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Mode 
Die Japaner geben sich im Büro plötzlich locker

Japanische Angestellte: Das Auftreten wird lässiger. Bild: Keystone

Krawattenlos und kurzärmlig: 2005 führte Japans Regierung Sommermode für Büroangestellte ein. Dabei ging es nicht um Stil, sondern ums Energiesparen. Inzwischen hat sich der Trend etabliert.

Von Jan Knüsel (Asienspiegel)
12.05.2014

In Japan trägt der Salaryman – der männliche Büroangestellte in einem renommierten Unternehmen – unabhängig von seiner Funktion einen Anzug. Monoton sieht es in Tokio aus, wenn die Millionen von Angestellten am frühen Morgen zu ihrer Arbeit pendeln. Lockere Kleiderregelungen wie im Westen gibt es kaum.

Eine Änderung trat erst ein, als 2005 der damalige Premierminister Junichiro Koizumi den Salarymen eine Sommermode verordnete, um den hohen Energieverbrauch für die Klimaanlagen in den Büros zu senken. Krawattenlos, kurzärmlig und mit offenem Kragen soll man in den Sommermonaten arbeiten gehen. Cool Biz nannte man die Kampagne. Der Befehl von oben zeigte Wirkung. In vielen Unternehmen hat sich die neue Mode inzwischen fest etabliert.

Von cool zu supercool

Cool Biz jährt sich nun bereits zum zehnten Mal. Seit dem 1. Mai dieses Jahres ist es den Salarymen wieder einmal erlaubt, kurzärmlig und ohne Jackett zur Arbeit zu gehen. Im Gegenzug kühlen die Firmen ihre Büroräume nicht mehr unter 28 Grad herunter. Bis zum Oktober dauert die Empfehlung des Umweltministeriums, an die sich laut FNN News inzwischen 63,1 Prozent der Firmen halten.

Doch Cool Biz reicht schon lange nicht mehr aus. Seit der AKW-Katastrophe von Fukushima hat die Regierung Super Cool Biz als zusätzliche Energiesparmassnahme zwischen Juni und September eingeführt. Dann dürfen die Salarymen gar mit Poloshirts oder den leichten Kariyushi-Hemden aus Okinawa arbeiten. Je nach Situation und Unternehmen sind gar T-Shirts und Jeans erlaubt – als Ausnahme zur Regel.

Okinawa setzt sich durch

Die Modewelt hat die Sommerkampagne schon längst als Geschäftschance wahrgenommen. Jeweils im April beginnen die Kaufhäuser mit dem Verkauf der speziellen Cool Biz-Mode. Für die Präfektur Okinawa ist die Kombination von Super Cool Biz mit Kariyushi übrigens zur perfekten Werbekampagne geworden.

Das Hemd wurde Anfang der 1970er-Jahre in Anlehnung an das Aloha-Shirt als Werbegag von lokalen Hotelangestellten eingeführt. Schnell verbreitete sich das Kariyushi, das sich perfekt fürs feucht-heisse Klima eignet. Seit Super Cool Biz ist das sommerliche Okinawa-Gefühl auch in Tokios grauem Büroalltag angekommen.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf asienspiegel.ch - News aus Japan, China und Korea.

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