Vor einigen Jahren scherzte Microsoft-Gründer Bill Gates mit dem inzwischen verstorbenen Apple-Chef Steve Jobs über eine Frage nach der Bedeutung von «Star Trek» als Ideenbörse für technische Innovationen, Apple werde sicher bald das Gerät zum Beamen präsentieren. Doch auch wenn es doch noch keinen Beamapparat gibt - der Übergang der Science Fiction der 60er Jahre in den heutigen Alltag ist erstaunlich.

Vor 50 Jahren - am 8. September 1966 - lief im US-Fernsehsender NBC die erste «Star Trek»-Folge. In «The Man Trap» bekamen die Zuschauer viel Erstaunliches zu sehen. Captain James Tiberius Kirk, kurz Captain Kirk, sprach etwa mit einem Kommunikator genannten Gerät beim Besuch eines Planeten mit Lieutenant Uhura auf der Brücke der «Enterprise».

Der «Communicator» - unser Handy

Der aufklappbare Kommunikator erinnert optisch äusserst stark an Handys inzwischen längst überholter Bauart. Der Mobilfunkkonzern Motorola nannte sein an den Kommunikator erinnerndes weltweit erstes Klapphandy so auch StarTAC. Zwischen der Vision und dieser Präsentation lagen 30 Jahre.

Die «Star Trek»-Ideen, die den Weg in den Alltag fanden, beobachtet Metin Tolan ganz genau - in der doppelten Rolle als eingefleischter Fan der Serie und Physikprofessor an der Technischen Universität Dortmund. Im Frühjahr veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel «Der Weltraum. Unendliche Weiten».

Das Verschwinden der Sprachhürden

Derzeit findet Tolan faszinierend, wie das in «Star Trek» selbstverständliche Unterhalten zwischen Menschen und verschiedenen Ausserirdischen mit Hilfe von Apparaten auch Einzug in die Informationstechnologie hält. Es gebe die ersten Geräte, in die auf Englisch etwas gesprochen werde, was auf Deutsch übersetzt wieder herauskomme. «Die Vision von ‹Star Trek›, das wir keine Sprachhürde mehr haben, wird man umsetzen können.»

Viel weiter sei schon die Technologie bei den Möglichkeiten, sich mit dem Computer zu unterhalten und etwa Antworten auf Fragen zu bekommen, die in das Handy gesprochen werden. In einer Folge sei zudem Captain Kirks Vorgänger als schwerstbehindert dargestellt worden, seinen Rollstuhl habe er nur mit den Gehirnströmen gesteuert - auch diese Forschung sei inzwischen stark ausgeprägt.

Lange ein Flop

Dabei war «Star Trek» in den USA trotz dieses Ideenreichtums und trotz des Halbvulkaniers Spock mit seinen spitzen Ohren lange ein Flop. Schon nach der ersten Staffel mit 29 Folgen sollte die Serie abgesetzt werden, erst Proteste von Science-Fiction-Fans verhinderten dies.

Nach der dritten Staffel und 79 Folgen endete die erste «Star Trek»-Generation. Als die Serie nach dem Drehschluss immer günstiger für andere Sender zu kaufen war, verbreitete sie sich und startete im zweiten Anlauf doch eine Erfolgsgeschichte.

Einiges bleibt Theorie

Während in der Kommunikationstechnologie vieles den Sprung aus dem Fernsehen ins Leben nahm, sind einige der physikalischen Besonderheiten der vom Drehbuchautor Gene Roddenberry geschaffenen Serie wohl auf Dauer auf die reine Theorie begrenzt.

Beispielsweise nutzt die «Enterprise» unterschiedliche Antriebe, wenn sie mit ihrer 400 Mann starken Besatzung im 23. Jahrhundert wieder einmal in unendliche Weiten aufbricht. «Für Reisen im Sonnensystem wird der Impulsantrieb verwendet, für grosse Entfernungen im Universum dagegen der Warp-Antrieb», erläutert Tolan die technischen Finessen.

Warp kommt aus dem Englischen und heisst krümmen oder verzerren. Das Raumschiff bewegt sich nicht selbst, sondern wird vom Raum bewegt. Theoretisch sei das machbar - aber nötig wäre dafür die Energie von 20 unserer Sonnen.

Ähnlich ist es mit der äusserst komfortablen Reisemethode des Beamens, für das auf der «Enterprise» Chefingenieur Scotty verantwortlich war. Auch hier scheitert die theoretisch mögliche Technik an der notwendigen Energiemenge. Auch Apple wird also kein Gerät zum Beamen erfinden.

(sda/chb)

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