Welche Speisen muss der stilvolle Gast auf jeden Fall mit Besteck essen?

Christoph Stokar: Eigentlich jede Speise, mit Ausnahme des Brotes und der Patisserie zum Kaffee. Bei einem Essen unter Freunden kann man sich natürlich mehr Freiheiten herausnehmen als in einem sehr formellen Rahmen. Generell gilt für viele sogenannte Benimmregeln heutzutage, dass die Situa­tion bestimmt, wie man sich verhalten sollte. Am Tisch geht es allerdings immer noch konservativer zu und her als beispielsweise beim Duzen, wo doch in letzter Zeit die Dämme am Brechen sind. Situationsgerechtes Verhalten ist zeitgemäss.

Gelten die alten Regeln noch: Salat nur mit der Gabel, für Fisch das Fischmesser?

Wie gesagt, das kommt auf die Umstände an. Beim Salat darf heutzutage tatsächlich das Messer zum Teilen von Blättern verwendet werden. Doch unsere Grosseltern lernten das noch anders. Auch bei Eierspeisen – ausser Spiegeleiern – sollte nur die Gabel verwendet werden, bei Fisch, falls kein Fischmesser vorliegt, auch. Ebenso bei Gerichten aus Teig, zum Beispiel Quiche Lorraine, sollte es nur die Gabel sein.

Und wenn man unsicher ist?

Das aufgetischte Besteck kann Hinweise darauf geben, was vorgesehen ist. Nicht die dümmste Idee ist es, zu warten, bis die Gastgeber oder eine kompetent wirkende Person mit dem Essen beginnt, um zu schauen, wie das Problem angepackt werden könnte.

Wie steht es bei Spargeln?

Den Hinweis gibt eine Fingerschale, so sie denn auf dem Tisch steht. Gibt es keine, sollte man wohl mit Messer und Gabel vorgehen. Ein Blick in die Runde könnte ebenfalls Rückschlüsse geben. Man beginnt mit dem Zerschneiden der Spargelspitze – und der Teller wurde hoffentlich so hingestellt, dass diese nach links zeigen.

Ist Obstbesteck heute out?

Ja, eher – oder gibt es das noch, eine Frucht auf dem Teller? In einem Hotel vielleicht, und dann sollte man es wohl verwenden. Sich in einer solchen Umgebung lieber etwas förmlicher verhalten als zu arglos.

Soll der private Gastgeber für jeden Gang separates ­Besteck decken oder wirkt das übertrieben?

Rechts werden maximal vier Besteckteile – inklusive Suppenlöffel –, links drei eingedeckt, plus Dessertbesteck oben am Teller. Das gilt natürlich für ein sehr formelles Essen. Tatsächlich kann die ganze Auslegeordnung auch etwas grossspurig wirken – die Zusammensetzung der Gäste soll den Rahmen geben, würde ich vorschlagen. Ein Hochzeitsessen ist nicht das Gleiche wie der Fondue-Abend unter Freunden.

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