Der Schweizer Eiskunstlaufstar und zweifache Weltmeister Stéphane Lambiel hatte diese Woche einen Auftritt im japanischen Fernsehen – als Anime-Figur. Im Finale der Sport-Anime-Fernsehserie «Yuri!!! on Ice» spielte er sich selbst als Sportkommentator.

Im Vorfeld bekannte Lambiel in einem Kurzinterview, dass ihn die Aufnahmeerfahrung nervös gemacht habe. Aber dann sei alles schneller zu Ende gewesen, als er gedacht hätte. Zudem sei alles perfekt verlaufen. Dieser Meinung sind auch die Fans der Serie, die das Staffelfinale auf Twitter zahlreich kommentieren.

Fiktiver Schweizer Läufer

Zum Personal der Serie gehört neben Lambiel ein zweiter Schweizer, dieser ist allerdings fiktiv. Der 25-jährige Christophe Giacometti ist als Eiskunstläufer bekannt für seinen Sex-Appeal – so die Kurzbeschreibung seines Charakters.

Die Serie spielt in der Eiskunstlaufwelt und erzählt die Geschichte des japanischen Eiskunstläufers Yuri Katsuki. Dieser muss sich nach einem Rückschlag aufrappeln und bekommt dabei Hilfe von einem russischen Eiskunstlaufstar. Die zwei finden über zwölf Episoden auch privat als Paar zusammen.

Zahlreiche Starauftritte

Die Anime-Serie wurde auf dem Sender «TV Asahi» ausgestrahlt. Auch englischsprachige Fans aus aller Welt können mit Yuri mitfiebern, sowohl eine synchronisierte Version als auch englische Untertitel gibt es bereits. Ende Jahr wird zudem ein Blu-ray/DVD-Set mit Bonus-Material erscheinen. Eine zweite Staffel ist in Planung.

Bei Kritikern und bei Fans kommen die Geschichte und die realitätsnahe Abbildung des Sports gleichermassen an. Zahlreiche Gastaufritte von Sportgrössen wie etwa Johnny Weir oder Nobunari Oda befeuern den Hype um die Serie. Stéphane Lambiel zeigt sich überzeugt, dass die Serie Eiskunstlauffans, Athleten, aber auch normale Leute, die nichts mit Eiskunstlauf zu tun haben, inspiriert und ihr Interesse weckt.

Die japanische Zeichentrickfilm-Form Anime ist besonders in Japan ein Massenphänomen. Der jüngste Rekordfilm «Your Name» hat seit seinem Debüt im Sommer bereits 178 Millionen Franken eingespielt. Die ganze Industrie generiert mit Filmen für Fernsehen und Kino sowie Merchandise-Artikeln Milliarden.

Welt erobern

Auch die übrige Welt findet immer mehr Gefallen an den japanischen Zeichentrickfilmen. Gemäss eines Berichts des Verbands für japanische Animation steigerten sich die Verkaufszahlen in Übersee zwischen 2014 und 2015 um rund 80 Prozent. Besonders stark wächst der chinesische Markt. Bei der Zahl der Lizenzverträge liegt China aber noch hinter Korea, den USA und Taiwan zurück. Auf Platz 21 rangiert die Schweiz.

Japan will die Anime-Karte in Zukunft noch stärker spielen. Im September hat die Industrie zusammen mit Partnern aus der Reisebranche die Japan Anime Tourism Association (Jata) gegründet. Als erste Massnahme wurde eine Pilgerroute ins Leben gerufen, die quer durch das Land zu den Spielorten der beliebtesten Geschichten führen soll. Noch sind die 88 Anlaufpunkte nicht fix, Fans – auch aus der Schweiz - dürfen Vorschläge einreichen.

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