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Wo Anleger süsse Titel und süsse Trends finden

Die Titel von Barry Callebaut zwischen süss und teuer
Erntereif: Bei Barry Callebaut wächst der Absatz - noch.  Pexels

Barry Callebaut verkauft wieder mehr ­Schokolade, doch die Aktien sind ausgereizt; Roboterproduzent Fanuc erfreut sich eines Booms; ABB steckt in der Wachstumsflaute.

Kommentar  
Von Frank Goldfinger
2017-08-02

Zwei Jahre lang schmolzen die Margen – nun bleibt bei Barry Callebaut wieder mehr hängen. Auch beim Absatz steuert der weltgrösste Kakao- und Schokoladeproduzent auf Wachstumskurs; in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2016/17 legten die Verkaufsmenge – jährlich werden über 1,8 Millionen Tonnen Schokolade produziert – und der Umsatz über Erwarten zu.

Vor allem im letzten Quartal beschleunigte sich der Absatz, und dies gegen den Branchentrend. Obwohl das Mengenwachstum mit 2,8 Prozent unter den mittelfristig angestrebten vier bis sechs Prozent geblieben ist, lobt CEO Antoine de Saint-Affrique (53) die «Smart Growth»-Strategie. Auch Patrick De Maeseneire (60) darf zufrieden sein: Im ersten Jahr als Präsident gibt es bereits Erfolge.

Keine grossen Sprünge

Die Analysten mussten nach den jüngsten Zahlen über die Bücher. So erwartet UBS-Analyst Joern Iffert für das ganze Geschäftsjahr einen um 3,1 Prozent höheren Umsatz, der Reingewinn soll weit überproportional um 36 Prozent zulegen. Ähnliche Resultate prognostiziert Daniel Bürki von der ZKB. Einig sind sich die beiden Experten jedoch auch darin, dass sich das Gewinnwachstum danach spürbar verflachen wird. Für 2018/19 und das Folgejahr erwartet Iffert noch ein Plus von 4,5 respektive 4,0 Prozent.

Das scheint die Anleger wenig 
zu kümmern. Sie erfreuen sich am diesjährigen Gewinnsprung. Die Titel haben im Mai ein historisches Höchst gesetzt, seither jedoch eingebüsst. Dennoch sind die Valoren mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 25,1 für einen Industrietitel stattlich bewertet. Auch Barry Callebauts Dividendenrendite vermag mit 1,2 Prozent nicht zu berauschen. Die Ertragssteigerungen sind bereits eskomptiert, grosse Kurssprünge über die nächsten Monate würden überraschen.

Wohin mit dem Geld

Als vor kurzem eine Studie der Zürcher Kantonalbank über Partners Group auf mein Pult flatterte, musste ich schmunzeln: «Nachfrage wie bei Freibier», lautete der Titel. Nun reitet der auf Privatmarkt­anlagen spezialisierte Vermögensverwalter aus dem zugerischen Baar tatsächlich seit Jahren auf einer Erfolgswelle, Kundengelder und Gewinne steigen kontinuierlich. So auch im ersten Semester 2017: Die Kunden machten neue Kapitalzusagen in Höhe von 6,9 Milliarden Euro, die verwalteten Vermögen stiegen um 6,6 Prozent auf 57,8 Milliarden.

Partners Group hat die hohen Erwartungen übertroffen – einmal mehr. Flugs wurden die Ziele für das Gesamtjahr angehoben; neu werden frische Kundengelder von zehn bis zwölf Milliarden angepeilt. Und schon werden Stimmen laut, die davor warnen, dass die Firma zunehmend Schwierigkeiten habe, attraktive Investments auszumachen. Nur hat das Management bewiesen, dass man Neuanlagen mit grösster Sorgfalt aussucht. Die Erfolgsgeschichte geht weiter. Nach einem Kursgewinn von 170 Prozent über die letzten drei Jahre und einem für 2017 geschätzten KGV von 27 sind die Aktien fürwahr kein Schnäppchen mehr. Die Performance dürfte sich zwar verflachen, die Titel bergen aber weiteres Potenzial.

Hochprofitable Roboter

Der Megatrend «Industrie 4.0» – die Verzahnung der industriellen Produktion mit Kommunikationstechnologie – eröffnet Investoren neue Möglichkeiten. Auf viel Interesse stossen dabei die Automatisierung und die Industrieroboter. Die Wachstumsraten sind enorm. Laut Branchenexperten dürfte der Umsatz über die nächsten Jahre im Durchschnitt um jeweils 15 Prozent zunehmen. Dabei handelt es sich um einen gewaltigen Brocken: Der gesamte Robotermarkt, also Hard- und Software, umfasst ein Volumen von ungefähr 30 bis 40 Milliarden ­Franken.

Marktleader ist Fanuc. Der japanische Konzern produziert Maschinen, Automationssysteme und Roboter. Bislang wurden weltweit 440 000 Industrieroboter installiert. 2016 erwirtschafteten mehr als 5000 Beschäftigte einen Umsatz von 4,8 Milliarden Dollar. Fanuc ist hochprofitabel, knapp jeder vierte Dollar des Umsatzes blieb als Reingewinn hängen.

Investieren in Thema

Nur: Es sah auch schon besser aus. Die vergangenen zwei Jahre brachten Umsatz- und Ertragseinbussen. Doch die Aussichten hellen sich auf; für die nächsten vier Jahre prognostizieren Analysten ­Gewinnzuwächse von zum Teil weit über zehn Prozent. Die Aktien stehen seit Wochen unter Druck. Dennoch sind sie mit einem für dieses Jahr geschätzten KGV von 33,9 immer noch hoch bewertet. Die Titel sind attraktiv, doch ein Einstieg ist nur auf lange Sicht ratsam.

Neben Fanuc lassen sich noch andere interessante Aktien der Branche ausmachen, so diejenigen der ebenfalls japanischen Yaskawa und der deutschen Kuka. Wer sich nicht aufs Stockpicking verlassen will, ist gut beraten mit Themen-ETFs wie dem Robo Global Robotics and Automation von ETF Securities oder mit Themenfonds, beispielsweise dem Pictet-Robotics-Fonds.

Rockstar Robotics

Auch die Schweiz kann einen der weltgrössten Roboterhersteller vorweisen, nämlich ABB. Die Industriegruppe ist ein führender Anbieter im Geschäft mit Energie- und Automationstechnik. Rund ein Viertel des Umsatzes wird mit Industrieautomation und Robotern er­wirtschaftet. Allerdings war diese Sparte bis ins vergangene Jahr schwer defizitär. Doch die Talsohle ist durchschritten: Im zweiten Quartal 2017 wuchs der Auftragseingang stark an. ABB-Chef Ulrich Spiesshofer (53) prognostiziert denn auch eine grosse Zukunft. «Heute ist ­Robotics ein Rockstar im Portfolio, der Bereich wächst stark und ist hochprofitabel», schwärmte er in der «Handelszeitung».

Das Wohlergehen von ABB hängt allerdings nicht nur vom Geschäft mit Robotern und Industrieauto­mation ab. In den weitaus grösseren Bereichen Stromnetze und Elektri­fizierungsgüter kämpft die schweizerisch-schwedische ABB da­gegen mit einer hartnäckigen Wachstumsschwäche. Das drückt die Resultate für den gesamten Konzern, wie sich an den Ergebnissen für das zweite Quartal 2017 ablesen lässt: Umsatz und Betriebsgewinn gingen um 2,6 respektive 7,0 Prozent zurück. Die Aussichten versprechen, zumindest kurzfristig, keine Wende zum Besseren. Solange sich nicht mehr Wachstumsdynamik abzeichnet, lasse ich die Aktien links liegen.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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