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Subscription Economy 
Das Auto-Abo nimmt auch in der Schweiz Fahrt auf

Winterthur, 21. Februar 2019 -

Upto, das Auto-Abo der Axa, stösst auf grosses Interesse.

Quelle: PPR Media Relations AG

Wie bei Spotify, Netflix und Co. scheint die Flatrate nun auch in der Mobilitätsbranche anzukommen. Die Nachfrage nach Auto-Abos steigt.

David Torcasso
Von David Torcasso
28.02.2019

Lidl verkauft Autos - ja, Sie lesen richtig. Beziehungsweise: Man konnte bei Lidl bis vor Kurzem einen Fiat 500 im Monatsabo mieten. Beim Rollout Anfang Februar hat der deutsche Discounter erstmals 500 Autos im Angebot – sie waren nach einer Woche bereits «ausverkauft».

Wie schon bei Spotify, Netflix oder Airbnb scheint die Flatrate nun auch in der Autobranche angekommen zu sein. Der Trend in der Mobilitätsbranche führt weg vom Eigentum und hin zum Abonnement. In den USA, aber auch in Deutschland, haben die grossen Autobauer bereits entsprechende Angebote lanciert

Tesla Model 3 für 1500 Franken pro Monat

Nun also auch in der Schweiz: Im Februar machten gleich zwei Meldungen von sich reden. Carvolution, der Pionier unter den Schweizer Anbietern von Auto-Abos, hat Mitte Februar eine Finanzierungsrunde mit dem bekannten Schweizer Risikokapitalgeber Redalpine abgeschlossen. «Nach der Musikindustrie, Telekommunikation und anderen Bereichen ist nun auch der Automobilmarkt bereit für ein Geschäftsmodell, welches den traditionellen Autokauf oder das Leasing ersetzt», sagt Peter Niederhauser, Partner bei Redalpine zur Investitionsrunde.

Deshalb setze der Investor auf das Startup aus dem aargauischen Bannwil. Bei Carvolution sind Zulassung, Steuern, Versicherung, Wartung und Bereifung in der monatlichen Pauschale enthalten. Alles ausser Tanken sei inbegriffen, lautet das Versprechen. Ein Abo für einen Ford Ka kostet 399 Franken pro Monat, ein Tesla Model 3 knapp 1500 Franken. 

Mit von der Partie bei den Schweizer Auto-Abo-Angeboten ist auch das Startup Juicar, das mit dem BMW i3 aber nur ein Modell anbietet. Juicar hebt das emissionsfreie Fahren bei seinem Geschäftsmodell in den Vordergrund. Man kann ein Fahrzeug dort nur für einen Monat abonnieren. Auch dieses Unternehmen stammt aus einer Ideenschmiede eines Schweizer Konzerns. Nämlich vom Stromkonzern Alpiq, welcher im vergangenen August den Betrieb von Juicar zusammen mit BMW aufgenommen hat. Das Unternehmen splittet sein Angebot nach der Nutzungshäufigkeit – so kostet der BMW i3 zwischen 299 und 499 Franken. Dazu fallen Anmeldegebühren von 299 Franken an. 

Mehr Abos in einem Monat als ein Händler in einem Jahr

Auffallend ist, das die Auto-Abos in der Schweiz von Playern kommen, die auf den ersten Blick nichts mit Autos zu tun haben. So auch bei Upto, einem Startup der Axa Versicherung. Vor knapp einer Woche meldete das Startup, man habe wegen der grossen Nachfrage seine Flotte vergrössert. Upto möchte sich ebenfalls mit Elektroautos positionieren – so kostet ein BMW i3 rund 800 Franken im monatlichen Abo. Daneben gibt es einen Fiat 500 für rund 700 Franken, ein Mercedes E 200 gibt es für rund 1000 Franken monatlich.

Upto, welches im Herbst 2017 anlässlich eines Accelerator-Programms ins Leben gerufen wurde, scheint ein Bedürfnis erkannt zu haben. Laut Mitgründer Karsten Fuhrmann lag die Nachfrage «deutlich» über den Ewartungen. «Wir haben in den ersten Monaten mehr Auto-Abos abgesetzt als ein durchschnittlicher Autohändler im ganzen Jahr Neuwagen.» Das sei in der Autobranche gesehen worden, so Fuhrmann. 

Auto-Abo ist gleich teuer wie ein Neuwagen

«Sie brauchen in Zukunft nun wirklich kein eigenes Auto mehr zu kaufen», sagt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor beim Automotive Research Center an der Universität Duisburg-Essen. Dabei sieht er nicht nur grosse Veränderungen auf die Autohersteller zurollen, sondern auch auf die Autogaragen. «Sie brauchen keine Neuwagen mehr, und sie brauchen damit auch keine Autoverkäufer mehr», sagt der Experte. Wenn einem Kunde ein Auto nicht passe, dann könne man es «einfach zurückgeben». Ausprobieren statt beraten, sei laut Dudenhöffer die neue Devise. «Der Neuwagenverkauf kommt dieses Jahr noch stärker unter Druck.» Denn Beratungen seien bei dem heutigen Preisdruck viel zu teuer, sagt Dudenhöffer. 

Laut einer Untersuchung des Automotive Research Centers schneiden die Abo-Angebote preislich ebenso gut ab wie der Kauf eines Neuwagens. Dazu haben Dudenhöffer und seine Kollegen den Dienst des deutschen Anbieters Cluno geprüft, der eine Mindestlaufzeit von sechs Monaten und 15'000 Freikilometer inklusive hat.

Wer beispielsweise einen Opel Corsa für eine Haltedauer von sechs Jahren und als Fahranfänger abonniert, kommt im Vergleich zum Barkauf eines Neuwagens sogar günstiger weg. «Erstaunlich ist, dass der Abo-Aufpreis gemessen an dem hohen Mass an Planbarkeit und Flexibilität geringer ausfällt», sagt Dudenhöffer. Er weist auch darauf hin, dass bei zunehmender Konkurrenz in den kommenden Jahren die Preise bei den Auto-Abos weiter fallen werden. «Vor allem die nachrückende Generation von Autointeressierten ist sich das Streaming gewohnt und fragt sich, weshalb es bei einem Auto anders sein sollte», sagt Dudenhöffer. 

Grosses Potenzial in der Schweiz

Der Autoexperte bezeichnet die Schweiz als vielversprechenden Markt für Auto-Abos: «Die Schweizer mögen Premiumhersteller wie BMW oder Mercedes. Diese werden in nächster Zeit weitere Angebote ausrollen», sagt er. Besonders die Fahrer, die sich an Premiumautos gewohnt seien, würden sich offen gegenüber neuen Angeboten zeigen. 

Doch die Schweiz eigne sich nicht nur wegen der hohen Kaufkraft für das Abonnieren von Autos, sondern auch wegen der Kennzeichen. Hierzulande ist es nämlich erlaubt, ein Wechsel-Kennzeichen einzulösen. Damit kann man sein Nummernschild an mehreren Wagen abwechslungsweise befestigen. «Das eignet sich für Nutzer eines Auto-Abos natürlich besonders gut», sagt Dudenhöffer.

Dennoch relativiert Dudenhöffer den Trend: Die Auto-Abos würden vor allem eine urbane Bevölkerung ansprechen und sich in den ländlichen Regionen vorerst nicht durchsetzen. «In kleinen Ortschaften bleibt es beim Bewährten», sagt Dudenhöffer. Aber es werde wohl nicht mehr in jedem Dorf eine eigene Autogarage geben. «Es gibt ja mittlerweile auch keine Bankfilialen mehr in den kleineren Gemeinden, weil die Leute ihre Überweisungen online machen.» Warum sollte es bei Autos anders sein?

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