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Trumps Politik ist eine Chance für Europa

Trumps Politik ist eine Chance für Europa
Donald Trump: Hat mit seiner Politik die Europäer wachgerüttelt. Keystone

Europa hat eine gewichtige Stimme in der politischen Weltarchitektur, das sollte auch US-Präsident Trump beherzigen. Vielmehr könnte sein angezettelter Handelskrieg am Ende am meisten der USA schaden.

Kommentar  
Von Werner-Josef Gartner
2017-02-07

Amerika First, das war gestern, jetzt heisst es – Europa zuerst. Donald Trump hat mit seiner Politik der Abschottung die Europäer wachgerüttelt. Sie sehen mit dieser Auffassung eine Chance, da die USA keine politische Strategie bisher auf den Tisch gelegt haben. Das Machtgefüge zwischen dem transatlantischen Bündnis bröckelt zunehmend und die Europäer erholen sich gerade vom dem Schock.

Durch die europäische Union hat Europa eine gewichtige Stimme in der politischen Weltarchitektur, die auch ein US-Präsident nicht einfach zur Seite schieben kann. Europa muss mit seinen 500 Millionen Einwohner selbstbewusst gegen die USA auftreten und sich nicht die Spielregeln aufzwingen lassen. In seinem geschäftlichen Umfeld hat Trump als One Man Show seine Deals zu Lasten anderer Partner durchgezogen, was jedoch im politischen Umfeld nicht machbar ist. Er ist vom Geschäftsmann zum poltischen Trainee im Weissen Haus geworden.

Trump zettelt Handelskrieg an

Der angezettelte Handelskrieg mit allen grossen Volkswirtschaften in der Welt hat bei den Politikern und Managern grosses Stirnrunzeln verursacht. Auf deutsche Autoprodukte soll nach dem Willen des US-Präsidenten ein Strafzoll von 35 Prozent erhoben werden, wenn sie in Mexiko hergestellt sind. Dies würde die Autos in USA teurer machen. Auch wenn die PKWs vornehmlich nur in den USA hergestellt werden, wäre ein gewaltiger Aufschlag zu verzeichnen. Am Ende werden die Verbraucher die Zeche bezahlen, was mittelfristig auch die Konjunktur schwächen wird.

Die Europäer und auch die Asiaten stehen nicht mit leeren Händen da, denn sie könnten im Gegenzug auch Zölle auf US-Waren erheben und die beiden amerikanischen Automobilhersteller, die in Deutschland, Produktionsstätten unterhalten, mit gewaltigen Zollaufschlägen bestrafen. Durch die Kündigung des Freihandelsabkommen TPP, ein Meilenstein des transpazifischen Handelsabkommens, werden wieder Zölle erhoben, was auch der amerikanischen Konjunktur schaden wird, da die Waren jetzt teurer werden. Der Export wird gebremst und ein Flurschaden für alle Beteiligten herbeiführen. Der begonnene Handelskrieg hätte am Ende nur Verlierer und wird vor allem die USA und die Verbraucher treffen.

China hält sich mit dem Kauf von US-Anleihen zurück

Wie schon als Geschäftsmann will Trump Bauinvestitionen forcieren. Dazu zählen vor allem die maroden Brücken, Strassen und den Bau neuer Schulen. Für dieses Konjunkturprogramm sollen über eine Billion US-Dollar bereitgestellt werden. Das führt zu neuen Jobs, die teilweise aber auch aus dem benachbarten Mexiko kommen und die Wirtschaft beflügeln werden. Die Wirtschaftszahlen erreichten in 2016 ein bescheidenes Ergebnis von nur 1,6 Prozent, 2017 will die neue Regierung ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent ansteuern.

Da die Haushaltskasse leer ist, werden solche Vorhaben über neue Schulden finanziert. In der Folge müssen neue US-Staatsanleihen ausgegeben, die in der Vergangenheit bedenkenlos von China gekauft und als Reserve in ihren Tresoren gebunkert wurden. Das Reich der Mitte könnte sich wegen der drohenden US-Sanktionen und der rückläufigen Konjunktur im eigenen Land, mit dem Ankauf jetzt zurückhalten. Mit dem Bau der Mauer zu Mexiko zerstört die USA darüber hinaus jedes Vertrauen in die Regierung und die amerikanische Tradition. Ein Land, das zu den historischen Werten der Freiheit steht, hat immer wieder Emigranten aufgenommen und sendet jetzt ein erschreckendes Signal an Menschen, die Amerika in der Vergangenheit angezogen und grösser gemacht haben.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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