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Testfahrt 
Lexus LS 500h AWD: Fernöstlicher Ruheraum

Lexus LS 500h AWD
Lexus LS 500h AWD: Vor allem für die Freeways und Interstates der Vereinigten Staaten gebaut.Quelle: Lexus

Japans Grosser ist selten Gast auf Schweizer Strassen. Der Lexus folgt anderen Prioritäten als die deutschen Konkurrenten. Preislich hält er mit.

Dirk Ruschmann
Von Dirk Ruschmann
03.07.2018

Wer mit diesem Auto in die deutsche Provinz fährt, wird zwei Dinge erleben: Erstens ist er der ungekrönte Star auf jedem Aldi-Parkplatz, selbst bei edleren Supermärkten wird man noch bestaunt – keiner kennt das Auto (2017 verkaufte Lexus von seinem Flaggschiff in Deutschland nur eine einstellige Zahl ­Autos), und dank 5,24 Metern Länge ist es nicht zu über­sehen. Der imposant-aggressive Spindelgrill an der Front und die ­flache, elegante Seitenlinie sind definitiv ­Hingucker. Der Fahrer damit eben auch.

Zweitens sollte man sich von der Hoffnung verabschieden, man könne auf Landstrassen oder gar über den Schwarzwald deutschstämmige Limousinen jagen. Der Motor hat zu wenig Dampf, das Fahrwerk ist zu weich; Kurven sind nicht die Lieblingsorte des Lexus, zumal satte 2,5 Tonnen Leergewicht Zentrifugalkräfte aufbauen möchten. Ruhiges Gleiten auf der Autobahn liegt ihm dagegen sehr.

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Japanische Gastfreundschaft

Die wahren Qualitäten des Lexus warten im Innenraum. Er ist wahrhaft gediegen ausgestattet. Schönes Leder schmeichelt dem Auge, wer möchte, kann die Stoffe der Türverkleidungen in Origami-Faltung bestellen.

Japanische Gastfreundschaft wollten die Konstrukteure im Interieur sichtbar machen. Schon aussen beleuchtet sich der Türgriff, und ein Strahler erhellt den Boden, damit die Füsse Pfützen ausweichen können. Sodann hebt sich das Auto dem zusteigenden Fahrer entgegen, die Sitzwangen ziehen sich zurück, das Gurtschloss reckt sich hoch.

Lexus LS 500h AWD
Im Inneren schmeichelt schönes Leder dem Auge.
Quelle: Lexus

Das Be­dienkonzept des Infotainments könnte zwar etwas eingängiger sein, aber daran gewöhnen sich Käufer ja schnell – und die Assistenzsysteme für alle möglichen und unmöglichen Fahrsituationen stehen denen der grosskantonalen Konkurrenz in nichts nach.

Entspannten Alternative

Und eben: Keiner kennt das Auto. Im Jahr 2017 kamen in der Schweiz vier neue LS aus den Showrooms der Händler, 2018 bis Ende April war es nur ein einziger. Wer also ein Auto fahren möchte, das nicht jeder hat, dabei nicht auf den Taler schauen muss und nach einer entspannten Alternative zu Mercedes S-Klasse, BMW 7er, Audi A8, Tesla S oder auch Maserati Quattroporte sucht – look no further, würde der Amerikaner sagen.

Für die Freeways und ­Interstates der Vereinigten Staaten ist der Lexus LS vor allem gebaut, und hier hat er sich im ­vergangenen Jahr mehr als 4000 Mal verkauft. In der US-affinen Schweiz könnte vielleicht noch einiges drin liegen für Japans Gros­sen.

Lexus LS 500h AWD
Antrieb: 3,5-Liter-­V6-Benziner plus 132-kW-E-Motor ­
Verbrauch: 7,1 Liter Super
Systemleistung: 359 PS (264 kW)
0–100 km/h: in 5,5 s
Vmax: 250 km/h
Preis: LS 500h Allrad «Excellence» ab 166 100 Franken