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Ökologie 
Stille Örtchen fördern Wachstum und Hygiene

Sanergy Toilette: Die WC-Anlagen sollen die unhygienischen Zustände ändern.

4.1 Milliarden Menschen in Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu angemessenen, sanitären Einrichtungen. Allein 1.6 Millionen Kinder sterben deshalb jedes Jahr an Durchfallerkrankungen.

Kommentar  
Von Andrea Schaller
26.05.2015

Wir regen uns auf, wenn wir 50 Rappen für saubere Autobahntoiletten zahlen, aber acht Millionen Menschen in Kenias Slums sollen ​6 Cent berappen, um unhygienische und unzumutbare Blechlöcher zu nutzen, die sich WC nennen und von denen 90 Prozent der Abfälle ungeklärt in die Gewässer fliessen.

Die Blechverschläge stehen oft am Rande der Slums. Strassenbeleuchtung ist Mangelware, Vergewaltigungen und Überfälle sind an der Tagesordnung. Viele Geschäfte werden deshalb in Wohnungsnähe verrichtet und in Plastikbeutel, die als fliegende Toiletten herhalten, auf der Strasse oder im nächsten Graben entsorgt.

Die Erstellung nachhaltiger, sanitärer Einrichtungen in Slums

Eine Gruppe junger Menschen hat sich 2011 zum Ziel gesetzt diese unhygienischen Zustände zu ändern, und gründeten Sanergy. In Kenias Slums suchen sie «Fresh Life Operater», die Sanergy Toiletten als Franchisenehmer erwerben und bewirtschaften. Eine Kooperation mit der NGO Kiva hilft den Kleinunternehmern bei Bedarf Mikrokredite aufzunehmen.

Die einfach zu erstellende und gut sichtbare, blaue Toilette mit gelber Sonne kostet um die 600 Dollar, dazu kommen circa 110 Dollar pro Jahr für Seifen, Papier und Reinigung. Die Investitionen lohnen sich, denn eine Toilette bringt um die 1200 Dollar im Jahr. Die WC-Anlagen stehen an zentralen Punkten, bei Schulen und öffentlichen Einrichtungen und haben zudem einen erzieherische Effekt, da die Benutzer zum Händewaschen und damit zu mehr Hygiene angeleitet werden.

Doch wohin mit den Fäkalien, wenn es keine Abwassersysteme gibt?

Jedes WC ist mit zwei Plastikbehältern ausgestattet, die täglich von trainierten Mitarbeitern ausgewechselt werden. Die vollen Behälter werden per Handschubkarren oder Leiterwagen zu grossen Sammelbehältern ausserhalb der Slums gebracht. Im LKW geht es weiter in die Verwertungsanlage, wo erneuerbare Energie und organischer Dünger entstehen.

Die Abnehmer sind Industrie und überwiegend kenianische Farmen, die den Bodenverbesserer zur Steigerung ihrer Ernten nützen. Zusätzlich befasst sich ein R&D Programm mit der Umwandlung in Biogas, Pflanzenkohle, Urin Nitrifikation und Tierfutter.

Toiletten schaffen Arbeitsplätze und eine saubere Umwelt

Momentan betreiben 331 lokale Unternehmer 684 Anlagen in sechs informellen Siedlungen. Damit wurden weitere 139 Jobs in der Entsorgung geschaffen und 27'000 Bewohner haben heute Zugang zu ordentlichen Sanitäranlagen.

Sanergy gehört zu den zehn innovativsten Unternehmen Afrikas und ist ein grossartiges Beispiel, dass soziales Engagement und Umweltschutz kombiniert mit systemischem Denken eine hervorragende Basis für wirtschaftliches Wachstum bildet.

 Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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