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Warum die wahre Gefahr im Kleinen lauert

Warum die wahre Gefahr im Kleinen lauert
Mücken bringen jährlich etwa 1,2 Millionen Menschen um .Flickr/John Tann/CC

Die grosen spektakulären Fälle im Leben sind meistens Sonderfälle. Die wahre Gefahr lauert im Kleinen.

Kommentar  
Von Kurt W. Zimmermann
2016-02-09

Die Dame hiess Margaret Cruse und war 65 Jahre alt. Sie schnorchelte letztes Jahr vor der Küste vor Maui. Sie überlebte es nicht. Der Hai biss ihr den rechten Arm beim Schultergelenk durch.

Es war in kurzer Zeit der dritte tödliche Angriff eines Hais auf Hawaii. Die Medien überschlugen sich, der Strand wurde gesperrt, bei Hotels und Reisebüros gab es massenweise Stornierungen von Touristen.

Spektakulär, doch äusserst unwahrscheinlich

Von einem Hai gefressen zu werden, ist dennoch eine äusserst unwahrscheinliche Todesursache. Die Chance ist nahe bei null. Pro Jahr kommen weltweit keine zehn Taucher, Schwimmer oder Surfer durch Haiattacken ums Leben. Meistens beissen Tigerhaie zu, die aggressivste Spezies unter den Raubfischen.

Von einem Hai gefressen zu werden, ist andererseits die spektakulärste Art, wie ein Mensch von einem Tier ins Jenseits befördert werden kann. Es hat etwas Mythisches. «Der weisse Hai» war denn auch über Jahrzehnte der kommerziell erfolgreichste Film der Kinogeschichte. Zu Haien gibt es allein im deutschen und im englischsprachigen Raum über zehntausend Bücher.

Unspektakulär, doch wahrscheinlicher

Für Mücken aber interessiert sich niemand. Doch sie bringen jährlich etwa 1,2 Millionen Menschen um.

Es ist wie immer im Leben. Man interessiert sich für den grossen, dramatischen Crash. Die Tausende von täglichen Unglücksfällen sind hingegen kein Thema, auch wenn ihre Schadensbilanz gesamthaft ungleich höher ist.

Grösste Firmenpleite - nur eine Nebensache

Die grösste Firmenpleite der letzten Jahre war im Jahr 2010 der Konkurs von Mayr-Melnhof im Kanton Graubünden, dem umsatzstärksten Sägewerk des Landes. Sie hinterliess ein Loch von knapp dreissig Millionen Franken. Es war ein Fall mit gewaltigen Schlagzeilen, aber im Vergleich doch nur eine Nebensache. Pro Jahr werden in der Schweiz 14'000 Konkurse eröffnet. Die totale Schadenssumme beträgt 2,8 Milliarden Franken.

Oder nehmen wir den Anschlag auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» in Paris. Es gab zehn Tote und hinterher eine Kaskade von neuen Gesetzen und neuen Vollmachten für die Polizei. Im gleichen Jahr stieg die weltweite Zahl von Terrortoten auf mehr als 32'000.

Rangliste der tödlichen Viechern

Damit wären wir zurück im Tierreich. Die Mücke, der grösste Killer unter den Tieren, schafft ihre 1,2 Millionen jährlichen Todesopfer zu achtzig Prozent durch die Übertragung von Malaria. Der Rest verteilt sich auf Dengue- und Gelbfieber.

Nummer zwei unter den tödlichen Viechern sind die Giftschlangen. Sie bringen pro Jahr rund 100'000 Opfer ums Leben. Auf Platz drei folgen die besten Freunde des Menschen. An Hundebissen sterben jährlich weltweit 25'000 Personen. In der Schweiz, so die Statistik der Suva, ist das Risiko beim Spazierengehen am grössten. Am bissigsten sind Schäferhunde und Rottweiler.

Je spektakulärer die Todesfälle sind, umso geringer ist ihre Zahl. Krokodile beispielsweise schnappen sich pro Jahr etwa tausend Opfer, Elefanten trampeln deren fünfhundert tot. Auch die Löwen, die jährlich um die fünfzig Menschen verspeisen, liegen noch vor den Haien.

Im letzten August kam es auf einer Alpwiese im bündnerischen Laax zu einem ungewöhnlichen Todesfall. Eine 77-jährige Wanderin wurde von einer Kuh zu Boden geworfen und totgetrampelt. Die Frau starb noch an der Unfallstelle.

Auch wir Alpenbewohner haben unsere Haie.

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