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Kunst 
«Das leisten wir uns - auch wenn es kostet»

Liechtensteins Fürst Hans-Adam II.: Monarch mit Kunst- und Geschäftssinn.Gian Marco Castelberg

Liechtensteins Fürst Hans-
Adam II. gehört zu den wohlhabendsten Monarchen der Welt und ist im Besitz einer der grössten ­privaten Kunstsammlungen. Er sammelt aus Freude - und zur Sicherheit.

Von Iris Kuhn-Spogat
18.10.2016

Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein ist Staatsoberhaupt Liechtensteins und Chef des Fürstenhauses. Dieses hatte im Zweiten Weltkrieg und durch Enteignungen danach rund 80 Prozent des Vermögens verloren. Fürst Hans-Adam II., HSG-Absolvent, hat den Verlust mehr als wettgemacht und wird in die Familienchronik als Regent mit ausgeprägtem Geschäftssinn eingehen: Der 71-Jährige gehört zu den wohlhabendsten Monarchen der Welt. Ein Interview über Kunst als Investment und seinen Auftrag:

Bilanz: Durchlaucht, Sie ­besitzen eine der grössten ­privaten Kunstsammlungen der Welt. Was für eine Beziehung zu Kunst haben Sie?
S.D. Fürst Hans-Adam II.: Ich hätte keine, wäre ich nicht in diese Position hineingeboren worden. Es ist in erster Linie eine Verpflichtung gegenüber der ­Familie.

Das heisst?
Mein Vater musste nach dem Zweiten Weltkrieg Teile der Sammlungen verkaufen, um die Kosten der Monarchie zu finanzieren und um jene Familienmitglieder zu unterstützen, die alles verloren hatten. Durch den Zweiten Weltkrieg und Enteignungen danach waren ungefähr 80 Prozent des Familienvermögens verloren gegangen. Mein Vater hat gehofft, dass es mir ge­lingen wird, es wieder aufzubauen. Auch indem ich Kunstgegenstände, die er hatte verkaufen müssen, entweder zurückkaufe oder durch ebenbürtige ersetze. Im Gegensatz zu ihm hatte ich aber keine Beziehung zur Kunst. Mich interessierten Naturwissenschaften, darum wollte ich auch Physik studieren.

Wieso haben Sie dann an der Hochschule ­­
St. Gallen Wirtschaft und Recht studiert?
Mein Vater hat mir auch schon damals gesagt, dass er mir die Aufgaben des Staatsoberhauptes gerne übertragen möchte, sobald ich das Familienvermögen ­reorganisiert und neu aufgebaut hätte. Um dieses ­Familienvermögen wieder neu aufzubauen, habe ich Wirtschaft studiert. Und Recht, da man sich als Staatsoberhaupt in Liechtenstein doch recht intensiv mit juristischen Fragen auseinandersetzen muss.

Ihre erste unternehmerische Entscheidung?
Unmittelbar nach dem Ende meines Studiums 1970 habe ich mich um unsere Bank in Liechtenstein, die heutige LGT, gekümmert. Sie war damals noch eine sehr kleine Bank, die ausserdem in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte, weil sie hohe Kredite und Haftungen übernommen hatte für Betriebe in Österreich, die unserer Familie gehörten oder an denen wir beteiligt waren. Es handelte sich um Industriebetriebe, Verlage, Druckereien usw. 1972 konnte ich auch noch den übrigen Teil des Vermögens übernehmen, und dann habe ich dort das Ganze reorganisiert, was eine mühsame und langwierige Aufgabe war.

Ihr Vater hat Sie machen lassen?
Mein Vater wusste, dass man nicht auf Dauer vom Verkauf von Kunst und Grundbesitz leben kann. Manche Familienmitglieder wollten mich aus der Familie ausschliessen, da sie von der Reorganisation betroffen waren. Das Familienvermögen dient nicht nur dazu, die Kosten der Monarchie zu finanzieren, sondern der Fürst unterstützt auch finanziell Mitglieder der Familie, die das nötig haben. Deshalb gab es auch in der weiteren Familie Unterstützung für meine Pläne, das Familienvermögen zu reorganisieren und neu aufzubauen.

Inklusive Kunstsammlungen. Das haben Sie sich zugetraut, so ganz ohne Kunstsinn?
Als wir es uns wieder leisten konnten, habe ich Vater vorgeschlagen, einen Direktor für unsere Kunstsammlungen anzustellen. Dazu haben wir jetzt auch noch einen Kunstbeirat, der den Direktor der Sammlungen und mich bei Käufen, Restaurierungen oder auch bei Verkäufen berät.

Es heisst, ohne Ihre Zustimmung gehe nichts, kein Ankauf, kein Verkauf.
Natürlich haben ich als Vorsitzender und mein Stellvertreter, der Erbprinz, grossen Einfluss auf die Entscheidungen des Kunstbeirates, nicht zuletzt deshalb, weil Fürst und Erbprinz jeweils auch den Vorsitz in den anderen Stiftungen haben, die das Geld verdienen, mit denen die Sammlungen finanziert werden.

Geben Sie ein Beispiel für Ihre grosse Einflussnahme?
Das Badminton Cabinet. Der Kunstbeirat hatte Bedenken wegen des hohen Preises, da dadurch das Ankaufsbudget über mehrere Jahre verbraucht gewesen wäre. Ich habe dann entschieden, dass der Kauf des Cabinets das Ankaufsbudget nicht belasten wird, sondern dass der Kauf anderweitig finanziert wird.

20 Millionen Pfund haben Sie für den Schrank bezahlt – er ist das teuerste je verkaufte Möbelstück. Es heisst, Sie könnten ihn inzwischen für 100 Millionen nach Fernost verkaufen. Warum machen Sie es nicht?
Es gibt keinen Bedarf, zu verkaufen. Aber ich kann natürlich nicht ausschliessen, dass sich das eines Tages ändert, wenn wieder einmal eine Katastrophe über uns hereinbricht.

Zum Beispiel, dass die LGT Bank gerettet werden muss?
Zum Beispiel. Die Kunstsammlung ist für uns eine Sicherheit.

Kunst sammeln ist das eine, Kunst besitzen das andere. Sie haben das Stadtpalais in Wien prunkvoll restauriert und mit einem Hoch­sicherheitsbunker unterkellert für Kunstwerke, die Sie nicht ausstellen können. Investitionssumme?
Ungefähr 125 Millionen Euro. Die hohen Restaurierungskosten sind auch darauf zurückzuführen, dass das Palais im Zweiten Weltkrieg zuerst von einer Bombe getroffen wurde und dann auch noch ein Flugzeug auf das ­Gebäude abstürzte. Nach dem Krieg wurde vieles nur notdürftig saniert. Das Palais stand auf Holzpfeilern im Grundwasser. Dadurch, dass das Grundwasser in diesem Stadtteil gesenkt wurde, begann das Holz langsam zu verfaulen und musste ersetzt werden. Nun ruht das Stadtpalais in einer Betonwanne, die im Grundwasser schwimmt – eine aufwendige Konstruktion, die wir als Schutzraum für die Sammlungen nutzen.

Ihre Vorfahren waren Sammler, aber auch Mäzene. Sie sind kein Mäzen.
Nein, ich bin der Meinung, die öffentliche Hand macht genug für Gegenwartskunst. Ausserdem habe ich keine Beziehung zur Gegenwartskunst. Es hat – wie erwähnt – eine Zeit lang gebraucht, bis ich eine Beziehung zur alten Kunst aufgebaut hatte.

Sie sagen, Kunst sei auch ein Mittel der Politik. Wie meinen Sie das?
Mein Vater wollte damit der Schweiz, die uns in der schwierigen Zeit von 1938 bis 1945 sehr geholfen hat, seine Dankbarkeit zeigen. Die erste Ausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg fand deshalb in Luzern statt. Mit unserer Ausstellung im Metropolitan Museum of Art in New York 1985 wollten wir den Amerikanern danken, denen wir im Zweiten Weltkrieg und auch im Kalten Krieg viel zu verdanken hatten. So gesehen haben Ausstellungen oft auch eine politische Bedeutung.

Und was für Überlegungen spielten eine Rolle bei Ausstellungen in Asien?
Keine. Die Kunstsammlung ist nicht nur Botschafterin des Landes und der Familie, sondern auch unserer Geschäftsinter­essen, besonders der LGT Bank. Kundenberater kommen gern mit ihren Kunden in solche Ausstellungen. Das leisten wir uns, auch wenn es kostet – im Sinne der sogenannten Umwegsrentabilität.

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