Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Ob «Jeder Rappen zählt» von SRF, «Hilfe schenken» vom Heks oder die Topfkollekte der Heilsarmee – in der Adventszeit sind die Möglichkeiten, grosszügig zu sein, fast unbegrenzt. Jeden Tag können wir neu entscheiden, ob wir Geld für einen guten Zweck oder für uns selbst ausgeben wollen.

Weihnachten ist auch in der Schweiz für viele Menschen der beste Anlass zu spenden. Profitieren können davon nicht nur die Empfänger der Hilfe, sondern auch die Spender selbst. Denn dass Freigebigkeit glücklicher machen kann, legten verschiedene Studien schon früher nahe. Doch kann finanzielle Grosszügigkeit auch einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben? Dieser Frage ist ein Forscherteam der Universität in Vancouver nachgegangen.

Korrelation oder Kausalität?

Bisher hätten zwar einige Studien einen solchen Zusammenhang nahegelegt, schreibt Doktorandin Ashley Williams im Blog des World Economic Forums. Allerdings lasse sich aufgrund der reinen Korrelation zwischen Gesundheit und Grosszügigkeit kein kausaler Zusammenhang belegen. «Diese Studien zeigen nicht, ob Hilfsbereitschaft gesünder macht oder ob eine andere Verbindung besteht.»

Die Forscher haben deshalb ein Experiment mit 128 älteren Menschen zwischen 65 und 85 Jahren durchgeführt. Über drei Wochen bekamen die Versuchspersonen jeweils 40 Dollar pro Woche, die sie entweder für sich selbst oder für andere ausgeben mussten. Dabei wurde den Teilnehmern der Blutdruck gemessen und zwar vor, während und nach dem Versuch.

Hoher Blutdruck klar gesenkt

Die Ergebnisse sind in ihrer Eindeutigkeit überraschend ausgefallen. Die 73 Teilnehmer mit zu hohem Blutdruck konnten diesen «signifikant senken», so Williams. Der Effekt des Geldspendens sei dabei vergleichbar gewesen mit anderen Behandlungen wie körperlichem Training oder blutdrucksenkenden Medikamenten.

Bei den Versuchspersonen, die das Geld für sich selbst ausgeben mussten, zeigte sich dagegen keine Änderung im Blutdruck. Und bei den Teilnehmern mit normalem Blutdruck zeigte sich kein Effekt durchs Spenden. Für Ashley Williams ist deshalb klar: «Ein Schritt zu besserer Gesundheit könnte einfach sein, die nächsten 20 Dollar grosszügig auszugeben».

Freunde oder die Familie unterstützen

Trotzdem bleiben für die Forscher noch einige Fragen offen. Zum einen zeigte sich im Versuch ein viel stärkerer Effekt auf den Blutdruck, wenn die Teilnehmer für Menschen spendeten, die ihnen wirklich am Herzen liegen. Dieses Resultat passt zu früheren Studien, die zeigten, dass die Befriedigung des Spenders am grössten ist, wenn damit Freunde oder die Familie unterstützt werden.

Zum anderen ist weiter unklar, ob die Verbesserung des Blutdrucks durch das Spenden auch nachhaltig ist. Es gebe Hinweise aus anderen Studien, dass solche positiven Effekte nur kurzfristig seien, schreibt Williams. Möglicherweise müsse man also versuchen, möglichst variabel zu spenden und gleichzeitig die Menschen, denen man am nächsten steht, zu priorisieren, so die Folgerung.

1,7 Milliarden Franken für Hilfswerke

Ohnehin geht es beim Spenden aber selbstverständlich nicht in erster Linie um die eigene Gesundheit. Auch die Schweiz zeigt seit vielen Jahren, dass Grosszügigkeit mehr ist, als ein alternatives Herzmedikament. Allein 2014 wurden laut einer Zewo-Studie 1,7 Milliarden Franken für Hilfswerke mit dem Gütesiegel des Vereins gespendet. 677 Millionen Franken kamen dabei von privaten Haushalten.

Auch im weltweiten Vergleich stehen wir damit gut da. In der Karte unten sehen Sie den World Giving Index der britischen Charities Aid Foundation (rot = am grosszügigsten).

 

 

 

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