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Führungsexperimente 
Wie Sie Ihre Mitarbeiter zu Innovationen anregen

Innovationskultur: Mitarbeiter, die eine Idee haben, sollten unterstützt werden.Pixabay

Die Wirtschaftsgeschichte ist gepflastert mit Firmen, die wegweisende Innovationen aus dem eigenen Haus nicht umgesetzt haben. Ein Innovationsbudget für jeden kann die Lösung sein.

Kommentar  
Von Hermann Arnold
02.05.2017

Viele Unternehmen beklagen die Innovationsträgheit ihrer Mitarbeiter. Belohnungen, Bestrafungen, Befreiungen – nichts davon scheint das Potenzial der Mitarbeiter zu heben, von dessen Existenz alle überzeugt sind. Auch organisatorische Schnellbote im hippen Berlin, London oder Silicon Valley sind bestenfalls überbezahlte Fischkutter, die kein Rennen gewinnen.

Gleichzeitig beklagen viele Mitarbeiter die Innovationsträgheit ihrer Unternehmen. Hat eine Mitarbeiterin eine Idee, greifen sofort aufwendige Prozesse und Kontrollmechanismen. Zuerst muss die Mitarbeiterin langwierige Formulare ausfüllen. Dann verändern die Gremien der Gescheiten die Idee. Die Ideengeberin erlebt das volle Spektrum an Bevormundung, Misstrauen und Kontrolle. Umgesetzt wird nichts, geschweige denn von der Ideen-«Geberin».

Die Konsequenzen sind dramatisch: Deutschland gilt als das führende Automobil-Land der Welt und beschäftigt mehr als 3,3 Millionen Menschen in Fahrzeugbau, Verkehr und Logistik. Dennoch erstarrt das Land im Schock vor Unternehmen namens Uber und Tesla mit ein paar Tausend Mitarbeitern. Die geballte Innovationskraft von 3,3 Millionen Menschen müsste eigentlich mehr zustande bringen. Der Schweizer Finanzbranche blüht dasselbe, sobald die ersten Robin Hoods, Lending Clubs oder andere Finanzinnovatoren breiteren Erfolg haben.

Anregung: Ein Innovationsbudget für jeden

Nehmen Sie 5 bis 10 Prozent Ihres Forschungs- und Entwicklungsbudgets und verteilen Sie diese Mittel gleichmässig auf alle Ihre Mitarbeiter – vom Portier bis zum Geschäftsführer. Dies entspräche in der Automobilbranche ca. 1‘000 bis 2‘000 Euro. Betrachtet man alle tausend europäischen Unternehmen mit Investitionsausgaben in Forschung und Entwicklung von über 5,5 Millionen Euro liegt dieser Betrag bei 1800 Euro pro Mitarbeiter.

Autorisieren Sie Ihre Mitarbeiter, dieses Geld ganz nach ihrem eigenen Ermessen in Innovationsprojekte von sich oder anderen zu investieren – ganz gleich, ob diese Prozessverbesserungen, Produktneuheiten oder die Arbeitsinfrastruktur betreffen. Ihre Mitarbeiter müssen für diese Investition nicht um Erlaubnis bitten. Es ist jedoch für alle im Unternehmen transparent einsehbar, wer wie viel in welches Projekt investiert.

Mitarbeiter, die eine Idee haben, können diese als Projekt auf einer Plattform für Schwarmfinanzierung (crowd funding) vorstellen. Als Beispiele für eine derartige Plattform ausserhalb von Unternehmen sind Kickstarter und Indiegogo bekannt. Wenn das Projekt eine hinreichende Finanzierung durch andere Mitarbeiter erhält, können die Initiatoren mit der Umsetzung beginnen.

Dreidimensionale Umsetzung

Wir empfehlen, ein solches Vorhaben nicht aus dem Stand und ohne begleitende Massnahmen umzusetzen. Aus unserer Erfahrung sind Experimente nur erfolgreich, wenn sie dreidimensional aufgesetzt sind. Sie müssen (1) Organisation, (2) Menschen und (3) Infrastruktur gleichzeitig berühren. Neben dem Budget benötigen Sie einfache Regeln, wie das Geld verwendet werden darf (1). Gleichzeitig braucht es eine technische Infrastruktur, um die Investitionen transparent zu machen – und um Mitinvestoren für grössere Projekte zu gewinnen (3). Das Schwierigste ist meist, eine Verhaltensänderung für Mitarbeiter zu ermöglichen. Dazu hilft die tatkräftige und sichtbare Unterstützung der ersten Pioniere (2).

Sie benötigen Mut, ein solches Experiment zu wagen. Sie verlieren Kontrolle über einen signifikanten Teil Ihres Innovationsbudgets und über Ihre engagierten Mitarbeiter. Doch ohne eine fundamentale Veränderung Ihrer Innovationskultur laufen Sie Gefahr, zwar in Kontrolle zu bleiben aber dabei überholt zu werden.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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