Die Sportfans müssen sich im Fernsehsessel wie in einem niemals enden wollenden TV-Spot wähnen: Skicracks wie Didier Cuche, Bode Miller oder Benjamin Raich stürzen sich todesmutig über den Hundschopf – fliegen dabei selbstverständlich über einen «Wengen»-Schriftzug hinweg und brausen nach der Landung mit Tempi von über 100 Kilometern die Stunde an Werbebannern vorbei in Richtung Tal. Haben die Athleten daraufhin das Ziel-S mit übersäuerten Oberschenkeln passiert, lassen sie sich auf dem Siegertreppchen – natürlich mit dem Signet eines Autobauers im Hintergrund – von der jubelnden Masse feiern.

Diese Szenen bekommen die Zuschauer vor Ort oder am Bildschirm auch an diesem Wochenende zu sehen. Längst haben der internationale Skiverband (FIS), das Schweizer Fernsehen, Wengen Tourismus, nationale und internationale Grosskonzerne sowie PR-Profis das Lauberhorn-Rennen in ein Medien- und Werbeereignis verwandelt.

65'000 potentielle Konsumenten

20 Sponsoren scheuen keinen Aufwand, ihre Firma während dem längsten Abfahrtsrennen der Welt ins beste Licht zu rücken. Darüber hinaus locken die Veranstalter mit Marketingaktionen insgesamt 65'000 Zuschauer über die drei Renntage aus der Innerschweiz, dem Aargau, Bern oder der Region Zürich nach Wengen.

Damit aber nicht genug: Im Vorfeld des Lauberhorn-Rennens wird der zahlungskräftigen Kundschaft aus dem Ausland der rote Teppich ausgelegt. Ausländischen Firmen und Prominenten stehen 1500 VIP-Plätze zur Verfügung - verteilt über drei Bereiche der Rennstrecke. Alles mit demselben Ziel: Die Menschenmassen sollen in Konsumlaune gebracht werden.

Lauberhorn-Rennen rettet Wengen das Weihnachtsgeschäft

Mittendrin unzählige TV-Stationen. Alleine das Schweizer Fernsehen peilt eine Einschaltquote von durchschnittlich einer Million Zuschauer an - inklusive Siegerehrung zur «Primetime» sind so weitere potenzielle Touristen im Visier.

Kein Wunder also meldet Wengen Tourismus: «Für das Rennwochenende sind unsere Hoteliers komplett ausgelastet.» Diese höchst willkommene Einnahmequelle ist in Anbetracht des schwierigen ökonomischen Umfeldes und des harzigen Starts in die neue Saison keine Selbstverständlichkeit – im Gegenteil: Im November und Dezember versagte Petrus der Region weitgehend den Gehorsam. Der Schnee blieb aus, Anullationen folgten. Zwar waren die Unterkünfte über die Feiertage wieder ausgebucht, doch dies ändert nichts am «Fehlstart» in der umsatzstärksten Jahreszeit.

Studien zeigen jedenfalls: Der Marketing- und Werbeaufwand für das Berner Oberland lohnt sich. Der Mythos Lauberhorn bringt der Region eine direkte und indirekte Wertschöpfung in Höhe von 5,1 Millionen Franken – pro Jahr. 

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