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Farbige Steine : Das Wunder der Vielfalt

Juwelier Gübelin präsentiert die Vielseitigkeit des Saphirs

Diamanten und Saphire gibt es in vielen ­verschiedenen Nuancen. Die Natur hat sie geschaffen – und wir begehren und bewundern sie. Edelsteine, die in verschiedenen Farben zu finden sind.

Von Iris Wimmer-Olbort
07.03.2012

Es war eine Laune der Natur, die aus einem weissen Diamanten ein farben- und funkensprühendes Wunder machte. Während die farblosen Edelsteine ausschliesslich aus Kohlenstoff bestehen, mischten sich bei der Entstehung des Diamanten Baufehler in der Kristallstruktur oder zusätzliche Elemente ein. Stickstoff oder Boratome bringen Farbe ins Spiel – Nuancen, die von Gelb und Grün über Blau, Rot und Pink bis hin zu Braun und Schwarz gehen. Am häufigsten kommen gelbe und braune Steine vor, gefolgt von rötlichen Tönen. Besonders rar und gesucht sind hingegen rein blaue, grüne und rote Diamanten.

Was aber macht Fancy diamonds, wie der Experte die bunten Varietäten nennt, so besonders in der grossen Welt der Edelsteine? Raphael Gübelin, Chief Executive Officer (CEO) der Gübelin Holding, Luzern, nennt als Gründe die einzigartige Brillanz sowie das Feuer, die ­einen farbigen Diamanten erstrahlen lassen. «Die Art der Reflektion ist vielfältig», erklärt der Juwelier. «Im Gegensatz dazu reflektiert der Farbedelstein seine Farbe satter.»

Für Karl Corpataux, Direktor Merchandising Schmuck und Mitglied der Geschäftsleitung von Juwelier Bucherer, Luzern, lassen sich Fancy diamonds nicht mit Farbsteinen vergleichen: «Diamanten sind eine eigene Welt, denn die farbigen Exemplare sind eine absolute Rarität. Mag ein Farbstein noch so schön sein – mit einem Diamanten kann er nicht mithalten», schwärmt der Schmuck­spe­zialist.

Bucherer bietet seit etwa zehn Jahren Schmuck mit Fancy diamonds an. Und dennoch habe man laut Corpataux festgestellt, dass für viele Kunden das Thema Farbdiamanten noch relativ unbekannt sei. Das liegt auch daran, dass farbige Diamanten meist so exklusiv sind, «dass sie nur etwas für Liebhaber und Kenner sind». Erschwinglich seien sie nur für ein kleines Publikum, erklärt Corpataux. Das zeige sich an immer neuen Preisrekorden: Bei Auktionen erzielen farbige Exemplare in ausgefallenen Grössen astronomische Preise (siehe Kasten).

Auch einige der bekanntesten Diamanten der Welt sind farbig. Zum Beispiel leuchtet der legendäre 45 Karat grosse ­Hope-Diamant, der seit den 1950er-Jahren in der Smithsonian Institution in Washington ausgestellt wird, in einem leuchtenden Blau, während der 41 Karat grosse «Grüne Dresden» seinem Namen alle Ehre macht. Er ist der grösste je gefundene Diamant dieser Farbe und kann im Residenzschloss in Dresden besichtigt werden.

Schwarze Steine waren einst Ausschuss

Während man solch grosse farbige Fundstücke und Diamanten in intensiven Nuancen schon früh für sehr wertvoll hielt, wurden kleine, eher zart getönte ­Diamanten lange Zeit äusserst gering geschätzt: Unter der Bezeichnung «afarbig» führten sie ein Schattendasein und wurden oft gar nicht erst geschliffen. Auch schwarze Diamanten galten bis vor 20 Jahren als Ausschuss – bis Fawaz Gruosi von de Grisogono, Genf, ihre extravagante Ausstrahlung in glamourösen Schmuckstücken zur Geltung brachte.

Die Inszenierung von farbigen Diamanten trägt ebenfalls zu ihrem Zauber bei. «Aussergewöhnliche Farbdiamanten werden von uns als Einzelstücke in Szene gesetzt, um die Reinheit und das Feuer richtig zur Geltung zu bringen», erklärt Caroline Scheufele, Co-Präsidentin von Chopard, Genf. In einem Ring oder als Anhänger steht dann ausschliesslich der Stein im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein wunderbares Beispiel dafür ist der Chamäleon-Diamant, den Chopard in einen Ring gefasst hat. Er wiegt über 31 Karat und fasziniert mit einer besonderen Eigenschaft. Seine Farbe verändert sich durch Erwärmen oder nach Aufbewahrung im Dunkeln. Er changiert zwischen einem warmen Olivgrün mit sanftem Bronzeschimmer sowie einem faszinierenden Goldgelb.

Oft setzt Chopard Farbdiamanten als Pavé ein, um Formen zu betonen und hervorzuheben. Dazu bedarf es laut Caroline Scheufele besonders kunstfertigen Handwerks. «Die Steine werden in geduldiger, akribischer Handarbeit zu kleinen Kunstwerken gefügt, die nicht nur als Schmuckstück, sondern als wunderbare lebensechte Miniatur erscheinen. Ein Beispiel ist unser neuer Anhänger Pink Panther, den wir auf der ‹BaselWorld› 2012 präsentieren. Er ist mit mehr als 1600 roséfarbenen Diamanten besetzt.»

Bei anderen Schmuckstücken schwelgt die Designerin in verschiedenen Farben und Materialien: «In der Haute Joaillerie kombinieren wir Farbdiamanten mit allen drei Goldtönen. Zusammen mit farbigen Saphiren explodieren sie zu einem wahrhaftigen Feuerwerk», sagt Scheufele.

Saphir ist Liebling der Haute Joaillerie

Der Saphir besitzt ebenso viel Farbmagie wie der Diamant. Zwar wird der Stein aus der Korund-Familie vor allem mit der Farbe Blau in Verbindung gebracht, doch dank der Einlagerung von Metalloxiden hat er weit mehr zu bieten. Saphire werden in Rosa, Orange, Gelb, Grün, Violett, Braun und sogar in Schwarz gefunden. Diese Farbpalette macht ihn zum Liebling der Haute Joaillerie. Vor allem Bulgari feiert ihn in seinen Juwelenkollektionen und hat damit einen un­verwechselbaren Stil kreiert, bei dem sich bunte Saphire zu ausdrucksvollen Schmuckstücken formieren. Dabei sei die grösste Herausforderung die Suche nach Steinen in passenden, harmonischen Farben, heisst es bei Bulgari.

Eine Herausforderung ist auch, gute Qualitäten zu finden. Beim Saphir sind es seine Transparenz und die Farbnuance, die über Kostbarkeit und Preis entscheiden. «Wichtig bei der Wertbestimmung ist auch die Tatsache, ob der Stein zur Verbesserung seiner Transparenz oder seiner Farbintensität mit diversen Methoden behandelt wurde», betont Raphael Gübelin von Juwelier Gübelin. Denn unbehandelte Steine seien äusserst selten. «Diese Kriterien lassen sich in einem gemmologischen Labor wie dem Gem. Lab der Firma Gübelin kritisch prüfen», so der neue Chef in Luzern.

Edelstein-Preise: Höhenflüge führen zu neuen Rekorden

Auktionen
Regelmässig werden ­besondere Diamanten bei Auktionen angeboten. Schmuckliebhaber sind ­davon wie elektrisiert und bereit, für seltene Exemplare fast jeden Preis zu zahlen. Das zeigt sich an immer neuen Verkaufsrekorden und unvorstellbaren Summen für besonders grosse und ausgefallene Steine. Die teuersten Diamanten der Welt leuchten in seltenen Farben. Der ak­tuelle Weltrekord stammt vom November 2010:

  • Bei einer Auktion in Genf verkaufte Sotheby’s den Graff Pink, einen 24,78 Karat schweren Diamanten in intensivem Pink. Mit über 46,15 Millionen Dollar ist dieser Edelstein das teuerste Schmuckstück sowie der teuerste ­Diamant aller Zeiten.
     
  • Auf Platz zwei folgt der blaue Wittelsbach Diamant, der im Dezember 2008 bei einer Auktion von Christie’s in London über 24,31 Millionen Dollar erzielte.
     
  • Auf Platz drei steht der rechteckige, 14,23 Karat schwere Diamant The Perfect Pink, verkauft von Christie’s in Hongkong im November 2010 für 23,16 Millionen Dollar.
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