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Kolumne 
Warum Gamen viel gesünder ist als sein Ruf

Alzheimer-Prävention: Laut Wissenschaft wirkt Gamen positiv auf das Gehirn. Keystone

Auf LAN-Events und Gaming-Festivals wird stunden- oder tagelang gespielt. Das Zocken am Computer ist besser als sein Ruf – Forschungen zufolge beugt es sogar Alzheimer vor.

Von Riccarda Mecklenburg*
10.11.2017

Mit PC und Monitor unterm Arm kam mir mein ältester Sohn entgegen. Ich fragte besorgt, ob er ausziehen wolle. Nein, nein, er gehe nur auf eine LAN-Party und brauche sein Equipment zum Zocken. Aha. Gamen statt Tanzen, auch okay. Seit letzter Woche weiss ich, dass Gamen nicht debil und aggressiv macht, wie ich annahm, sondern das Gehirn, insbesondere den Hippocampus, positiv trainiert und sogar laut Wissenschaft eine Alzheimer-Prävention ist.

Ich frage mich zwar immer wieder, warum meine Jungs so vergesslich sind, aber das ist wohl nur die mütterliche Optik. Denn kurze Zeit später erzählte mir ein Kollege, dass sie in der Bank Gamification-Seminare durchführten, um die Themen Mission, Vision und Strategie zu verinnerlichen.

Die digitale Generation ist gefragt

Mittels Spielprinzipien und digitalisierter Belohnung werden sperrige Themen wie Strategie, Kundenbindung oder Vision Mitarbeitern schmackhaft gemacht. Das klingt toll, auch wenn man als Berufs-Misanthrop sofort eine billige Anbiederung an Millennials dahinter vermutet. Schliesslich will ja jedes halbwegs zukunftsgerichtete Unternehmen diese digitale Generation eines Tages als künftige Mitarbeiter begrüssen. Also warum nicht schon mal mit Gamification üben.

Auch das weiss man aus der Forschung: Alles, was wir mit Emotionen lernen, steigert die Motivation, sei die Arbeit noch so repetitiv oder sinnentleerend.

Gaming boomt

In Deutschland macht die Branche genau so viel Umsatz wie die Bundesliga: 3 Milliarden Euro im Jahr. Tendenz steigend. Aktien von Gaming-Firmen haben 50 Prozent und mehr Performance. Als E-Sports wird das regelmässige Zocken inzwischen bezeichnet und lockt in der Profiliga mit fetten Preisgeldern. Bis zu 28 Millionen Dollar wurden als Prämien an der letzten Weltmeisterschaft ausgeschüttet.

LAN-Events, Gaming-Festivals und Zocker-Grossanlässe wie in Köln oder kürzlich in Zürich ziehen Zehntausende von Begeisterten an. Bis zu 16 Stunden trainieren die Angefressenen ihren Hippocampus. Und die Finger- und Armmuskulatur. Nicht immer folgenlos. Mein Ältester trägt seit der LAN-Party eine Armschiene. Diagnose: Sehnenscheidenentzündung.

*Riccarda Mecklenburg, Verband Frauenunternehmen, Founder Crowd-Consul.ch.

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