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Luxushotel 
Trump eröffnet Luxushotel neben dem Weissen Haus

Ob er die Wahl gewinnt oder nicht, Donald Trump macht sich in Washington breit: Inmitten des Regierungsbezirks eröffnet der Milliardär ein Luxushotel. Das gefällt nicht allen.

Von CORINNA CLARA RÖTTKER
13.09.2016

Die Pennsylvania Avenue ist jene Strasse in Washington, die mit dem Weissen Haus und dem Kapitol zwei der wichtigsten Machtzentren des Landes verbindet. Man könnte sagen, sie ist Amerikas Hauptstrasse, in der alle vier Jahre die grosse Parade zur Amtseinführung des neuen Präsidenten stattfindet.

Seit gestern hat jene Strasse einen Mieter mehr – Donald Trump. Denn unabhängig davon, ob der schrille Milliardär nun Amerikas 45. Präsident wird oder nicht, hat er sich seinen Platz in der Pennsylvania Avenue gesichert.

Trump als Mieter

Mitten im Zentrum Washingtons prangt sein Name nun vom alten Postamt herab, dem höchsten Gebäude und Wahrzeichen der US-Hauptstadt. Der 70-Jährige hat es zu einem Fünf-Sterne-Hotel umfunktioniert: dem «Trump International Hotel». Nicht weit entfernt erhebt sich die Kuppel des Kapitols; auf der anderen Seite, ein paar hundert Meter weiter, kann man das Weisse Haus zwischen Bäumen und Sträuchern erkennen.

Trump hatte 2012 einen 60-jährigen Nutzungsvertrag fürs Postamt abgeschlossen und investierte rund 200 Millionen Dollar ins Projekt. Das Gebäude gehört einer Regierungsbehörde, die Miete beläuft sich Berichten zufolge auf drei Millionen US-Dollar jährlich.

In goldenen Grossbuchstaben

Ganz in Trump-Manier liess sich der Republikaner seinen Namen über den Eingang seines jüngsten Prestigeobjekts gravieren, natürlich in goldenen Grossbuchstaben. Auch im inneren glänzt und glitzert es überall. Ob Treppengeländer, Tische oder Gepäckwagen – überall ist Gold die dominierende Farbe.

Neben 263 Zimmer verfügt das Schlosshotel über einen Ballsaal, der – weil es Trumps Ballsaal ist – natürlich der grösste Washingtons ist.

Dekadenz hat ihren Preis

So viel Dekadenz hat ihren Preis: Die Zimmer kosten pro Nacht mindestens 700 Dollar. Wem die Standardausstattung nicht reicht, kann die Präsidentensuite wählen, samt Fitnessraum und Badezimmer voller Marmor. Kostenpunkt: 10'000 Dollar.

Der Preis für das noch grössere, 600 Quadratmeter grosse Trump Townhouse, das über einen Speisesaal mit 24 Plätzen verfügt, beginnt bei stolzen 18’750 Dollar - so viel wie manche Bewohner der Stadt in einem Jahr nicht verdienen.

Doch es geht noch teurer, und zwar während der Amtseinführung des Obama-Nachfolgers im Januar: Wer dann im Townhouse nächtigen möchte, blättert 100'000 Dollar hin. Die Nacht versteht sich.

Ein Trumpf im Wahlkampf

Für den New Yorker Unternehmer ist der Symbolwert seines neuen Schmuckstücks unermesslich: Donald Trump ist angekommen auf der Pennsylvania Avenue, in einem Schloss aus Gold und Marmor. Und weil in diesem Wahlkampf alles Bedeutung hat, was Trump tut, ist die Eröffnung nicht nur eine Fussnote. Es vermengt sich im grossen Rauschen, das den Präsidentschaftskandidaten umgibt.

Dabei wird zwischen dem Unternehmer Trump und dem Politiker Trump kein Unterschied mehr gemacht, weil es keinen Unterschied gibt. Tiefgründige politische Ideen offenbart er nicht. Ein Amt, an dem er sich messen liesse, gibt es nicht.

Und so vermengen sich Trump der Unternehmer und Trump der Politiker zu einem Gesamtbild, mit Strahlkraft für den Amerikaner, der sich einen Präsidentschaftskandidaten wünscht, der stark und erfolgreich ist.

Viele Medien messen ihn dabei an seinen unternehmerischen Leistungen. Die aber sind keineswegs so glorreich, wie er immer wieder behauptet. Innerhalb von 18 Jahren meldeten vier Firmen aus seinem Kasino-Imperium Insolvenz an. Immer wieder verhob sich der Baulöwe an Immobilien in der Glücksspiel-Hochburg Atlantic City.

Ärger lässt nicht lange auf sich warten

Doch trotz aller Symbolik – auch auf Ärger ist stets Verlass bei den milliardenschweren Wirtschaftsprojekten des Immobilien-Magnaten. So auch im Fall des neuen Hotels.

Trumps provokative Äusserungen über Flüchtlinge und Muslime hatten zur Folge, dass die bekannten Spitzenköche José Andrés und Geoffrey Zakarian auf ihre Anstellung im «Trump International Hotel» in Washington verzichteten. Trump verklagte sie. Der Streit soll nun vor Gericht ausgetragen werden.

Auch Bürgerrechtsorganisationen störten sich an Trumps Aussagen. Rund zwei Dutzend Demonstranten versammelten sich vor der Eröffnung vor dem Gebäude. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie «Nein zu Trump» und «Steh' auf gegen Rassismus».

Doch Trump fühlt sich dadurch nicht gestört. Stattdessen wurde er in den letzten Monaten nicht müde zu betonen, dass das Projekt «pünktlich und zu einem niedrigeren Preis» fertig geworden sei. Und fügte dem stets bei, wann die Regierung zuletzt etwas «on time and under budget» geschafft habe.

(mit sda-Material)

 
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