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Aviatik 
Ein Riesenairbus rettet gestrandete Touristen

A380
Airbus: Zeitverwendung für gebrauchte A380.Quelle: Getty Images

Lösung bei Flugausfällen: Wenn Touristen an Urlaubsorten festsitzen oder gar nicht erst in die Ferien fliegen können.

Von Gerhard Hegmann («Die Welt»)
04.08.2018

Wer kurzfristig ein Auto braucht, ruft beim Autovermieter an. Was ist aber, wenn ein Touristikunternehmen kurzfristig ein grösseres Flugzeug benötigt? Für diese Notfälle gibt es Unternehmen, die sogenannte Wet-Lease-Angebote im Programm haben. Dabei können Flugzeuge komplett mit Piloten und Besatzung gemietet werden – auch kurzfristig und für wenige Flüge.

Seit Kurzem gehört erstmals auch ein Riesenairbus A380 in das weltweite Mietangebot der Charterfirmen. Und der Touristikkonzern Thomas Cook hat jetzt den Riesen-Airbus genutzt, um Touristen auf Zypern und Mallorca nach Hause oder in die Sonne zu fliegen.

Ein Charterflugzeug bietet sich als Lösung an

Auslöser für den ungeplanten Einsatz des weltgrössten Passagierflugzeugs im Mittelmeerraum waren Computerprobleme auf dem Flughafen von Rhodos Anfang der Woche. Hunderte Touristen waren zu einer unfreiwilligen Urlaubsverlängerung gezwungen. Sie strandeten auf der griechischen Ferieninsel. Andere konnten ihre lang ersehnten Sommerferien nicht antreten. Sie sassen am Abflughafen fest. Viele Flüge mussten umgeleitet werden. Flugzeuge wurden knapp.

Die skandinavische Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook wählte daher eine ungewöhnliche Lösung. Um Touristen an ihr Ferienziel zu bringen und von dort abzuholen, wurde kurzfristig eine A380 von Hi Fly gechartert und auf zwei Flügen eingesetzt. Am 1. August von Kopenhagen zur zyprischen Hafenstadt Larnaca und zurück und am 2. August von Oslo nach Palma de Mallorca und zurück, erklärte ein Mediensprecher. Die Landebahnen und Abfertigungsanlagen sorgten offensichtlich für keine grösseren Probleme bei dem Riesenflugzeug.

Ein erfolgreiches Geschäftsmodell

Es handelt sich um zwei Ausnahmeflüge und keine längerfristige Anmietung des Hi-Fly-A380 durch den britischen Reisekonzern. In der Luftfahrtbranche wird nämlich aufmerksam verfolgt, wie es dem portugiesischem Wet-Lease-Anbieter mit dem A380 ergeht und wer ihn längerfristig anmietet.

Erstmals wird über Hi Fly nämlich eine A380 als Gebrauchtmodell bei einem neuen Betreiber eingesetzt. Singapore Airlines hatte den Vertrag bei der Leasinggesellschaft Doric für das Modell nach zehn Jahren nicht verlängert. Nach einem Umbau und mit neuer Lackierung kann der Flieger seit Kurzem jetzt bei Hi Fly angemietet werden. Die Leasingfirma Doric sieht darin einen Erfolg für ihre Kapitalanleger.

Andere A380 werden verschrottet

Aber nicht jede gebrauchte A380 findet eine Zweitverwendung. So werden zwei andere, von Singapore Airlines zurückgegebene Riesenairbus derzeit in Südfrankreich zerlegt und die wertvollen Teile verkauft. Für diese Modelle ist die deutsche Investmentgesellschaft Dr. Peters Group zuständig. Auch sie argumentiert mit der besten Lösung für ihre Kapitalanleger. Nach der Kalkulation erwartet die Dr. Peters Group aus der Verwertung eines gebrauchten A380 noch etwa 80 Millionen Dollar. Gekauft wurde das Flugzeug vor gut zehn Jahren für etwa 220 Millionen Dollar.

Wie hoch die Mietrate für eine mehr oder minder einmalige Anmietung eines A380 ist, wird nicht veröffentlicht. Die Fluggesellschaft Singapore Airlines zahlte pro Monat gut 1,7 Millionen Dollar Leasinggebühr, als das Flugzeug noch in ihrem Bestand war. Jetzt bietet Hi Fly das Flugzeug in einer Drei-Klassen-Aufteilung mit 471 Sitzen an, darunter zwölf First-Class-Suiten und 68 Business-Sitze.

Auf der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough kündigte Hi-Fly-Chef Paulo Mirpuri an, dass er im nächsten Jahr eine weitere gebrauchte A380 übernehmen will, um sie dann auch im Vermietgeschäft anzubieten. Die Nachfrage übertreffe die Erwartungen, sagte er.

Flugzeugvermieter machen gute Geschäfte

Für die Flugzeugvermieter herrscht derzeit ohnehin Hochkonjunktur. So werden sofort einsetzbare Flugzeuge samt Besatzung von den etablierten Airlines dringend gesucht, weil aus mehreren Gründen ihre Einsatzpläne durcheinandergewirbelt werden. Erst jüngst musste die Lufthansa einräumen, dass der Übergang von bisherigen Air-Berlin-Flugzeugen in die Eurowings-Flotte langsamer als geplant abläuft und daher Wet-Lease-Flugzeuge angemietet werden mussten.

Bei Thomas Cook und der dazugehörigen Airline Condor heisst es, dass nur in grossen Ausnahmen, wie dem Stromausfall auf dem Flughafen Hamburg oder Aschewolken Flüge gestrichen werden. Als erste Massnahme werde dann ein Reserveflugzeug aus der eigenen 100 Flugzeuge starken Flotte eingesetzt. Sollte hier kein Flugzeug verfügbar sein, werde ein Flugzeug von einem Wet-Lease Anbieter eingekauft. Hi Fly sei seit geraumer Zeit ein Wet-Lease-Partner mit dem auch Condor zusammenarbeite. «Wenn es sinnvoll erscheint, ist auch der Einsatz einer A380 denkbar», erklärte ein Sprecher.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der «Welt» unter dem Titel: «Ein Riesenairbus wird zum Retter für gestrandete Urlauber».
 

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