Schweizer Aktien aus der zweiten Reihe haben im bisherigen Jahresverlauf den Blue Chips die Show ge­stohlen. Während SMI-Vorzeigepapiere wie Novartis, Roche, Adecco, Swatch, Richemont, CS und UBS bis im September zwischen 11 und 38 Prozent einbüssten, strahlen AFG, Emmi, Feintool, Goldbach, Gurit, Partners Group, Ypsomed sowie ein Dutzend weitere Titel mit Kursgewinnen von 30 Prozent und mehr.

Manche dieser Nebenwerte sind inzwischen gar hoch bewertet. Doch es gibt immer noch attraktive Aktien, bei denen sich ein Einstieg auf längere Sicht lohnt.

Beispiel Forbo

Beispielsweise Forbo. Der vom Hauptaktionär Michael Pieper (70) protegierte VR-Präsident This Schneider (64) verhalf als langjähriger CEO der Firma zu neuer Blüte. Zwar hat der starke Franken das letztjährige Ergebnis des in Baar beheimateten Konzerns belastet; dazu kam der schleppende Geschäftsgang in wichtigen Märkten. Dafür lieferte der führende Hersteller im Bereich von Bodenbelägen, Bauklebstoffen sowie Antriebs- und Leichtfördertechnik für das erste Halbjahr 2016 erfreuliche ­Resultate; Umsatz und Gewinn legten um 7 respektive 13 Prozent zu.

Für das Gesamtjahr zeigt sich Schneider zurückhaltend optimistisch. Doch Forbo hat bewiesen, dass man auch in einer wenig berauschenden Marktlage ein ansprechendes organisches Wachstum mit laufend besseren Margen zu erwirtschaften fähig ist. Ein ­fettes Cash-Polster erlaubt zudem, nach Übernahmekandidaten Ausschau zu halten.

Jüngst setzten die Aktien einen historischen Höchstkurs; dennoch lässt ein für 2017 geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,7 noch etwas Raum nach oben. Wenig berauschend ist dafür die Dividendenrendite von 1,3 Prozent. Andererseits sind die Forbo-Valoren gerade in hektischen Börsenzeiten solide Werte, die sich in erster Linie für vorsichtig agierende Anleger eignen.

Renditeknaller APG

Im Vergleich mit Forbo sind APG ein regelrechter Renditeknaller; auf Basis einer für 2016 geschätzten Dividende von 26 Franken pro Aktie winken nicht weniger als 6,5 Prozent – ein Spitzenwert.

Allerdings ist dies der einzige Punkt, der für die Valoren spricht. APG bewegt sich als Werbevermittler in einer Branche, die stark unter Druck steht. Immerhin erfreut sich das Unternehmen einer Sonder­position; APG ist unumstrittener Marktleader in der Aus­senwerbung und hält in der Schweiz einen Anteil von gegen drei Viertel. Im Gegensatz zur üblichen Werbung gilt die Aussenwerbung als ­relativ konjunkturresistent. Dennoch ist das Wachstumspotenzial weg. Die Umsätze stagnieren seit Jahren, im ersten Semester 2016 fielen die Verkäufe um 1,8 Prozent. Auch der bereinigte Betriebsertrag ging etwas zurück, doch ist die Ebit-Marge mit 20,7 Prozent immer noch beachtlich.

Trotz guter Profitabilität sind die Aktien mit einem für 2017 geschätzten KGV von 23,5 hoch bewertet. Die Aktionäre aber interessiert sowieso mehr, ob die saftige Ausschüttung auch mittelfristig gehalten werden kann. Und da sehe ich keine Probleme. Die Genfer Firma erwirtschaftet alljährlich einen hohen freien Cashflow. Wer mehr auf Rendite denn auf Wachstum aus ist, der ist mit APG gut beraten.

Freude am Risiko

Nach einem ausdauernden Höhenflug bis Mitte 2015 gerieten die ­Valoren von AMS unter die Räder; seither haben die Aktien gegen die Hälfte ihres Werts verloren.

Über die Gründe muss man nicht gross spekulieren. Mit einem 
Umsatzanteil von etwa einem Fünftel ist der US-Technologie­gigant Apple grösster Kunde des österreichischen Sensor-Produzenten, der 2004 seine Aktien in der Schweiz kotieren liess. Seit der Absatz des Paradeprodukts iPhone stockt, stehen nicht nur die Apple-Valoren, sondern auch AMS unter Druck. Kein Wunder, denn Apples Probleme belasten die Resultate von AMS. Wurden 2015 Rekordzahlen geschrieben, schmolz im ersten Semester dieses Jahres der Umsatz um 17 und der Gewinn sogar um 60 Prozent.

Der seit kurzem als CEO amtierende Alexander Everke (53) ist überzeugt, dass AMS das Gröbste bereits hinter sich hat. Für 2019 prognostiziert er einen Umsatz von einer Milliarde Euro und eine Bruttogewinnmarge von 60 Prozent. Seine Zuversicht bezieht der Deutsche aus der Lancierung neuartiger Sensoren sowie einer neuen Halbleiterfabrik in den USA. Zudem ist AMS in Märkten mit hohem Wachstumspotenzial tätig wie Medizin, Biosensoren, Umwelt oder Automotive.

Auch viele Finanzanalysten glauben, dass die Firma 2017 zu deutlichem Wachstum zurückfinden wird. Die Zürcher Kantonalbank schätzt das KGV für nächstes Jahr auf 16,3 und für 2018 auf 12,8. Doch Vorsicht, an AMS sollten sich nur risikofreudige Investoren versuchen.

Kühler Kopf

Der Führung von Dätwyler muss ich ein Kränzchen winden. Da boten die Altdorfer 848 Millionen Franken in bar für die Übernahme des britischen Elektroteilehändlers Premier Farnell. Eine grosszügige Offerte – die dennoch vom US-Konzern Avnet um gut zehn Prozent überboten wurde. Nun hätte Premier Farnell bestens zu Dätwyler gepasst und das Unternehmen umsatzmässig einen Riesenschritt vorwärtsgebracht. Dennoch lies­sen sich Konzernchef Paul Hälg (61) und VR-Präsident Ulrich Graf (71) nicht auf einen Bieterkampf ein. Was bleibt, sind Transaktions- sowie Währungs-Absicherungskosten von etwa 40 Millionen, die der Zulieferer und Distributor von technischen und elektronischen Komponenten abbuchen muss.

Der geplatzte Deal hindert die Urner Firma nicht daran, sich weiterhin nach Übernahmemöglichkeiten umzusehen. Damit soll dem Konsolidierungs- und Margendruck begegnet werden. Künftig erfolgt das Wachstum etwas langsamer, dafür kontrollierter. Erfreuliche Zahlen für das erste Halbjahr zeigen, dass Dätwyler auf dem richtigen Weg ist. Bis 2020 soll ein Umsatz von zwei Milliarden erreicht werden. Gegenüber 2015 entspräche dies einem Zuwachs von 72 Prozent. Dabei sollte es möglich sein, die Ebit-Marge auszubauen. Die Aktien lassen bei einem für 2017 geschätzten KGV von 17,3 noch etwas Kursfantasie zu. Nur eignen sich die Valoren nicht für Anlagen auf kurze Sicht.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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