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Comics etablieren sich als feste Grösse in der Kunstszene

Jacques Tardi: «Adele» Tardi_Castermann (Fumetto 2015, Luzern).

Vom Nischenmarkt zum Renditegeschäft: Originale prominenter Comic-Zeichner sind begehrte Investitionsobjekte. Für einige rare Exemplare werden Millionen bezahlt.

Von Katrin Bachofen
11.02.2015

Das Preisniveau für alte Comics hat sich in den letzten 20 Jahren kontinuierlich gesteigert. Während Comic-Hefte hauptsächlich von Amerikanern gesammelt werden, schätzen die Europäer vor allem die Ausstrahlung der Originalzeichnungen. Das Spektrum reicht von Skizzen über Vorlagen in Tusche für die Kolorierung bis hin zu den komplett gestalteten Titelblättern.

In Europa hat das Genre vor allem in Frankreich und Belgien eine lange Tradi­tion, wo es zahlreiche Anbieter für europäische Comics gibt. Ebenso gesucht wie selten sind die Originale von Georges Remi – alias Hergé –, der mit seinen Tintin-Heften weltberühmt wurde.

Hergé-Zeichnungen erzielen Millionenpreise

Originalzeichnungen von ihm sind eine Rarität. Fast alle sind im Besitz der Hergé-Stiftung. Eines der begehrten Originale wurde diesen Januar an der Brussels Art Fair angeboten: Stolze 2,5 Millionen Euro erwartete der Aussteller für die Titelblattzeichnung von Hergés zehntem Tim-und-Struppi-Album «L’étoile Mystérieuse» (Der geheimnisvolle Stern). Im Frühjahr 2014 war ein vergleichbar seltenes Exemplar bei Artcurial in Paris für 2,65 Millionen Euro versteigert worden.

Etliche Originale von Hergé zeigte auch Harold t’Kint de Roodenbeke, seit 2013 Leiter der Brüsseler Messe. Die Preise an seinem Stand bewegten sich zumeist im fünfstelligen Euro-Bereich. Neben diesen Blue Chips der BD (Bande dessinée), wie sie in der Branche bezeichnet werden, waren an der Messe auch etliche Werke von Comic-Zeichner wie Joost Swarte (NL) oder Philippe Geluck (BE) im vier- und fünfstelligen Bereich zu finden.

Zeichner und Designer mit Kultstatus

Der international renommierte niederländische Zeichner und Designer Joost Swarte (geboren 1947) ist einer der wichtigsten Comic-Künstler der Gegenwart – vor allem in den Niederlanden und in Frankreich geniesst er seit langem Kultstatus. Swarte ist Namensgeber und Erneuerer des Comic-Stils «Ligne claire». Er ist in allen gestalterischen Disziplinen zu Hause und hat ein äusserst facettenreiches Werk geschaffen.

Joost Swartes zeichnete unter anderem für das etablierte US-Magazin «The New Yorker». Seine frühe, sehr einfach und schnell gezeichneten Geschichten und sein erstes Comic-Magazin «Modern Papier» sind noch vom Underground inspiriert. 1977 führt Swarte im Rahmen der Ausstellung «Tim und Struppi in Rotterdam» den Begriff «de klare lijn» (Ligne claire) für Hergés einzigartigen Zeichenstil ein, der sich anschliessend international durchsetzte.

«Fumetto 2015» bringt Comic-Kunst nach Luzern

Vom 7. bis 15. März findet «Fumetto 2015 – Internationales Comix-Festival Luzern» statt. Gezeigt wird die bisher umfangreichste und wichtigste Ausstellung des internationalen Starkünstlers Tardi (F). Das Thema der beiden Weltkriege macht einen wichtigen Teil seines Werkes aus. Zu seinem Gesamtwerk zählen ausserdem Kriminalgeschichten im historischen Kontext, wie seine berühmte Comic-Serie «Adeles ungewöhnliche Abenteuer». Weitere Aussteller sind der spanische Comic-Autor Miguel Gallardo, der norwegische Künstler Pushwagner oder Herr Seele (B), der seinen politisch unkorrekten Cowboy Henk mit nach Luzern bringt.

Mit insgesamt über 40 Satellitenausstellungen, Podien und einem spektakulären Rahmenprogramm will das Festival im März die ganze Stadt Luzern erobern.

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