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Angenehm 
So entspannt fliegt es sich im Privatjet

Mit dem Privatjet fliegen, statt in der vollgestopften Economy Class. Das bleibt für viele Ferienreisende ein Traum. Unser Autor Gabriel Knupfer hat es ausprobiert.

Von Gabriel Knupfer
28.06.2016

Das unauffällige Firmengebäude im Cargo-Bereich des Zürcher Flughafens wirkt nicht gerade einladend. Doch der Aston Martin, der direkt vor dem Eingang steht, zeigt mir, dass ich richtig bin. Hier beginnen die Reisen der Superreichen. Heute werde auch ich zum ersten Mal in einem Privatjet fliegen. Darauf habe ich lange gewartet.

Sonst sehen meine Flüge meist so aus: Schreiende Babys, deren Mütter offenbar noch nie von der Erfindung des Nuggis gehört haben, betrunkene Sitznachbarn, die mit viel Alkohol ihre Flugangst überwinden, bevor sie schnarchend einschlafen und Schülerinnen, die einen Flug lang ihre Gesichter in die Kotztüte stecken – jeder, der schon einmal in einer vollgestopften Economy-Klasse eingezwängt war, weiss wie nervig fliegen sein kann.

Entspannt und speditiv

Künftig auf einen Privatjet umzusteigen, ist den meisten dann aber doch zu teuer. Ausprobieren würden es aber viele sicher gerne. Ich habe mir jedenfalls schon mehr als einmal gewünscht, nicht zu den 99 Prozent der Normalsterblichen zu gehören, die sich Linienflüge antun müssen. Und so habe ich sofort zugesagt, als ich vom Privatjetanbieter Netjets zu einem Promoflug mit der Cessna Citation Latitude eingeladen wurde.

Schon die Sicherheitskontrolle ist – zumindest am Flughafen Zürich – total entspannt und speditiv. Von der Lounge muss ich keine zwanzig Schritte machen, bis ich beim Gepäckscanner im gleichen Gebäude bin. Statt langen Schlangen und ansteckend nervösem Personal lächeln Zöllner und Polizisten und winken mich durch. Mit einem schwarzen Van von Mercedes werden wir zum Flugzeug gefahren. Augenblicke später stehe ich vor der fabrikneuen Cessna. Die Piloten erwarten uns und erklären beim Einsteigen den Flugplan.

Alle Plätze sind gut

Wohin wir fliegen werden ist mir in diesem Moment eigentlich ziemlich egal. Der erste Eindruck vom Innern ist überwältigend. Gleich beim Eingang ist die Nespresso-Maschine platziert. Nach vorne ist der Blick ins Cockpit offen, im Passagierraum stehen sechs grosse Ledersessel für uns bereit. Jeder Passagier sitzt zugleich am Fenster und am Gang – die schwierigste Entscheidung bei der Auswahl des Sitzplatzes bleibt mir damit erspart. Ich nehme einen Platz in der hinteren Reihe, so dass es weniger auffällt, wenn ich lieber rausschaue, als den Ausführungen der Begleiter zu folgen.

Der Innenraum ist in hellem Grau gehalten und aus dem Soundsystem tönt «Up in the Sky» von 77 Bombay Street. Doch dann, als ich es mir in meinem Sessel gemütlich gemacht habe, die erste kleine Enttäuschung. Selbst im Privatjet gibt es eine Sicherheitseinweisung. So erfahre ich, dass die Sauerstoffmasken im Fall eines Druckverlustes automatisch aus der Decke kommen würden und dass sich die Schwimmwesten – wichtig bei einer Notwasserung im Bodensee – unter den Sitzen befänden.

Steiler Start

Endlich werden die Triebwerke gestartet. Seit meiner Ankunft ist eine knappe halbe Stunde vergangen. Das ist nicht schlecht, denn sonst bin ich immer mindestens eine Stunde vor dem Start am Flughafen – und muss am Ende oft doch noch rennen. Start und Steigflug sind heftiger als mit einem grossen Flugzeug. Bis die Cessna die gewünschte Höhe erreicht hat, werde ich wegen dem steileren Anstellwinkel in den Sessel gepresst. Das Triebwerk ist zwar nicht besonders laut, macht aber ein unangenehmes Geräusch, ähnlich dem hohen Surren eines Rasenmähers. Glücklicherweise geht das schnell vorüber. Es wird leise in der Kabine und der Flieger scheint beinahe zu gleiten.

Im Gegensatz zu den oft zerkratzten Bullaugen der Linienflieger sind die zehn Fenster riesig und an diesem Tag bietet sich eine fantastische Aussicht auf Bodensee und Alpen. Mit einem iPad kann ich die Klimaanlage, den Sichtschutz und das Soundsystem von meinem Platz aus bedienen. Das Wlan funktioniert, wenn auch nicht gerade superschnell.

Grosszügige Kabine

Ziemlich angenehm ist die Kabinenhöhe von 1,83 Metern. Ich kann aufrecht stehen und mich frei im Flieger bewegen, wenn die Anschnalllichter aus sind. Im Cockpit haben die Piloten während dem Reiseflug Zeit für Erklärungen – oder dazu den Gästen einen Kaffee aus der Maschine zu lassen. Und eigentlich könnte ich mir jetzt sogar eine Zigarette drehen, doch ich will meine fünf Mitreisenden nicht belästigen.

Sehr spürbar ist die geringere Kabinendruckhöhe. Obwohl die Cessna höher fliegt, als ein Linienflug – bis zu 13'700 Meter über dem Boden – und so dem dichtesten Flugverkehr und vielen Unwettern ausweichen kann, bleibt der Innendruck hoch. In Verkehrsflugzeugen darf der Luftdruck nicht unter eine Druckhöhe von 8000 Fuss fallen. Passagiere fühlen sich dabei wie auf einem 2400 Meter hohen Berg. In der Cessna dagegen wird in der Kabine ein Druck erzeugt, der einer Höhe von 5950 Fuss (1800 Meter) entspricht.

Nicht gerade billig

Der höhere Kabineninnendruck kommt zum Schluss des Fluges am meisten zur Geltung. Obwohl Sinkflug und Landung analog zum Start ziemlich abrupt vonstatten gehen, habe ich keinen Druck auf den Ohren wie sonst. Zurück am Boden bin ich genauso Fit wie vor dem Start – und nicht gerädert wie nach vielen anderen Flügen.

Es ist tatsächlich so: Ein Flug im Privatjet ist vom Anfang bis zum Ende ein schöneres Erlebnis als ein Linienflug. Daran könnte ich mich direkt gewöhnen. Doch wäre ich wirklich bereit, dafür 5000 Franken oder mehr pro Flugstunde hinzublättern? Ich weiss es nicht, aber für einen Journalisten ist die Frage ohnehin eher hypothetischer Natur.

Der Flug für Journalisten wurde von Netjets Europe ermöglicht.

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