Im  Lukas-Evangelium lesen wir: «So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Busse tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Busse nicht bedürfen.» Wenn das stimmt, läuten seit ein paar Tagen im Himmel die Glocken und alle Engel und Engelinnen machen weit mehr als nur Dienst nach Vorschrift.

Sie bereiten eine Riesenfete vor, hängen bunte Papiergirlanden auf und streuen Swarovski-Kristalle auf den Boden. Petrus hat seinen Platz am Himmelstor verlassen und übt mit einem Chor Händels Halleluja. Was ist passiert?

«Der VW-Konzern hat eine neue Strategie für die Neuausrichtung seiner schwächelnden Volkswagen-Kernmarke vorgestellt. Das Unternehmen will künftig verstärkt auf Elektromobilität setzen», hören wir in den «Tagesthemen». Gelobt seien der Herr und der Vorstand des Unternehmens! Es geht wieder aufwärts. Mit weniger Benzin und Diesel und mehr Volt und Ampere.

Ist jemandem das Getriebe um die Ohren geflogen? Nein

Ich habe bis heute nicht verstanden, worum es beim VW-Skandal eigentlich geht. Hat es Fälle von Selbstentzündung gegeben wie bei einigen Samsung-Handys? Oder Todesfälle, die durch Autopiloten verursacht wurden, wie bei Tesla? Ist jemandem das Getriebe um die Ohren geflogen? Nein.

Es wurde bei den Abgas- und Verbrauchsangaben geschummelt und einige VW-Kunden, die vermutlich auch glauben, eine Kalbsleberwurst würde aus Kalbsleber hergestellt, fühlten sich betrogen, so als habe VW ihnen einen fliegenden Teppich versprochen, der mit Lavendelduft angetrieben wird. Es geht also nicht um materielle Schäden, sondern um enttäuschte Erwartungen.

Sei’s drum. Ich verstehe auch nicht, wie das Internet funktioniert. Volkswagen jedenfalls muss als «Wiedergutmachung für den Diesel-Skandal» 15 Milliarden Dollar Strafe zahlen, in den USA. Mithilfe einer neuen Strategie soll das Image verbessert werden, Elektromobilität heisst die Zauberformel, an der das Unternehmen genesen will.

VW will «Amerika elektrifizieren»

Zu diesem Zweck hat man die Agenda «Transform 2025+» ausgearbeitet. Klingt gut und erinnert an die Science-Fiction-Filme «Transformers» (1 bis 4), die teilweise auf dem Planeten Cybertron spielen, wo intelligente Maschinenwesen leben, die verschiedene Gestalten annehmen können.

So weit möchte VW allerdings nicht gehen. Der Konzern will zum «Weltmarktführer bei Elektroautos» aufsteigen und eine Million Fahrzeuge pro Jahr produzieren und verkaufen. Nur zur Erinnerung: Der Plan der Bundesregierung, bis zum Jahre 2020 eine Million E-Autos in Deutschland auf die Strasse zu bringen, wurde inzwischen in aller Stille begraben.

VW aber denkt global, obwohl man erst zwei E-Modelle im Angebot und in diesem Jahr nur 11'000 Batterieautos verkauft hat. Weltweit. Von 2021 an will Volkswagen «Amerika elektrifizieren», mit ganz vielen neuen E-Modellen, die auch in den USA hergestellt werden sollen. Vorher aber wollen die Wolfsburger noch schnell ein bis zwei Dutzend neue SUVs in den USA anbieten, die ganz konventionell betankt werden, mit Benzin oder Diesel.

Das erinnert in der Tat an die «Transformers». In der Nacht vom 31. Dezember 2020 zum 1. Januar 2021 werden sich die Verbrennungsmotoren auf Elektrobetrieb umstellen. Die Bauern in Ohio, Montana und Wyoming können es kaum erwarten, bis ihre Pick-ups lautlos über die Feldwege gleiten. Und auf dem Planeten Cybertron eröffnet Volkswagen seine erste Vertretung.

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