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Streetart 
Banksy: Graffiti stehen zum Verkauf

Banksy wurde mit seinen Graffiti weltbekannt. Viel ist über den vermutlich aus Bristol stammenden Engländer nicht bekannt - wahrscheinlich sind es mehrere Sprayer. Jetzt stehen Werke zum Verkauf.

Von Katrin Bachofen
13.10.2016, Aktualisiert am 16.10.2016

Urban Art wird heute als weltumspannendes kulturelles Phänomen wahrgenommen. Hervorgegangen aus der Graffiti-Kunst des ausgehenden 20. Jahrhunderts, mischt sie sich in das kollektive Gefüge einer Stadt ein und hat bereits viele erfolgreiche Künstler und Akteure hervorgebracht, die durch ihr subversives und subkulturelles Potenzial bestechen.

Einer der bekanntesten ist Banksy. Er ist eine Marke. Jeder kennt seine Bilder, die er gekonnt und nonchalant bei Nacht und Nebel sprüht. Doch wer sich hinter dieser sehr gesuchten und teuer gehandelten Kunst verbirgt, weiss man bis heute nicht. Wurde der anonyme Sprayer früher von Polizisten und Reinigungskolonnen verfolgt, sind es nun die Sammler. Bereits seit Jahren fertigt Banksy Siebdrucke seiner bekanntesten Motive an, wobei die Auflagen recht hoch sein können. Die signierten und nummerierten Werke werden über Mittler verkauft. Unikate erzielen auf Auktionen mittlerweile sechsstellige Preise - nicht selten werden sie direkt von den Wänden gestohlen.

Jesusknaben mit Giftfläschen

47 Werke von Banksy aus der privaten Sammlung des Galeristen und Kunstsammlers Dirk G. Kronsbein stellt die Münchner Galerie Kronsbein an der Art Fair Cologne vom 27. bis 30. Oktober in Köln aus. Die Präsentation «Banksy - King of Urban Art» war von April bis September 2016 in der Münchner Galerie bereits als reine Museumsausstellung zu sehen.

In Köln werden die Werke nun zum Verkauf stehen, darunter so bekannte Motive wie «Girl with Balloon», «Toxic Mary Double» und «Choose Your Weapon». Ausgesuchte Originale und Editionen treffen aufeinander. In der Ausstellung gibt es etwa die Hommage an den grossen Vorgänger Keith Haring und dessen Hund zu sehen - unter dem Titel « Choose Your Weapon». Es werden aber auch komplexere Arbeiten gezeigt wie die beiden Versionen von « Toxic Mary», die den Jesusknaben mit einem Giftfläschchen füttert.

Keine Tabus

Banksy kennt keine Tabus – die Queen erscheint als Schimpansendame im royalen Ornat, auf einer gut sichtbaren Fassade küssen sich zwei Polizisten und Premierminister Winston Churchill ist mit einer giftgrünen Irokesenfrisur ausgestattet. Das öffentliche Ärgernis ist mit solchen «Stencils» genannten Schablonenbildern perfekt.

Und doch amüsieren sich die Briten darüber, denn Banksy liefert keine plumpen Demontagen. Seine Graffitis sind ironisch, raffiniert und meist scharfsinnig auf den Punkt gebracht. Daneben gibt es aber auch wunderbar poetische Szenen wie das Mädchen «Nola», von deren Schirm farbiger Regen fällt. Die Galerie Kronsbein präsentiert hier einen Artist's Proof.

Gesellschaftskritik aus der Spraydose

Doch bei den meisten seiner ausgeklügelten Spray-Aktionen geht es um soziale Ungerechtigkeit, um Gewalt und Waffenwahnsinn. Banksy tritt meist wie eine moderne Mischung aus Robin Hood und Zorro auf. Seine soziale wie politische Haltung und sein subversiver Humor, der zugleich in tiefen Empfindlichkeiten rührt, machen die Qualität des Guerilla-Sprayers aus.

Kunstagenten und Sammler sind deshalb hinter seinen Stencils her. Unter den Bewunderern finden sich Künstlerkollegen wie Damien Hirst, aber auch Hollywoodstars wie Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Kevin Bacon oder Kate Moss. Letztere sammelt nicht nur Banksys, sondern wurde von ihm auch als Marilyn Monroe im Stil von Andy Warhol verewigt. Das Werk «Kate» wird ebenfalls am Stand von Kronsbein zu sehen sein.

Einzelakteur oder Künstlerkollektiv

Über den grossen Unbekannten selbst ist so gut wie nichts bekannt. Man weiss eigentlich nur, dass er um die 40 sein muss – als Geburtsjahr kursiert 1973 – und aus Bristol stammt. Wenn Fotos vom angeblich echten Banksy auftauchen, folgt sofort das Dementi. Es wird auch vermutet, dass es sich nicht um einen einzelnen Akteur, sondern um ein Künstlerkollektiv handelt. Das würde zumindest die inzwischen weltweiten Einsätze erklären.

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