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Christoph Lehmann: «Bringen alte Zeiten zurück»

MG B GT (1972): Britischer Sportwagen, den die MG-Division von BMC im Mai 1962 als Nachfolger des MGA herausbrachte.

Christoph Lehmann, der Organisator der Dolder Classics in Zürich über die Gründe, weshalb er 2012 gleich viermal zum Oldtimer-Treffen lädt.

Von Klaus Rimnov (Interview)
09.05.2012

Die Dolder Classics, vier Sonntagsveranstaltungen, ist ein im letzten Jahr ins Leben gerufener Event für alle klassischen Autos und Motorräder bis Jahrgang 1975. Ausgetragen wird das Treffen auf dem Gelände der Dolder-Kunsteisbahn in Zürich. Das Ziel ist es gemäss Mitinitiant und Organisator Christoph Lehmann, Oldtimer-Freunde zu inspirierenden Erlebnissen um schöne Fahrzeuge und zu Gesprächen zusammenzubringen. In diesem Jahr finden die vier Treffen der Dolder Classics – immer sonntags – am 13. Mai, 10. Juni, 12. August und am 2. September statt. Der Eintritt fürs Publikum ist frei.

Veranstaltungen mit alten Autos schiessen wie Pilze aus dem Boden. Was war für Sie der Grund, vor einem Jahr die Dolder Classics ins Leben zu rufen?
Christoph Lehmann:
Also zunächst finde ich nicht, dass solche Veranstaltungen wie Pilze aus dem Boden schiessen. Sie sind ein Spiegelbild einer sich ständig veränderten Szene. Vor zehn Jahren gab es die Youngtimer-Szene noch nicht, jetzt machen die Besitzer solcher Autos halt auch ihre Veranstaltungen. In 20 Jahren werden wir es vielleicht erleben, dass für den heute neuen Fiat Cinquecento ebenfalls Treffen organisiert werden.

Aber Nostalgie spielt eine wichtige Rolle.
Die Treffen dieser Art entsprechen einem Bedürfnis der Besitzer solcher Autos, sich informell und in einem lockeren Rahmen zu sehen. Natürlich spielt es auch eine Rolle, dass immer mehr Leute der sogenannt guten alten Zeit nachtrauern. Insofern geben ihnen die Oldtimer-Veranstaltungen ein bisschen verlorene Zeit zurück. Nicht zuletzt sind sie aber auch Ort für Informationen aller Art und man lernt sich kennen. Im Grossraum Zürich gibt es ­keine vergleichbare Veranstaltung wie die Dolder Classic. Es war deshalb mehr als höchste Zeit, eine solche ins Leben zu rufen. Immerhin muss man festhalten, dass im Millionen-Zürich weltweit wahrscheinlich die höchste Dichte an fahrbaren Trouvaillen zu finden ist.

Wie unterscheidet sich Ihre Veranstaltung von anderen Schweizer Oldtimer-Treffen?
Wir versuchen, an einem anderen Datum stattzufinden. Und bei uns sind alle herzlich willkommen – gratis selbstverständlich. Das Ambiente auf der Dolder-Eisbahn ist ein weiterer und wichtiger Unterscheidungsgrund. Mit ihren Bauten aus den 30er-Jahren erinnert die Eisbahn irgendwie an das Ziel-Start-Gelände von Goodwood. Die Restauration des Dolder ist zudem nicht zwingend vergleichbar mit dem Bratwurst-Brot-Bier-­Angebot der meisten anderen Oldtimer-Treffen. Last, but not least: Zu uns kommen ­bekannte und arrivierte Sammler mit ihren edelsten Teilen, was vor allem auch das Publikum ohne Autos und Motorräder interessiert.

Die Premiere der Dolder Classics erstreckte sich 2011 über vier Sonntage. Weshalb ­konzentrieren Sie sich nicht auf ein einziges Datum?
Wir waren 2011 an jedem der vier Sonntage voll besetzt. Im August mussten wir gar das Gelände schliessen und eine Reserve-Parkzone aus dem Boden stampfen. Warum sollten wir es deshalb nicht viermal probieren? Die Agenda von Oldtimerfahrzeug-Besitzern ist normalerweise randvoll. So geben wir diesen die Möglichkeit, wenigstens ein Mal bei uns im Dolder vorbeizukommen.

Sind vier Veranstaltungen nicht zu viel?
Ich würde gerne mehr machen – die Nachfrage ist vorhanden. Wir sind aber vom Gelände her wegen der Badesaison, die am zweiten Mai-Wochenende beginnt und am ersten Wochenende im September endet, sowie wegen des im Juli stattfindenden Live at Sunset Festival «gezwungen», nur vier Dolder Classics zu veranstalten.

Gab es «Wiederholungstäter», also Oldtimer-­Besitzer, die im letzten Jahr an mehr als einer Veranstaltung teilnahmen?
Ja sicher, die meisten kommen allerdings dann mit einem anderen Fahrzeug. Das einzige Fahrzeug, das ich alle vier Male auf dem Dolder gesehen habe, war mein eigenes.

Liegt Ihr Erfolg auch darin, dass die Oldtimer-­Besitzer unorganisiert und deshalb nach Lust und Laune teilnehmen können. Denn wir leben in ­einer Zeit, in der sich viele nicht mehr binden ­lassen wollen.
Absolut. Bei uns muss man sich nicht anmelden, dabei aber in Kauf nehmen, dass es vielleicht keinen Platz mehr auf dem Eisfeld hat. Mit genügend Reservezonen können wir allerdings auch einen sehr grossen Ansturm bewältigen – keiner muss also wieder wegfahren, sondern höchstens darauf warten, dass ein Platz auf dem Eisfeld frei wird.

Was steht für 2012 auf Ihrer persönlichen Wunschliste? Wahrscheinlich ist es an allen vier Sonntagen vor allem schönes Wetter...
Ja, denn schlechtes Wetter ist unser einziger Gegner. Ich hoffe auf tolle, spektakuläre Fahrzeuge. Von einigen habe ich schon gehört, dass sie kommen werden. Ich erwarte mir aber auch gute Gespräche unter Freunden, viele glückliche Gesichter und zufriedene Partner.

Was haben Sie aus dem Startjahr für Lehren ­gezogen, wo bringen Sie an Ihrem Konzept für 2012 eventuell Verbesserungen an?
Wir haben an unserer zweiten Veranstaltung vom 10. Juni zum ersten Mal eine Auktion mit der Oldtimer Galerie aus Toffen. Solche Rahmenveranstaltungen wird es 2012 vermehrt geben. Ich möchte in diesem Jahr auch noch mehr Fussvolk, also Interessierte ohne Fahrzeug, auf die Dolder-Eisbahn locken.

Was für einen Classic Car fahren Sie persönlich?
Verschiedene alte englische Ladies der zweirädrigen Zunft, dann aber auch einen Jaguar ­E-Type und einen wunderschönen Peugeot 504 Pininfarina, der den Rücken nach einer Fahrt mit dem E-Type schont.

Und was wäre Ihr Traumauto?
Da gibt es viele, vor allem aber hätte ich einen Wunsch: Einen Aston Martin DB6 Volant. Wissen Sie, wie teuer der im Moment ist? Fragen Sie besser nicht…

 

 

Zur Person

 

Name: Christoph Lehmann

Geboren: 9. September 1959

Wohnort: Maur ZH

Beruf: Journalist ­

Ausbildung: Oek. HWV

Funktion: Gründer Dolder ­Classics GmbH, Zürich Freizeitaktivitäten: Wandern, Lesen, Musik

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