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Testfahrt 
Audi A8: Horch! Eine neue Zeit ist da!

Audi A8 55 TFSI
Audi A8: Taugt als Richtungspfeil für die Zukunft der vier Ringe. Quelle: ZVG

Die grosse Limousine ist heute nicht mehr der Traumwagen aller Automobilisten, aber nach wie vor das Schaufenster des Herstellers. Und Audi hat geliefert.

Dirk Ruschmann
Von Dirk Ruschmann
20.01.2019

Sorry, dieses Mal wird es grundsätzlich. Soll heissen, es geht heute nicht um ein spezifisches Automodell, sondern (auch) um die Marke. Das fällt umso leichter, als dieses Jahr hier noch kein Audi einen Auftritt feierte. Nun aber gleich das Topmodell A8 – obwohl die ganz Schlauen sicher einwenden könnten, dass heutzutage eher das grösste SUV, bei Audi also der Q7/Q8, als Topmodell zu bezeichnen wäre.

Grosse Limousinen lieben vor allem noch die Chinesen. Damit sind wir auch schon bei einem der wenigen Kritikpunkte des neuen A8: dass es zusätzlich zum imposanten Leuchtenband quer über das Heck auch noch eine Chromspange brauchte, ist garantiert eine Konzession an das Geschmacksprofil der Kunden aus Fernost; die lieben solchen Zierrat.

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Mehr Dynamik an der Front

Denn Audi-Chefdesigner Marc Lichte hat bereits bewiesen, dass er ohne Rückgriff auf Ornamente auskommt. Lichte beherrscht die Arbeit an der Architektur. Wie bei guter Küche kommt es im Autodesign auf die Essenz an, nicht auf Beilagen.

Der A8 ist das erste Serienmodell, das Lichte allein verantwortet hat. Lange lag Audis Design im Winterschlaf, und tatsächlich taugt der A8 als Richtungspfeil für die Zukunft der vier Ringe. Mehr Dynamik an der Front, vor allem im breiten Kühlschlund, dazu satterer Auftritt, mehr Dominanz, wenn man so will – im Vergleich zum Vorgänger und auch zu den freundlicher dreinblickenden Konkurrenten BMW 7er und Mercedes SKlasse. Letztere ist vier Zentimeter kürzer als der neue A8. Ein frecher Schritt, länger zu bauen als der Sternenkreuzer.

Audi A8 55 TFSI
Gestühl, Haptik, Materialien und Verarbeitung erfüllen wie gewohnt höchste Erwartungen.
Quelle: ZVG

Technizistische Kühle

Länge läuft ja bekanntlich. Entsprechend souverän ist das Fahrverhalten, aber immer noch ein wenig mehr am Selbstfahrer orientiert als die S-Klasse; wers gern krachen lässt, sollte auf ein A8-Sportderivat warten oder den A7 begutachten. Gestühl, Haptik, Materialien und Verarbeitung erfüllen wie gewohnt höchste Erwartungen, und Cockpit mitsamt Mittelkonsole verströmen wieder jene technizistische Kühle, für die Audi lange Zeit stand (bis der erste A7 den Mitteltunnel mit gemasertem Hellholz pflasterte). Daimler und BMW rücken mehr Holz und Leder ins Blickfeld. Zwei Touchscreens machen zusätzlich auf modern. Und dass jede Menge Elektronik dem Fahrer Unterstützung aufdrängt, ist heute unvermeidlich.

Neben dem A8 habe ich auch kurz den scharfgemachten Kombi RS4 ausprobiert. Die ehemalige Krawallschachtel für Besserverdienende ist mittlerweile erwachsen geworden; immer noch sehr schnell, aber sie drängt ihre Leistung nicht mehr mit der früheren Penetranz auf. Die Hypothek des RS4, der ganzen Baureihe A4 ist heute ihre biedere Optik. Wird höchste Zeit, dass Lichte auch hier zum Stift greift. Immerhin, die Ringe kommen wieder.


Audi A8 55 TFSI
Antrieb: 3-Liter-6-Zylinder-Benziner
Verbrauch: 7,5 Liter Super
Leistung: 250 kW (340 PS)
0–100 km/h: 5,6 s
Vmax: 250 km/h
Grundpreis: 114'100 Franken