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Mode: Farbe bekennen

Pebble Beach, Kalifornien, USA (18 Loch)

Bequemlichkeit und Funktionalität sind in Sachen Golfbekleidung wichtige Kriterien. Nur: Golfmode lässt sich nicht nur beim Sport tragen. Golf goes City – und die Modegrenzen verwischen sich.

Von Mirjam Fassold
02.05.2012

Die Vorgaben für Golfplatz-fähige Bekleidung schwinden – Haupt­sache, Oberteile besitzen Kragen und Ärmel(chen) und beim Beinkleid rutscht der Saum nicht höher als eine Handbreit übers Knie. Und der Gang über den Golfplatz wird 2012 zu einem farbenfrohen Erlebnis – zu sehen gibts viel, vor allem Streifen, aber auch auffällige Muster und Kleidung, die auf Figur geschnitten ist. Das macht Golfhose und Polohemd City-tauglich.

«Auf dem Golfplatz anständig angezogen zu sein, ist korrektes Verhalten gegenüber allen anderen, die sich ebenfalls Mühe geben, gut gekleidet zum Spiel zu ­erscheinen», sagt Bruno In-Albon. Der ehemalige Präsident des Golf Club Ennetsee ZG und Schweiz-Chef des Golfmode-Produzenten Chervò weiss, wovon er spricht. Golf-Etikette und modische Bekleidung müssen aber keine Gegensätze sein.

Auf Figur geschnitten

«Generell ist festzustellen, dass Golfmode wieder vermehrt auf Figur, also ­körperbetont geschnitten wird», sagt In-Albon. In der Golfmode verabschiede man sich vom klassischen S-M-L-Grössenmodell. Golfbekleidung wird modischer und sexier. «Technische Fasern eröffnen dem Hersteller eine Vielzahl von Möglich­keiten, was Schnitt und Verarbeitung ­betrifft», erklärt In-Albon. Schmale Silhouetten gehen dabei Hand in Hand mit Bequemlichkeit und Bewegungsfreiheit. Die gute alte Baumwolle sei nicht mehr up to date, «speziell was den Schweisstransport betrifft». Doch auch bei Kunstfasern ist Vorsicht geboten. «Hier sind die Qualitätsunterschiede massiv, aber häufig erst beim Tragen zu erkennen, gerade was den Geruch betrifft», warnt In-Albon. Gute ­Beratung und ein paar Franken mehr investieren könne sich beispielsweise bei Poloshirts lohnen.

Federleicht, elastisch, atmungsaktiv und je nach Einsatzgebiet sogar wasser- und windresistent sind Golfklamotten der neuesten Generation. Höchster Tragekomfort und ergonomische Passform sind für sportlich orientierte Labels wie Kjus und Peak Performance oberste Maxime. Auch Chervò setzt auf diese Werte, bringt aber einen Schuss mehr Mode ins Spiel.

Mit dem Trend zu körpernaher Schnittführung verwischen die Grenzen zwischen Golf- und Freizeitbekleidung. «Eine Entwicklung, die den Bedürfnissen des modernen Golfers entspricht», sagt John Furch, Mitinhaber von The Golfers in Malans GR: «Golfmode wird heute nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Freizeit – und je nach Branche sogar bei der Arbeit – getragen.»

Violett für die Herren

Entsprechend modisch und farbenfroh präsentiert sich die aktuelle Golfbekleidung. «Die Trendfarbe für Herren in dieser Saison ist Violett», erklärt Bruno In-Albon, der sich zwar beruflich aus der Branche zurückgezogen hat, privat aber nach wie vor sehr interessiert und bestens informiert ist. Weitere Trendfarben für Herren sind Hellblau und Lachs. Am meisten gefragt seien aber nach wie vor die Standardfarben Dunkelblau, Weiss, Schwarz und Rot, erklärt Furch.

Die Sommerfarbe für Golferinnen ist heuer Weiss, oft in Kombination mit Pastellfarben, wobei die auch in der normalen Damenmode hochaktuellen Türkis- und Minttöne stark vertreten sind.

Richtig bunt treiben es auf dem Golfplatz junge Labels wie Girls Golf aus Deutschland oder die britischen Marken Bunker Mentality und Queen of the Green; sie trumpfen in knalligem Grün, Orange und Pink auf. Auch Sportmode-Hersteller wie Puma setzen in ihren Golfkollektionen auf starke, leuch­tende Farben. «Junioren lieben diesen Ricky-Fowler-Style», erklärt John Furch mit Blick auf die orange Puma-Linie. Erwachsene Golfer hielten sich dagegen eher an konservativere Farben, sagt der Amerikaner. «In vielen Köpfen steckt der Gedanke, dass man gut Golf spielen muss, um tren­dige Golfmode in auffälligen Farben zu tragen. Dabei geht es doch nur darum, Spass zu haben», so Furch.

Sich von der Masse abzuheben ist im Golfsommer 2012 auch mit kleinen Details möglich. «Die neuen Kollektionen zeichnen sich durch zahlreiche Features und spe­zielle Knöpfe aus», erklärt Bruno In-Albon. Klassische Labels machen dies dezent, auch wenn es in zahlreichen Damenkollektionen dank Pailletten, Perlen, Glitzersteinen und Nieten blitzt und funkelt. Mit auffälligen Aufnähern und Aufdrucken punkten die Shirts des britischen Labels Bunker Mentality – die Rücken­ansicht des Golfers verrät zuweilen seine Gesinnung («Hit it hard», «Golf Addict»).

Klassische Labels setzen in diesem Jahr sowohl bei Herren wie auch bei Damen auf Streifen, wobei das starke Geschlecht am Oberkörper breitere Streifen trägt, während die Ladys in mediterranen, sehr fein gestreiften Shirts gute Figur machen. Chervò bringt die Streifen sogar bei den Hosen zum Einsatz, die hier aber längs ­angeordnet und weder ganz schmal noch richtig breit sind.

Wieder «in» sind auch Karohosen. Die IJP-Design-Kollektion des englischen Golf­stars Ian James Poulter basiert auf seinem Poulter Tartan. Dieses Karomuster überträgt IJP für die aktuelle Kollektion in verschiedene Sommerfarben, von dezentem Weiss und Rosa bis zu leuchtenden Hellblau-Orange-Kombinationen. Echte Hingucker sind auch die rot-schwarzen Karohosen von Golfino sowie das türkis-graue Karo von Adidas.

Hosen für sie und ihn

Zu einem der trendigsten Kleidungsstücke für Golfer dürfte in dieser Saison aber die lange Hose in knalligem Rot oder Weiss avancieren. Das schwedische Label J. Lindeberg beispielsweise hat ein auf ­Figur geschnittenes rotes Modell in der Kollektion. Weisse Hosen für Herren gibts gar bei praktisch allen Herstellern – sportlich bei Peak Performance und Adidas, modisch bei Bogner. Aus den Kollektionen verschwunden sind dagegen weit geschnittene Bermuda-Shorts – wenn kurz, dann körpernah. Wer eine kurze Hose trägt, sollte unbedingt auf die Wahl der Socken achten; von hoher Qualität, sauber und farblich abgestimmt sollten sie sein.

Auch Damen haben auf dem Golfplatz gerne die Hosen an, wobei diese nicht ­unbedingt lang sein müssen «Drei-Viertel- und Sieben-Achtel-Hosen für Damen sind wieder im Trend, vor allem in Pastellfarben sowie gestreift», sagt In-Albon. Skorts (Jupes mit eingenähter Hose) hingegen bleiben ein Nischenprodukt.

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