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Kulinarisches 
Essen aus dem 3D-Drucker – würden Sie zugreifen?

Leckeres aus dem 3D-Drucker: Starköche sind begeistert, die Kunden zögern noch.  Keystone

Am Abend gibt es frische Pizza aus dem 3D-Drucker. Wie bitte? Starköche und die Nahrungsmittelbranche stehen der schrägen Idee aufgeschlossen gegenüber. Konsumenten dagegen sind noch zurückhaltend.

Veröffentlicht 05.01.2017

Könnten Sie sich vorstellen, an Weihnachten eine Gans aus dem 3D-Drucker zu servieren? Oder sich schnell eine Pizza auszudrucken, wenn am frühen Abend der kleine Hunger kommt? Das ist gar nicht so weit hergeholt, wie es auf den ersten Blick tönt. 3D-Drucker waren zwar bisher nur in den Schlagzeilen, weil sie Unverdauliches produzieren konnten - aber sie werden immer mehr für kulinarische Abenteuer benutzt, wie die Onlineplattform des World Economic Forum berichtet.

Die Drüsen der 3D-Lebensmitteldrucker stossen weiche Masse in flüssiger Form aus, die dann Schicht für Schicht ein Muster aufbauen – gesteuert durch ein Computerprogramm. Sie können also alles produzieren: Von Schokolade und Pralinen, über Kekse und Pfannekuchen, bis hin zu Pasta, Pizza und herzhaften Snacks.

Starköche und Astronauten mögen die Idee

Die Branche jedenfalls steht 3D-Essen sehr aufgeschlossen gegenüber, wie erste Berichte und Blogs zeigen: Starköche mit Michelin-Stern haben in Pop-up-Restaurants in Europa damit experimentiert. Derzeit wird das Potenzial von 3D-Druckern für Astronauten, Flugreisende und Menschen in Notlagen ausgelotet. Einige Altenheime bieten 3D-gedrucktes Essen mit gallertartiger Konsistenz für ihre Senioren an, die Probleme beim Kauen oder Schlucken haben. Die Entwickler von 3D-Drucker für Lebensmitteln sehen ihre Geräte bereits als unumgänglicher Helfer in den Küche, um geschmackvolles und gesundes Essen zubereiten.

Aber das ist noch nicht alles: Es kursiert die radikale Idee, Insekten und im Labors gewachsenes Fleisch im 3D-Drucker zu verwenden – als Alternative zu traditionellen Proteinquellen. In Australien sollen möglicherweise Steaks gedruckt werden, um alles aus der Schlachtung von Rindern, Schweinen und Schafen herauszuholen, wie Meat & Livestock Australia bekannt gab.

Es ist also gar nicht so weit hergeholt, dass Sie bald das Dinner aus dem 3D-Drucker servieren, das aus roten Fleisch und Geflügel besteht. Oder dekorative essbare Dinge auf den Tisch zaubern, die aus Gemüsepüree, Zucker oder Schokolade bestehen.

Was sagen die Konsumenten?

Trotz großer Begeisterung in der Nahrungsmittel-Branche und Investitionen in Forschung und Entwicklung gibt es wenige Studien, die sich den Konsumenten fragen: Was denken Sie über 3D-Essen? Würden Sie es probieren, gar Freunden und der Familie anbieten? Die wissenschaftliche Organisation Open Science Framework im australischne Canberra hat ihre eigene kleine Umfrage bei 30 Australiern gemacht und genau diese Fragen gestellt.

Klar war gleich am Anfang: Keiner der Befragten hatte jemals etwas von Essen aus dem 3D-Drucker gehört. Sie konnten sich überhaupt nicht vorstellen wie das funktionieren sollte. Die Art und Weise, wie Nahrungsmittel produziert werden sollten, wurde als höchst «unnatürlich» angesehen. Die Meisten nahmen an, dass das Ergebnis eher nach Plastik schmecken würde, also ungeniessbar sei.

Überzeugungsarbeit nötig

Ein Grossteil war übrigens interessanterweise aufgeschlossen gegenüber Karotten, Pasta, Pizza oder einem Dinner mit Hühnchen und Gemüse (aber bitte aus «echtem» Püree) aus dem 3D-Drucker. Zuckerpralinen, Fleisch sowie Nahrungsmittel aus Überresten oder alternativen Quellen wie Algen, oder Insekten lehnten sie dagegen kategorisch ab.

Eine große Rolle spielte dabei, was die Konsumenten kulturell als schmackhaft und angemessen ansahen. Insekten und Algen sind zwar eigentlich natürliche Zutaten, aber fast alle Teilnehmer der Umfrage fanden die Vorstellung eklig, sie auch zu essen. Und im Labor erzeugtes Fleisch geht gar nicht: das sei «Frankenfood» – also Essen a la Frankenstein, beschieden die Befragten. Themen wie Sauberkeit, Keime oder Kühllagerung sind ebenfalls grosse Probleme in den Köpfen. Sieht so aus als ob die Fans von 3D-Druckern für Nahrungsmitteln noch viel Aufklärungsarbeit leisten müssen.

(kag)

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