1. Home
  2. Lifestyle
  3. Kreuzfahrt: Gletscher und Goldgräber

 
Kreuzfahrt: Gletscher und Goldgräber

Die «Zaandam» lässt Teile ihrer 1432 Passagiere Gletscher von Nahem erleben.

Mit dem Luxusliner durch Alaskas legendäre Inside Passage von Seward nach Vancouver.

Veröffentlicht 03.10.2012

Prustend taucht neben dem Schiff ein grosser Buckelwal auf und entschwindet mit tropfender Schwanzflosse in die Tiefe. Und das schon beim Auslaufen der MS Zaandam aus dem ­Hafen Seward (USA) im Süden Alaskas. Es ist ein vielversprechender Beginn der Kreuzfahrt durch die legendäre Inside Passage, ein schmaler Weg, der sich vor der pazifischen Küste Amerikas und Kanadas durch ein Gewirr von über 1000 Inseln durch enge Meeres­arme schlängelt, flankiert von vergletscherten Bergen.

Der erste Tag wird auf See verbracht. Das komfortable Schiff wird erkundet, die Bars werden ausprobiert. 20 sonnige Grad Celsius lassen uns bei bestem Service vom Liegestuhl aus die schneeweisse Bergszenerie betrachten. Es mangelt an nichts. Die Holland America Line (HAL) gehört zu den Pionieren der grossen Luxusliner. 1872 brach die MS Rotterdam zu ihrer 15-tägigen Jungfernfahrt nach New York auf. 1938 wurden ­bereits 36 Ferienkreuzfahrten angeboten, 1975 erstmals in Alaska. Die Reederei, die zur Carnival Corporation gehört, gilt heute mit sieben ihrer Schiffe in dieser Region als Alaska-­Spezialistin, inklusive exklusiver Landprogramme.

Faszination packt uns am nächsten Tag in der sich rund 100 Kilometer ins Land windenden Glacier Bay. Ranger der Forschungsstation des Nationalparks kommen an Bord, stehen mit uns an der Reling, sprechen über Nachhaltigkeit ihrer ­Arbeit, den Schutz der Tiere und der Natur. Heute wird der sonst für Passagiere gesperrte untere Arbeitsbereich ganz vorn freigegeben. «Dort, ein Wal! Achten Sie auf den Blas, eine Sprühfontäne, die sie ausstossen, wenn sie an die Oberfläche kommen.» Delphine umspielen den Bug, Weisskopfseeadler kreisen ­majestätisch über dem Schiff. 17 gewaltige Gletscher münden in diesen breiten Meeresarm. Mehrmals hält der ­Kapitän vor einer der blau-grün schimmernden Gletscherzungen. Es kracht und donnert im Inneren der Eiswelt. Atemloses Schweigen an der Reling. Dann ein Aufschrei der Menge – eine 20 Meter hohe Wand bricht ab, versinkt in einer Eisstaub­fontäne und taucht in kleine Teile zersplittert wieder auf.

Kontrastprogramm am dritten Tag ist Haines, einer der nostalgischen Orte aus der Goldgräberzeit. Ein Katamaran bringt uns zum nahen Skagway. Dort locken vor dem Saloon immer noch hübsche Mädchen, die sich damals mit Goldstaub oder Nuggets bezahlen liessen. Heute bekommt man hier für Dollar ein frisch gezapftes Bier. Hinauf zum White Pass in 1000 Metern Höhe durch eine dramatische Bergwelt schnauft die Schmalspurbahn. Vor 100 Jahren schlugen harte Männer im Winter, vom Goldfieber besessen, Stufen ins Eis über den Pass zu den Goldfeldern nach Klondike im heutigen Kanada. Draussen auf dem Perron stehend erzählt der Kondukteur spannende Anekdoten über diese Zeit und den Abenteurer Jack London.

Höhepunkt in Alaskas Hauptstadt Juneau, die kurioser­weise nicht auf dem Landweg erreicht werden kann, ist der Heli­kopterausflug zum berühmten Mendenhall-Gletscher mit Landung sowie geführter Wanderung auf dem Eis. In ­Ketchikan kann man im Neoprenanzug ein Schnorchel-­Experiment im kalten Wasser des Pazifik wagen. Verblüffend ist die unvermutet reiche und bunte Unterwasserwelt – jedoch völlig anders als in tropischen Gewässern.

Erst am letzten Seetag vor Vancouver (Kanada) – nach einer Woche Kreuzfahrt mit vielen Landeindrücken – ist wieder Zeit, die MS Zaandam zu geniessen.

Anzeige