Was den Kunden der Ingolstädter Ringe ihr RS6, war den Jüngern der Münchner Bayern immer ihr M5: obere Mittelklasse mit Stauraum und der Lizenz zum Rasen. Seltsamerweise bei Audi ein Kombi, bei BMW eine Limousine – womöglich, weil Audi erst zum Premiumhersteller aufrückte, als sich der Kombi bereits zum Lifestylefahrzeug hinaufkultiviert hatte. Die klassische Schubladisierung gilt bis heute – der Mercedes sagt über seinen Fahrer: Ich bin angekommen. Der BMW: Ich auch, aber ich bin selber am Steuer gesessen. Und der Audi: Zieht euch warm an, Kollegen, nur weil ich zehn Prozent weniger Autobudget habe als ihr, heisst das nicht, dass ich euch nicht einhole. Gibt es Schöneres als Amateur-Psychologie?

Doch Autos, die im Alltag bestehen, aber an der Spassfront hoch drehen, kosten viel. Für all jene, die einige Zehntausend weniger ausgeben wollen, gibts jeweils eine zivilisierte Version, bei BMW betitelt als M550i. Wer sich hier ins geschmackvoll perforierte Leder fallen lässt, könnte nur etwas vermissen, wenn er zuvor im Spitzenmodell am Lenker gedreht hätte.

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Bäriger, unerbittlicher Vortrieb

Ansonsten verwöhnt der M550i mit einer Drehmomentkurve, wie Gott sie erschaffen würde. Vom Leerlauf an strebt sie fast senkrecht aufwärts, erreicht schon bei 1800 Umdrehungen die volle Wucht von 650 Newtonmetern und bleibt bis fast 5000 auf diesem Niveau, was im Fahrersitz bedeutet: bäriger, unerbittlicher Vortrieb.

BMW M550i xDrive

Der Fünfer liefert genügend Platz, dazu BMW-typische praktische Details.

Quelle: TOM KIRKPATRICK

Zugleich liefert der BMW die Leistung seltsam unangestrengt ab, fast teilnahmslos, beschleunigt bis weit über 200 km/h ohne jede Regung, die nach Aufmerksamkeit ruft; auf der Strasse liegt das Auto weniger wie das berühmte Brett, eher wie ein Teppich oder ein Luftkissenboot – der Fahrer fühlt sich jederzeit sicher, vielleicht gar zu sicher bei solchen Hochgeschwindigkeiten.

Wer jedenfalls ohne Anstrengung sehr schnell fahren will, ist mit diesem Allradler exzellent bedient. Andere mit viel höherer Leistung haben da mehr Mühe – was BMW aus «nur» 462 PS macht, nötigt Respekt ab. Dass die Elektronik bei 250 km/h abregelt, ist aber eine Marotte aus alter Zeit, die man Kunden nicht mehr zumuten sollte.

Alles andere jedoch ist alles andere als eine Zumutung. Der Fünfer liefert genügend Platz, dazu BMW-typische praktische Details wie hinterleuchtete Türgriffe oder die schlaue Gestaltung der Cockpit-Anzeigen: Die digitalen Ziffern in Tacho und Drehzahlmesser leuchten nur dort mit voller Kraft, wo sich die Nadel gerade befindet, alle anderen nehmen sich zurück. Genau wie dieses Auto, das optisch viel dezenter daherkommt als der M5-Bolide, aber für jede deutsche Autobahn genügend Dampf bereithält.

Antrieb: 4,4-Liter-V8-Benzinmotor
Verbrauch: 8,9 Liter Super Plus
Leistung: 462 PS (340 kW)
0–100 km/h: 4,0 s
Vmax: 250 km/h (abgeregelt)
Preis: ab 108 600 Franken