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Kunst 
Unwiderstehliche Direktheit und monumentale Qualität

Ausstellungsansicht: «Joan Miró» in der Galerie Gmurzynska, Zürich

Die Werke von Miró, Godly und Mapplethorpe sind auf den ersten Blick völlig unterschiedlich. Ihnen gemeinsam ist jedoch eine eindrückliche monumentale Qualität und Direktheit.

Von Katrin Bachofen
09.12.2015

Parallel zur grossen Miró-Ausstellung, die im Kunsthaus Zürich noch bis zum 24. Januar 2016 zu sehen ist, präsentiert die Galerie Gmurzynska am Zürcher Paradeplatz eine sehr sehenswerte Schau mit Werken des spanischen Künstlers. Der Fokus liegt auf den facettenreichen Werken, die Joan Miró einerseits in Paris, im Kreise des surrealistischen Genies André Breton, und anderseits in Barcelona geschaffen hat.

Gezeigt werden auch einige frühe, radikal abstrakt-surrealistische Museumsstücke wie das «Circus House» aus dem Jahr 1925 oder die farblich delikate «Peinture» von 1927 – Werke aus den frühesten Se­rien von Mirós Traum-Œuvres, die heute in den grossen Sammlungen in Europa und den USA zu finden sind.

Mirós Skizzenbuch

Daneben finden sich selten gezeigte Stücke wie die «College-Drawings» der 1930er-Jahre, die in ganz unterschiedlichen Techniken entstanden sind. Diese frühen Werke waren kürzlich Thema ­eines Ausstellungsprojekts im Museum of Modern Art, New York. Ein weiteres Highlight ist eine Serie grossformatiger Gemälde mit biomorphen Interpretationen des weiblichen Körpers. Es handelt sich dabei um Ausarbeitungen aus Mirós Skizzenbuch, das 1930 während eines Urlaubs mit seiner jungen Braut Pilar Joncosa entstand.

Abgerundet wird die Schau durch eine eigenständige Werkserie mit eindrücklichen ­anthropomorphen Bronzen aus den 1960er- und 1970er-Jahren. So etwa die aufwendig strukturierte «Femme» von 1968 – eine exklusive Edi­tion, die Miró speziell für die Fundacio Joan Miró in Barce­lona und für die Stiftung Aimé und Marguerite Maeght in Saint-Paul den Vence konzipiert hat (bis 30. Januar 2016).

Tony Wuethrich Satellite

Die Tony Wuethrich Galerie präsentiert derzeit ein weiteres Ausstellungsprojekt unter dem Namen Tony Wuethrich Satellite. Der Basler Galerist ist zu Gast in den Räumen der Galerie Bob van Orsouw im Zürcher Löwenbräu-Areal. Unter dem Titel «Ten Years After» zeigt er dort eine erlesene Auswahl von Werken der letzten zehn Jahre von Conrad Jon Godly, die bis anhin noch nie ausgestellt waren. Conrad Jon Godly (geb. 1962) besuchte von 1982 bis 1986 die Malfachklasse bei Franz Fedier in Basel und pflegte zunächst eine poppig-bunte Bildsprache, mit der er menschliche Gestalten mit expressiver malerischer Geste ins Zentrum setzte.

Später widmete er sich der Fotografie und kehrte erst 2004 – nach zwanzigjähriger Abstinenz vom Malen – wieder zu seinen Wurzeln als Maler zurück. Im vergangenen Jahrzehnt hat er ein reiches und überraschendes Werk geschaffen, in dessen Zentrum Farbqualität, Materialität, Reduktion sowie motivische Andeutungen stehen. Obwohl viele seiner kraftvollen Bilder als Hommage an die Natur zu verstehen sind, sieht sich Godly nicht als Landschaftsmaler. Denn seine wuchtigen Werke entstehen im Atelier; die topographische Wiedererkennbarkeit ist für den Künstler nicht zentral (bis 22. Dezember 2015).

Inszenierte Körperteile bei Mapplethorpe

Die Fotografie von Robert Mapplethorpe (1946 bis 1989) verkörpert den Inbegriff der Anwendbarkeit klassischer Idealität auf die heutige Zeit. Die Zürcher Mai 36 Galerie, die sein Werk seit 1988 vertritt, zeigt mit «femmes», die erste Ausstellung des Künstlers, die ausschliesslich dem Thema Frauen gewidmet ist. Sie vereint unter anderem Aufnahmen von Lisa Lyon, der ersten Bodybuilderin der USA, die Mapplethorpe immer wieder als ideales Model seiner Intentionen fotografiert hat, mit modisch stilisierten Porträts und Akten Jennifer Jakobsens sowie Selbstporträts des Künstlers als Drag Queen.

Mapplethorpe, der auch Stillleben und Porträts anfertigte, konnte Schönheit geradezu produzieren. Seine technische Finesse liess keinerlei Zufälle zu. Den objekthaften fotografischen Umgang mit seinen Modellen, die er wie modellierte Skulpturen abbildete, betonte er oft zusätzlich durch die inszenierte Darstellung einzelner Körperteile. Entstanden sind so Schwarzweissaufnahmen von unwiderstehlicher Direktheit, die trotz ihrer kleinen Formate eine erstaunliche monumentale Qualität besitzen (noch bis zum 30. Januar 2016).

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