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Wein 
Ja, es gibt sie: gute Weissweine aus dem Bordelais

Weinbau bei ­Bordeaux: ­Fruchtig und frisch.

Die Qualität im Bordelais war noch nie so gut wie heute. Bei Bordeaux-Weinen geht es nicht nur um Rotweine - es werden auch ausgezeichnete trockene Weissweine erzeugt.

Veröffentlicht 29.06.2016

Das Bordelais ist mit seinen über 50 subregionalen und kommunalen Appellationen gewissermas­sen ein Weinuniversum für sich, wo selbst Kenner mitunter Mühe bekunden, den Überblick zu bewahren. In einem Grossteil der Bordeaux-Appellationen werden ausschliesslich Rotweine erzeugt. Im Bordelais stehen aber in 13 Appellationen auf rund 10 Prozent der ­Rebfläche auch weisse Rebsorten, aus denen trockene Weissweine gekeltert werden.

Vielseitige Essensbegleiter

Grob kann man dabei zwei Stilrichtungen unterscheiden: Da sind zum einen die fruchtig-frischen, recht preiswerten Tropfen aus den ­Appellationen Bordeaux Blanc, Entre-deux-Mers und Côtes de Bordeaux, die man jung trinkt und nicht nur zum Essen, sondern auch als Aperitif servieren kann.

Dann gibt es da auch die gehaltvoll-komplexen Weissweine mit einem ­guten ­Alterungspotenzial, die vor allem aus den Anbaugebieten Graves und Pessac-Léognan stammen und die als vielseitig einsetzbare Essensbegleiter zu Gemüsegerichten (Spargeln!), Krustentieren und Meeresfischen, aber auch zu hellem Fleisch und Ziegenkäse ­serviert werden können.

Weinbaugebiet durch Kieselstein geprägt

«Graves» heissen auf Französisch die groben Kieselsteine, welche die Bodenbeschaffenheit des linksufrigen Weinbaugebiets südlich der Stadt Bordeaux prägen und ihm deshalb auch den ­einprägsamen Namen gegeben haben. Seit dem 14. Jahrhundert ist das Gebiet berühmt für seine Weine.

Während Jahrhunderten wurde hier in unmittelbarer Nähe der Hafenquais ein Grossteil der hellroten Clairet-Weine erzeugt und nach England verschifft (das Médoc-Gebiet nördlich von Bordeaux war noch bis ins 17. Jahrhundert weitgehend Sumpfland).

Pompöser Doppelname «Pessac-Léognan»

Aus unerfindlichen Gründen beschlossen 1987 die Weinproduzenten im nördlichen, unmittelbar an die Stadt Bordeaux angrenzenden Teil der Graves, die bildhafte und geschichtsträchtige Appellationsbezeichnung aufzugeben und sich, in Anlehnung an die kommunalen Appellationen im Médoc (Margaux, Pauillac usw.), den pompösen Doppelnamen Pessac-Léognan (nach zwei im Gebiet liegenden ­Gemeinden) zuzulegen.

Da der Grossteil der ­renommierten Châteaux (Haut-Brion, Haut-Bailly u.a.) in Pessac-Léognan liegt, hat die Appellation Graves ohne den nördlichen Teil viel von ihrer ehemaligen Strahlkraft verloren.

Ausgezeichnetes Terroir

In den Appellationen Graves und Pessac-Léognan bildet der durchlässige kieshaltige Boden zusammen mit Kalk, Lehm und Sand – je nach Zusammensetzung – ein ausgezeichnetes Terroir sowohl für gut strukturierte, elegante Rotweine wie auch für komplex-frische Weissweine. Wie im Bordelais üblich handelt es sich auch bei den Weissweinen um Assemblagen aus zwei oder mehr Traubensorten.

Dominierend vertreten ist der Sauvignon blanc, der eine ansprechende Fruchtaromatik sowie Frische und Saftigkeit bringt. Der Sémillon dagegen steuert Stoffigkeit und Aromen von gelben Früchten bei, und der manchmal in geringen Mengen beigemischte Muscadelle erweitert das fruchtige Aromenspektrum.

Weine mit Aromen wie nie zuvor

Das Resultat sind komplexe, finessenreiche Weine mit frisch-fruchtigen Aromen von Zitrusfrüchten und gelben Früchten, zu denen sich noch Anklänge von Kräutern sowie florale und salzig-mineralische Noten gesellen können. Besonders erfreulich ist zudem, dass sich seit ­einigen Jahren eine wachsende Zahl von Produzenten vom alkoholisch-üppigen, eichenholz­geschwängerten Stil verabschiedet hat und heute wieder elegante, knackig-saftige Weine erzeugt, die grosse Trinkfreude bereiten und wunderbare Essensbegleiter sind.

Die Qualität im Bordelais war noch nie so gut wie heute

Ebenfalls erfreulich ist die Tatsache, dass das allgemeine Qualitätsniveau im Bordelais noch nie so gut war wie heute. Spitzenqualität gibt es längst nicht mehr nur für Spitzenpreise. Das gilt auch für die trockenen Weissweine aus den ­Appellationen Graves und Pessac-Léognan. Hervorragende Gewächse sind hierzulande bereits ab 20 Franken erhältlich.

Doch im Gegensatz zu den roten Kreszenzen, wo man im Weinhandel auf ein umfassendes Angebot zählen kann, ist die Auswahl an weissen Bordeaux-Weinen leider ­enttäuschend klein. Frankreich-Reisenden sei ­deshalb empfohlen, die Gelegenheit zu nutzen, die eine oder andere Flasche weissen Graves oder Pessac-Léognan zu geniessen.

Empfehlenswerte Weissweine aus Graves und Pessac-Léognan:

20 bis 30 Fr. Clos Floridène, www.gerstl.ch/www.schuewo.ch

30 bis 50 Fr. Château Carbonnieux, www.bindella.ch/ www.gazzar.ch; Château Couhins, www.martel.ch; Château Olivier, www.bindella.ch

Über 50 Fr. Domaine de Chevalier, www.bindella.ch

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