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Warum Linkedin sein Geld wert ist

CEO Satya Nadella: Microsoft kauft mit Linkedin einen grossen Datenschatz   Keystone

Bei der Linkedin-Übernahme zahlt Microsoft für jedes Mitglied des Netzwerks 220 Euro. So gerechnet wäre Twitter günstiger gewesen. Dennoch könnte sich der Deal für Satya Nadellas Unternehmen lohnen.

Kommentar  
Von Thomas Heuzeroth
24.06.2016

Übernahmen kann man so sehen oder auch anders. Das gilt auch für die Microsoft-Offerte, das Karriere-Netzwerk Linkedin für 26,2 Milliarden Dollar zu übernehmen. Blickt man auf den Aktienkurs, ist der Zeitpunkt günstig. Das Linkedin-Papier hat in den vergangenen zwölf Monaten ganz andere Höhen gesehen.

Doch schaut man auf die Summe, die Microsoft pro monatlich aktives Mitglied zahlt, ist der Deal teuer. Gemessen am Börsenwert wird ein Linkedin-Mitglied mit 220 Euro bewertet. Beim deutschen Konkurrenten Xing sind es nur 94 Euro. Facebook kommt immerhin auf 142 Euro pro Mitglied. Twitter bildet unter den vier Netzwerken mit 32 Euro pro aktivem Mitglied das Schlusslicht.

Hoffnung ist viel Geld wert

Doch das dürfte nicht das ausschlaggebende Kriterium für Microsoft-Chef Satya Nadella gewesen sein. Er setzt grosse Hoffnungen auf Linkedin, nur so lässt sich der Aufpreis von fast 50 Prozent zum Börsenwert erklären. Das Karriere-Netzwerk soll den Software-Riesen beleben. Somit verrät die Übernahme im Grunde mehr über Microsoft als über Linkedin.

Längst müht sich Microsoft darum, sich vom einstigen Gewinnbringer Windows zu emanzipieren. Das Geschäft mit den PCs und damit auch mit dem Betriebssystem geht weltweit zurück. Beim Sprung auf mobile Geräte tut sich Microsoft äusserst schwer.

Schwächeres Cloud-Geschäft

Der Kauf des Handy-Geschäftes von Nokia gilt als Fehler, mehrere Milliarden Euro musste Microsoft abschreiben. Auf den Smartphones spielt das Betriebssystem von Microsoft schlichtweg keine Rolle. Konzernchef Nadella hofft daher auf die Cloud, also Dienstleistungen, die über das Internet erbracht werden. Dazu zählt auch Office 365, die Bürosoftware, die im Netz läuft.

Zuletzt hat sich das Wachstum des Cloud-Geschäfts jedoch etwas abgekühlt. Nadella muss neuen Schwung holen. Deswegen wagt er nun den Milliarden schweren Zukauf. «Zusammen können wir das Wachstum von Linkedin und auch von Microsoft Office 365 und Dynamics beschleunigen», sagte Microsoft-Chef Nadella. Unter Dynamics fasst Microsoft eine Reihe von Unternehmensanwendungen zusammen. Tatsächlich könnte die Rechnung aufgehen – wenn sich die Linkedin-Mitglieder auf Microsoft einlassen. Es ist aber auch möglich, dass sie das nicht machen.

Viele Daten mit unklarem Zweck

In jedem Fall kauft Microsoft einen grossen Datenschatz. 433 Millionen Menschen haben ihre beruflichen Profile bei Linkedin eingestellt, sie vernetzen sich dort mit anderen Mitgliedern und halten nach neuen Jobs Ausschau. Headhunter und Firmen nutzen Linkedin, um Mitarbeiter zu finden – und für die Datenanalyse. Sogar Microsofts digitaler Assistent Cortana wird in diesen Datenschatz eintauchen. Noch ist aber nicht klar, was Microsoft damit alles anstellen wird.

Stösst der Konzern damit weitere Übernahmen von sozialen Netzwerken an? Viel Auswahl gibt es da nicht. Twitter ist an der Börse nicht einmal mehr 10 Milliarden Euro wert. Unwahrscheinlich. Nutzer verraten in den verschiedenen Netzwerken auch jeweils andere Details über sich. Auch dadurch erklären sich die unterschiedlichen Summen, die einzelne Mitglieder wert sind. Ausserdem unterscheiden sich die Geschäftsmodelle der Netzwerke.

Geldmachen als Herausforderung

Nicht jedes ist in der Lage, an seinen Mitgliedern auch angemessen zu verdienen. Twitter tut sich hier besonders schwer, die Mitgliederzahl legt dort auch kaum noch zu. Facebook gelingt das schon besser. Linkedin und Xing haben andere Möglichkeiten und können monatliche Gebühren für Premium-Mitgliedschaften verlangen und für besondere Funktionen von Unternehmen Geld verlangen. Daher lassen sich die Netzwerke nur schwer miteinander vergleichen.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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