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Fisch 
Künstliche Befruchtung soll das Sushi retten

Thunfisch essende Menschen auf dem Tsukiji-Markt in Tokyo. Bild: Keystone

Der weltweite Sushi-Boom hat Blauflossen-Thunfisch zur Luxusware gemacht. Die Population im Pazifik schrumpfte in neun Jahren auf die Hälfte. Das rief einen Professor auf den Plan.

Von Jan Knüsel (Asienspiegel)
22.07.2014

Der Blauflossen-Thunfisch gehört zum Besten, was die japanische Küche anzubieten hat. Doch der weltweite Siegeszug des Sushi hat ihn zur begehrten Luxusware gemacht. Während das Kilo in Japan laut   2009 noch durchschnittlich 3305 Yen kostete, waren es im April 2014 bereits 3894 Yen.

Die Zahlen des Internationalen Komitees für Thunfisch im Nordpazifik (ISC) unterstreicht diese Entwicklung. Demnach ist die Population des Blauflossen-Thunfischs im Pazifik im Vergleich zum Jahr 2005 um die Hälfte gesunken. An der berühmten Neujahrsauktion im Tokioter Fischmarkt Tsukiji erreicht der Blauflossenthunfisch regelmässig spektakuläre Preise (Asienspiegel berichtete).

Über 30 Jahre getüftelt

Bei dieser Entwicklung ist es letztendlich nur noch eine Frage der Zeit bis es gar keinen Blauflossen-Thunfisch geben wird. Professor Hidemi Kumai von der Universität Kinki hat dies schon lange kommen sehen. Über 30 Jahre forschte er an der Zucht des Blauflossen-Thunfischs bis im 2002 der Durchbruch gelang (Asienspiegel berichtete).

Seither züchtet die Universität Kinki (ab 2016: Universität Kindai) den Blauflossenthunfisch aus künstlich befruchteten Eiern, um ihn anschliessend in Gehegen gross zu ziehen. Damit ist den Forschern ein geschlossener Zuchtzyklus gelungen. Das ist weltweit einzigartig. Denn die geläufige Thunfisch-Zucht beschränkt sich darauf, junge Thunfische in der Natur zu fangen und diese anschliessend in Gehegen grosszuziehen, was letztendlich nicht zum Erhalt des Blauflossen-Thunfischs beiträgt.

Eigene Zuchtfisch-Restaurants

Der Thunfisch der Universität Kinki, der sich durch einen höheren Fettanteil auszeichnet, hat bereits einen eigenen Namen: der Kindai Maguro, «der Thunfisch der Universität Kinki/Kindai». Um diesen Zuchtfisch populärer zu machen hat die Universität gleich zwei Restaurants in Tokio und in Osaka eröffnet, wo die hauseigene Sorte angeboten wird.

Nun folgt der nächste grosse Schritt. In Zusammenarbeit mit dem Handelshaus Toyota Tsusho wird in der Präfektur Nagasaki die weltweit erste kommerzielle Farm im grossen Stil entstehen, wie die Zeitung Yomiuri Shimbun berichtet. Von der künstlichen Befruchtung bis zur Aufzucht soll alles an einem Ort stattfinden. Mit dieser Strategie soll die Überlebensrate dieser Fische massiv erhöht werden. Bereits seit vier Jahren arbeitet die Universität im kleineren Stil mit dem Handelshaus zusammen.

Langfristiges Projekt

Das neue Projekt soll den Durchbruch bei der Kommerzialisierung der Thunfisch-Zucht bringen. Langfristig wollen die beiden Partner mit dieser Methode bis 2023 jährlich 4000 Tonnen Thunfisch züchten, was rund 10 Prozent des jährlichen Konsums in Japan entspricht. «Es handelt sich um eine Unternehmung, die auch gesellschaftlich Sinn macht. Wir werden nicht sofort Gewinn machen, aber in 5 bis 10 Jahren wird sich der Erfolg einstellen», zeigt sich Jun Karube, Präsident von Toyota Tsusho laut der Nikkei Shimbun überzeugt.

Die Gastronomie-Branche hofft, dass mit dieser Entwicklung der Blauflossen-Thunfisch erhalten bleibt und sich dessen Preis auch langfristig stabilisiert. Und vielleicht wird der Kindai Maguro dereinst zur gefragten Marke.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf asienspiegel.ch - News aus Japan, China und Korea.

 

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