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Testfahrt 
Ferrari Portofino: Italien statt Kalifornien

Ferrari Portofino
Der Ferrari Portofino ist der Nachfolger des 2008 lancierten California und damit das neue «Einsteigermodell» der Italiener. Quelle: ZVG

Bei Italiens Autoikone ist schon das «Einsteigermodell» ein komplett ausgewachsener Supersportwagen. Und zugleich Coupé und Cabrio.

Dirk Ruschmann
Von Dirk Ruschmann
15.07.2018

Was ich bei Ferrari am meisten bewundere, ist der unerschrockene Ehrgeiz, Unmessbares zu verwissenschaftlichen. Wie leicht ist das Auto zu fahren? Wie ist das Gefühl am Lenkrad, wie ausgeprägt der Grip, wie der Fahrspass? So etwas verpackt Ferrari in eine Spinnennetzgrafik, wie man sie sonst für die inhaltliche Verortung von Politikern benutzt. Oder der Auspuffsound? Ein Balkendiagramm, das von Bass über Tenor bis Sopran reicht, die Geräuschfrequenzen in Hertz angegeben.

Der Portofino mit seinem Klappdach ist der Nachfolger des 2008 lancierten California und damit das neue «Einsteigermodell» der Italiener. Tatsächlich liegt eine gewisse Komik in dieser Positionierung angesichts von Kaufpreis und Leistung. Pferde sind es übrigens 40 mehr als beim California, und die beschleunigen nicht mehr in 11,2 Sekunden auf 200 km/h, sondern schon in 10,8 – ganz unter uns, ich habe den Unterschied auf der Strasse nicht bemerkt.

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Fahrerisch überzeugend

Penibel hat Ferrari darauf geachtet, dass der Portofino in den Eckwerten (0–100 km/h, Vmax) hinter dem Viertürer GTC4 Lusso bleibt. Als Achtzylinder dem teuren Zwölfender davonfahren, das geht nicht. Fahrerisch überzeugt der Portofino auf ganzer Linie, wenn man von der irritierend leichtgängigen Lenkung absieht, einer klassischen Ferrari-Marotte. Immerhin, dreht man den Fahrmodus-Hebel am Lenkrad auf «Sport», packt die Lenkung etwas fester zu.

Ferrari Portofino
Ferrari Portofino: Aussen schön, innen kompliziert.
Quelle: ZVG

70 Prozent neue Kunden hat der California der Marke mit dem springenden Pferdchen beschert. Im Gegensatz zu anderen Ferraris nutzen ihn die meisten Kunden auch als Alltagsauto. So wird es auch beim Portofino sein. Und wer auf einem italienischen Marktplatz das Dach öffnet, kann sich über verzückte «Ohs» und «Ahs» und «cool» freuen.

Breiter und kantiger

Hinter der Namensänderung steckt übrigens eine profane Idee. Im Hauptquartier Maranello suchte man wieder nach dem Namen eines Orts, an dem «man gern Zeit verbringt», der auch Glamour verströmt, vor allem aber in Italien liegt. Beim Design hat Chefzeichner Flavio Manzoni kräftig nachgeschärft. Der Portofino wirkt breiter und kantiger als der California, flacher und muskulöser. Die neue Dachlinie trägt viel dazu bei: Hatte der California im geschlossenen Zustand ein leichtes Stufenheck, zieht sich das Dach nun harmonisch bis an die hintere Abrisskante.

Was sich nicht geändert hat: die Italianità. Zwei Stunden lang hat mir bei der Probefahrt die Sitzheizung das Hinterteil gegrillt, bis mir ein Ferrari-Mann den gut versteckten Menupunkt im Bediensystem zeigte. Aussen schön, innen kompliziert – das ist Italien.

Ferrari Portofino
Antrieb: 3,9-Liter-V8-Benziner
Verbrauch: 10,7 Liter Super Plus
Leistung: 600 PS (441 kW)
0–100 km/h: in 3,5 s
Vmax: >320 km/h
Preis: ab 226 575 Franken