Darf man Aston Martin überhaupt kritisieren? Klar darf man. Aber sollte man denn? Ist der britische Sportwagenbauer nicht einer jener Herrenausstatter, bei denen man aus Prinzip kauft – und nicht, weil man verglichen hat?

Zweimal klares Ja. Aston Martin ist ein Statement, eine persönliche Standorterklärung – kein Sportler, den man sich zulegt, weil er beim Vergleichstest in ­irgendeiner Kategorie obsiegt hat. Und ­genau deshalb muss man kritisch fragen: Ist dieser neue Vantage stimmig, so wie er auf der Strasse steht?

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«So cool»

Wenn man Jonas glaubt: definitiv! Der Sohn von Freunden, zwölf Jahre alt und ein echter Autofanatiker, konnte sich kaum halten, als ich ihn auf eine Spritztour mitgenommen habe. «So cool», sagte er x- mal (nicht über mich, sondern das Auto). ­Tatsächlich finden auch Passanten auf den Trottoirs den Vantage spektakulär; kaum ein Augenpaar, das nicht hinterherblickt.

Zu nah am Bordstein sollten sich Fussgänger aber nicht aufhalten, denn wie bei Aston üblich stehen die Aussenspiegel sehr weit ins Gelände ab. Ich freue mich schon jetzt für jeden, der Italiens Mautstellen ohne Kratzer passiert.

Natürlich hat Jonas recht. Der Vantage ist ein cooles Auto: topmodernes Design, in sehr klassische Proportionen verpackt. Von aussen also höchst appetitlich. Was mich aber verwirrt, ist die Diskrepanz zwischen aussen und innen.

Aston Martin Vantage

Im Interieur gibt sich der Aston Martin weiterhin wie ein englischer Clubsessel.

Quelle: ZVG

Innen Herrenclub

Denn im Interieur gibt sich der Aston Martin weiterhin wie ein englischer Clubsessel, neuerdings etwas schmaler geschnitten, mit den bekannten Druckknöpfen für die Wahl der Fahrtrichtung. Alles etwas moderner drapiert, aber im Wesentlichen die feine alte englische Art, leicht in der Harmonie gestört durch das Bildschirmpad auf der Mittelkonsole und die bügelbrettförmige Eingabefläche, die Aston von Mercedes übernommen hat. Das lässt sich verschmerzen. Doch innen Herrenclub, aussen Captain Future – das passt nicht zusammen.

Verstehen Sie mich richtig: Selbst mit Schönheitsfehlern macht Aston mehr richtig als viele andere. Der Sound: ein Traum. Die Strassenlage: deutlich schärfer als beim Vorgänger. Wer allerdings Bretthärte will, sollte auf einen Vantage-­Sportableger warten. Die Sitze sind top, das Image sowieso, und clevere Details wie ein Regenschirm, innen an der Heckklappe befestigt, machen richtig Freude.

Dass der Preis wie üblich am oberen Rand der Vergleichsgruppe ­siedelt – das kennt man von den Briten. Aber wenn sie jetzt noch ihr Interieur so geschmackvoll modernisieren wie die Karosserie, kauf ich dem Jonas einen Vantage. Bis zum nächsten Millionenbonus vorerst als Modell in Grösse 1:43.

Aston Martin Vantage
Antrieb: 4,0-Liter- V8-Benzinmotor ­
Verbrauch: 10,3 Liter Super
Leistung: 510 PS (375 kW)
0–100 km/h: 3,6 s
Vmax: 314 km/h
Preis: ab 173 900 Franken