Bilanz
BilanzLifestyle
  1. Home
  2. Lifestyle
  3. Kunst
  4. Begehrte Designobjekte: Erschwingliche Klassiker

Kunst 
Begehrte Designobjekte: Erschwingliche Klassiker

Walter Pichler, 1966, zwei Paar «Galaxy 1»-Armsessel, «Galaxy 2»-Couchtisch, (Dorotheum Wien)

Die ganz grossen Design-Klassiker werden mittlerweile zu Kunstmarktpreisen gehandelt. Doch gibt es immer wieder originelle Objekte, die erschwinglich sind.

Veröffentlicht 06.05.2015

Was haben Design-Klassiker wie Eileen Grey, Charles & Ray Eames, Verner Panton oder Gaetano Pesce gemeinsam? Ihre Objekte sind ebenso rar wie teuer und bewegen sich inzwischen nicht selten im sechs- bis siebenstelligen Bereich. So verkaufte das Auktionshaus Phillips kürzlich in seiner Londoner Design-Auktion am 28. April Marc Newsons «Lockheed Lounge» für 2,43 Millionen Pfund und stellt damit einen neuen Rekord für einen noch lebenden Designer auf. Dass originelles Design aber auch erschwinglich sein kann, zeigt ein Blick auf kommende Auktionen.

Der Schwerpunkt der Design-Auktion im Wiener Dorotheum am 20. Mai liegt diesmal auf Mid-Century Design und zeitgenössischen Objekten. Nicht nur im Zuge der derzeitigen Zero- und Op-Art-Renaissance sind derzeit Kunst und Design aus den 1950er- bis 1970er-Jahren sehr gefragt. Den Geist des Space Age verströmen der «Galaxy 1»-Armsessel und der «Galaxy 2»-Couchtisch des Österreichers Walter Pichler von 1966. Aus leichtem Aluminium gebaut, entstammt die futuristische Möbelästhetik dem Flugzeugbau. Die seltenen und gut erhaltenen Ikonen österreichischer Design-Geschichte sind pro Sesselpaar auf je 20 000 bis 25 000 Euro geschätzt, der Tisch auf 15 000 bis 20 000 Euro.

Höhepunkte aus Italien und New York

Aus einer italienischen Privatsammlung eingeliefert wurde eine Reihe rarer avantgardistischer Objekte von Ettore Sottsass, darunter das seltene «Elledue»-Kunststoff-Doppelbett (Schätzpreis 35 000–40 000 Euro). Zwischen Kunst und Design angesiedelt ist Günther Dohrs kinetisches Op-Art-Lichtobjekt «Cylindrogram» (50 × 100 cm, Auflage 3/10, 5000 und 8000 Euro). Konzeptuelles zeitgenössisches Design kommt von Xaver Sedelmeier, der alltägliche Objekte wie Sessel- und Liegeflächen aus Wellblech mit Porsche-Lack überzieht, sowie der nach einem Algorithmus lasergeschnittene «Breeding Table» von Clemens Weisshaar/Reed Kram, ein Unikat mit einer Schätzung von 11 000 bis 15 000 Euro. Die österreichische Gruppe breadedEscalope interpretierte die Stabelle, den typisch schweizerischen Stuhl im alpenländischen Stil, neu. Etwa als «Retino»-Bank mit verstellbaren Rückenlehnen (2400–3500 Euro).

Zu den Highlights der rund 300 Objekte umfassenden Design-Auktion bei Quittenbaum in München am 10. Juni gehören einige originelle Sitzobjekte mit konzeptueller, skulpturaler Wirkung. Allen voran der leuchtend rote «pied chaise» der New Yorker Künstlerin Nicola L. 1967/68 entworfen, wurde er in limitierter Auflage von rund 50 Exemplaren produziert (Schätzpreis 3000–3500 Euro). Spielfreude zeigt sich auch in Mario Bellinis Objekten «gli scacchi» (1971), die wie geometrische ­moderne Schachfiguren im Raum Position beziehen und je nach Bedarf als Sitz oder Tisch dienen (600–800 Euro). Gegensätzliche gestalterische Prinzipien zeigen zwei Sixties-Schminktische aus Italien. Mit Kunststoff und rotem Kunstleder zelebriert Luigi Massoni bei seinem «Dilly Dally»-Rolltisch mit integriertem Hocker einen glamourösen Disco-Chic (900–1200 Euro, inklusive zwei Nachttische), während Ico Parisi auf Bauhaus-Ästhetik setzt (1000–1200 Euro).

Design auch in der Galerie Fischer

Auch die Galerie Fischer Auktionen in Luzern hat bei ihren Auktionen vom 17. bis 19. Juni Design im Programm. Zu den ganz gros­sen Namen gehört Le Corbusier, der mit dem Fauteuil «LC PJ», einem Original-CP-Modell (um 1928) aus verchromtem Stahlrohr und braunem Leder, vertreten ist (Schätzpreis 4000–4500 Franken). Vom Mailänder Designer Gio Ponti stammt ein Schaukelstuhl, Modell 572, 1955 für Ed. Cassina (4000–6000 Franken). Ein zweitüriges Barmöbel von Osvaldo Borsani aus Mahagoni, innen verspiegelt und mit integrierten Gläserablagen in den Türen (3500–4500 Franken), entführt einen mit seiner Entstehungszeit um 1940/1950 zurück in die Frühzeit der Cocktailpartys.

Anzeige