, Indonesien und China. Im Laufe der Jahre wurden die omanischen Seefahrer Pioniere in der Kunst der Navigation.

Seefahrergeist wiederaufleben lassen

Es waren die nautischen Fähigkeiten sowie die Passatwinde des indischen Monsuns, die dem Land dabei halfen, ein mächtiges Imperium aufzubauen, das sich von Persien – dem heutigen Iran – bis hinunter nach Sansibar in Ostafrika erstreckte. Während der Dreharbeiten zur neuesten Folge der CNN Sendung «The Silk Road» konnte ich erleben, wie entschlossen sich der Oman zeigt, diesen Seefahrergeist wiederaufleben zu lassen und seine historische Rolle als Zentrum des maritimen Handels zurückzuerobern.

Im Hafen von Salalah im Süden Omans, einem der drei wichtigsten Häfen des Landes, kommen heute jeden Tag durchschnittlich fünf oder sechs gigantische, mit zehntausenden Containern beladene Transportschiffe an. Die zwischen 20 und 40 Tonnen schweren Container werden binnen Stunden verladen und auf kleinere Schiffe gehievt, die daraufhin den Weg in Städte wie Dubai, Mogadischu oder Hongkong antreten. Als Umladehafen ist Salalah vor allem wegen seiner Lage zum wichtigsten Drehkreuz der Region geworden.

Fahrzeit wird kürzer

An der Mündung des Persischen Golfs perfekt gelegen, befindet sich der omanische Hafen von Salalah im Zentrum der östlichen sowie westlichen Schiffsrouten. Indem sie in Salalah Halt machen, können Frachtschiffe, die im Indischen Ozean navigieren, die enge und überfüllte Strasse von Hormus umgehen. Dies verkürzt die Fahrtzeit um einige Tage und spart den Händlern auch einen erheblichen Teil der Kosten.

Daher ist Salalah nicht nur einer der beliebtesten Zugangspunkte zum Mittleren Osten, nach Indien und nach Afrika, sondern nach dem Dschabal Ali in Dubai auch der zweitgrösste Hafen in der Region. Es gibt ausserdem bereits Pläne, noch weiter zu expandieren und in der Region Duqm einen brandneuen Hafen zu errichten. All dies geschieht im Zuge von Initiativen, durch die Oman seine Abhängigkeit vom Öl reduzieren und eine Zukunft gestalten will, die sich, wie auch schon in der Vergangenheit, einmal mehr auf das Meer stützt.

Am Meer, für das Meer und wegen des Meeres

Angesichts von mehr als tausend Kilometern Küstenlinie ist das Meer im Oman nie besonders weit entfernt. Die See ist ein wesentliches Element der Geschichte, der Kultur, der Menschen und der Wirtschaft des Landes. An den Küsten Omans findet man überall kleine Dörfer, im Wasser spielende Kinder, die sich aus Styropor Surfbretter basteln und Fischer, die den Fang des Tages an Land schaffen. Mohsin Al Busaidi, der erste Araber, der ohne Zwischenstopp die Welt umsegelte, erklärte mir, dass «Salzwasser durch die omanischen Venen» fliesse. Die Menschen hier leben am Meer, für das Meer und wegen des Meeres.

Busaidi ist ein Mitglied von Oman Sail, einer Initiative, die 2008 gegründet wurde, um die maritime Vergangenheit des Landes wieder aufleben zu lassen, indem sie die Jugend inspiriert und künftige Olympioniken der Nation unterstützt. Seitdem sich das Land in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend der Energiewirtschaft zuwandte, haben viele junge Menschen im Oman Berufe in den lukrativeren Industrien angenommen, etwa dem Öl- und Gassektor. Oman Sail versucht dieser Entwicklung aktiv entgegenzuwirken, indem es regelmässig Sichtungstouren im gesamten Land durchführt und die Faszination des Segelns wieder ins Gedächtnis der Menschen ruft.

Tourismus als Schlüsselelement

Die maritime Vergangenheit des Omans wieder zu beleben, ist auch ein Weg, immer mehr Touristen in das Land zu locken. Die gigantischen Segel fungieren wie im Wind flatternde Reklameflächen bei Regatten. Wie Busaidi mir erklärte, denken viele Menschen noch immer, der Oman bestehe ausschliesslich aus Wüste. Von der reichen maritimen Vergangenheit des Landes wissen die meisten nichts. Nachdem Schätzungen davon ausgehen, dass er bis ins Jahr 2024 für mehr als acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich sein wird, hat man im Tourismus eines der Schlüsselelemente des wirtschaftlichen Wachstums von Oman erkannt. Auch darum ist das Land bemüht, seine altertümliche Seele zu bewahren, ohne dabei jedoch auf ein modernes Gesicht zu verzichten.

CNN International Korrespondentin Sumnima Udas bereist jeden Monat ein anderes Land entlang der Seidenstrasse. In dem 30-minütigen Format wird die moderne Welt in den historischen Kontext gestellt. Weitere Informationen finden Sie auf der Microsite und unter #CNNSilkRoad. Diese Kolumne lesen Sie in der Schweiz exklusiv auf handelszeitung.ch.

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