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Crowdfunding 
Bei GoFundMe spenden Schweizer meist für Kranke

Pflegefachkraft hält die Hande eines Dreijährigen

Beistand für Kranke: Auch Schweizer nutzen GoFundMe in vielen Fällen zu diesem Zweck.

Quelle: Keystone

Gesundheitskosten per Crowdfunding finanzieren: In den USA ist das kein Problem. Auch in der Schweiz funktioniert das Konzept von GoFundMe.

Von Henning Hölder
27.01.2019

Bettina aus Zürich leidet an einer genetisch bedingten Krankheit, die ihre Muskeln nach und nach verkrümmen lässt. Das Medikament Spinraza, welches den Krankheitsverlauf stoppen könnte, ist teuer: 600'000 Franken kostet die Behandlung pro Jahr. Das Präparat ist noch relativ neu auf dem Markt und wird von Bettinas Krankenkasse nicht übernommen. Daher lancierten Freunde von Bettina auf gofundme.com jüngst die Kampagne «Bettina will leben - Hilfst Du ihr?». Aktueller Stand: 325'000 Franken nach zwei Wochen. 

Eine typische GoFundMe-Kampagne, neu gibt es sie auch in der Schweiz. 2010 startete die Plattform in den USA. Seither sammelte sie weltweit rund 5 Milliarden Dollar an Spenden. Seit Dezember 2017 ist man in Deutschland aktiv, in Berlin eröffnete man das erste Büro im deutschsprachigen Raum. Die Bilanz nach einem Jahr in Deutschland: 5000 Kampagnen sowie ein Spendenvolumen von sieben Millionen Euro von rund 100'000 Spendern. 

Im vergangenen September expandierte GoFundMe auch in die Schweiz. Seitdem können Schweizer nicht nur spenden, sondern auch eigene Spendenkampagnen starten. Jetzt will das Startup das Engagement hierzulande erhöhen. Was bedeutet das konkret? «Wir stellen ein Team zu Verfügung, welches den Kampagnenstartern in der Schweiz beratend zur Seite steht», sagt Jeannette Gusko, Leiterin von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Momentan geschieht das noch telefonisch aus Berlin. Ziel sei es aber, mit Schweizer Mitarbeitern vor Ort zusammenzuarbeiten. 

Im Durchschnitt spenden Schweizer 100 Franken

Die ersten Monate in der Schweiz verliefen laut Gusko zufriedenstellend. Rund 100 Kampagnen, unterstützt von mehreren Tausend Spendern, stehen zu Buche. Der meist gespendete Betrag liegt mit 100 Franken höher als in Deutschland und Österreich. Was auffällt: Auch in der hochentwickelten Schweiz gehören Gesundheitsthemen zu den häufigsten Spendenaufrufen.

Warum ist das so? «Was uns in den USA nicht verwundert, wirkt für die Schweiz erst einmal überraschend», sagt Gusko. Allerdings: «Unsere Gesundheit ist ein sehr persönliches und emotionales Thema, bei dem viel auf dem Spiel steht und genau in diesen Lebenssituation wollen wir für unsere Nächsten da sein. Auch in Ländern mit einem guten Gesundheitssystem fallen Menschen durchs Netz.»

Trotz der Förderung von sozialen Projekten ist GoFundMe eine gewinnorientierte Crowdfunding-Plattform. Für in der Schweiz gesammelte Spendensummen wird momentan ein Abschlag von 5 Prozent verrechnet. In Deutschland ist das anders: Hier gibt der Kampagnenstarter ein Trinkgeld – nach eigenem Ermessen. Dieses Trinkgeldmodell soll bald auch in der Schweiz eingeführt werden. 

Paar erschlich sich 400'000 Dollar auf GoFundMe

Doch die Plattform ruft auch immer wieder Betrüger auf den Plan. Jüngst wurde der Fall eines US-amerikanischen Paares bekannt, welches sich mit einer erfundenen Geschichte rund 400'000 Dollar an Spendengelder erschlich. 2017 startete das Paar für einen scheinbar Obdachlosen öffentlichkeitswirksam eine Crowdfunding-Kampagne.

Die angebliche Geschichte dahinter: Während der Fahrt durch eine gefährliche Gegend bei Philadelphia ging dem Paar das Benzin aus. Da die beiden kein Geld dabei hatten, bot ein Obdachloser an, für sie zur nächsten Tankstelle zu laufen. Dort kaufte er von seinen letzten 20 Dollar Benzin für das gestrandete Paar. Die beiden dankte es ihm mit der lukrativen Spenden-Kampagne.

Im vergangen November dann die Ernüchterung. Alles Lug und Trug: Die drei Protagonisten standen von Anfang an unter einer Decke. GoFundMe gab nach Bekanntwerden des Betrugs an, die Spender zu entschädigen. 

«Weniger als 0,1 Prozent der Kampagnen sind missbräuchlich»

Wie geht GoFundMe damit um? Ein Team von 50 Leuten sei darauf spezialisiert, weltweit verdächtige Kampagnen zu prüfen, sagt Gusko. Stets wird hinterfragt: Passt die Geschichte? Stimmen die geschilderten Beziehungen? Zudem müssen die Kampagnenstarter präzise schildern, wofür das Geld gebraucht wird.

Das alles führe dazu, dass sich «weniger als 0,1 Prozent der Kampagnen als missbräuchlich erweisen», so Gusko. «Und wenn sich ein Aufruf doch als Betrug herausstellen sollte, wird den Spendern das Geld zurückerstattet.»

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