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Imitation 
Japaner sind verrückt nach Schnitzel

Das japanische Schnitzel ist mit leckerem Panierbrot umhüllt.   Asienspiegel

Lange kannte die japanische Küche kein Schnitzel. Vor etwa 100 Jahren wurde das Gericht aus dem Westen in Japan neu interpretiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Von Jan Knüsel (Asienspiegel)
02.07.2014

In diesem Restaurant hat alles seine Ordnung. Den schwarzen Sesam in der Reibschale darf ich zu Beginn gleich selbst zermalmen. Vermischt wird dieser mit einer dickflüssigen, süsslichen Sauce bestehend aus Tomatenpüree, Karotten, Zwiebeln, Zimt, Muskat und 10 verschiedenen Gewürzen – ein Original des Hauses. Es folgt ein Berg an fein geschnittenem Kohl. «Rufen Sie mich, wenn Sie mehr davon möchten», sagt mir der freundliche Kellner.

Es folgen eine Miso-Suppe, eine Portion Vollkornreis und das Tonkatsu-Schnitzel, ein dick geschnittenes Schweinefleisch im knusprigen Paniermantel. Obendrauf kommt ein Tonkatsu mit einer 5-Sorten-Käsemischung hinzu. Bevor ich zuschlagen darf, gibt es eine letzte ausführliche Menübeschreibung des Kellners. Schliesslich darf ich das Stück Tonkatsu in Kombination mit der vorbereiteten Sauce zum Mund führen. Selten hat ein Schnitzel besser geschmeckt.

Verrückt nach Schnitzel

Anstatt das Wiener Schnitzel oder das Cotoletta alla Milanese einfach plump zu kopieren, haben die Japaner das Gericht verfeinert, einen japanischen Anstrich und einen eigenen Namen gegeben. Katsu heisst es in Japan. Fleischsorte und -dicke variieren je nach Restaurant. Die bekannteste Variante ist Tonkatsu, das Schweineschnitzel, das bereits vor über 100 Jahren den Weg in die japanische Küche gefunden haben soll. Im Restaurant Rengatei soll 1899 das erste Tonkatsu serviert worden sein.

Das Fleisch ist in der Regel dicker geschnitten und das Panierbrot wunderbar schmackhaft. Serviert wird Tonkatsu stets mit einer Portion Reis, einem fein geschnittenem Kohlsalat und einer Miso-Suppe. Speziell ist auch die besonders schmackhafte Sauce, die aus einer Vielzahl an Gemüsen, Gewürzen, Essig, Zucker und Soyasauce zubereitet wird. Das Tonkatsu-Gericht lässt einem die Originale aus Österreich und Italien vergessen, ja, man vermisst sie keine Sekunde.

Perfekter Service

Serviert wurde das Menü in einem Ableger der Restaurantkette Tonkatsu Saboten in Solamachi, dem riesigen, neuen Einkaufszentrum unter dem 634 Meter hohen Fernsehturm Tokyo Sky Tree. Im Tonkatsu Saboten wird viel Wert auf eine gepflegte Zubereitung und perfekten Service gelegt. Hier servieren die Kunden nicht einfach, sie beschreiben die Gerichte und die Menüauswahl in einer Ausführlichkeit, so dass keine Fragen mehr offen bleiben.

Das Konzept geht auf. Das 1966 in Shinjuku gegründete Restaurantkette zählt inzwischen über 500 Ableger im In- und Ausland. So ist die Kette auch in Südkorea, Taiwan, Thailand, den Philippinen, Hongkong sowie Kanada präsent. An guten Tagen stehen die Kunden dreissig Minuten Schlange, um einen Platz im kleinen Tonkatsu-Paradies unter dem Sky Tree zu ergattern.

Restaurant: Tonkatsu Saboten, Oshiage 1–1–2 Tokyo Sky Tree Town Solamachi 6F
Website: ghf.co.jp/saboten_rest

Dieser Artikel erschien zuerst auf asienspiegel.ch - News aus Japan, China und Korea.

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