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Sex als Geschäftsrisiko: Die Geschichte des Kapitalismus

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Paar: Bei Menschen dominiert die Monogamie. Pixabay

Biologisch betrachtet ist Polygamie die ideale, weil stressfreie Lebensart. Doch der Kapitalismus funktioniert nur im Prinzip der Monogamie.

Kommentar  
Von Kurt W. Zimmermann
2017-07-25

In manchen Gegenden Belgiens haben sie einen speziellen Brauch. Vor der Hochzeit legt der Bräutigam die zwei Eheringe ins Nest eines Schwans. Das garantiert, dass die Braut ihrem Gatten für immer treu bleiben wird.

Schwäne haben ein hervorragendes Image, wenn es um Treue geht. Die weissen Paare, so dachte man immer, blieben ein ganzes Leben lang zusammen. Doch dann rüsteten Forscher von der Uni Melbourne Schwäne mit Mikrochips aus und wunderten sich, was die so alles trieben. Nachträgliche DNA-Tests bestätigten den Verdacht: Jeder sechste Jungschwan entstammte einem Seitensprung.

In der menschlichen Spezies ist dieser Wert geringer. Etwa fünf Prozent aller Nachkommen sind Kuckuckskinder, stammen also nicht von jenem Vater ab, der das selber glaubt.

Monogamie ist ein soziales Konstrukt

Die Menschheit ist in der Biologie die einzige Spezies, von der ein hoher Anteil monogam lebt, noch monogamer als die Schwäne. In westlichen Kulturen sind laut Studien 30 bis 40 Prozent ­ihrem Lebenspartner treu.

Monogamie ist ein soziales Konstrukt. Es gibt sie seit etwa zehntausend Jahren. Zuvor hielt sich der Homo sapiens an weniger komplexe Beziehungsmodelle. Er verhielt sich so wie heute noch Affenarten wie die Bonobos. Jeder trieb es in der Sippe fröhlich mit jedem, es entstanden Kinder ohne identifizierbare Abstammung. Sie wurden gemeinsam aufgezogen.

Polygamie bietet bessere Lebensumstände

 

Polygamie ist die Regel im Tierreich. Sie hat, wie man 
von Wildpferden bis Löwen überall sieht, eine sehr entspannende Wirkung auf die Sozialbeziehungen. Es gibt keine Eifersucht, keine Beziehungsdramen, keine Trennungen und erst recht keine Morde aus Eifersucht. Und auch für die Kleinen ist in einem Sexkollektiv besser gesorgt. Es gibt keine ­Scheidungskinder.

Die Polygamie hätte sich nach dem darwinschen Prinzip in der Evolution also durchsetzen müssen, weil sie die besseren Lebensumstände bietet. Das änderte sich in der Menschheitsgeschichte erst vor kurzem, als ums Jahr 7000 v. Chr. der Ackerbau entstand. Nun begann auch ein sexuell neues Zeitalter.

Sozialismus wurde durch Kapitalismus abgelöst

Mit dem Ackerbau kam die Sesshaftigkeit. Die Menschheit bebaute nun Felder und hielt Nutztiere. Dadurch konnte die Lebensgemeinschaft stark anwachsen und gewann Sicherheit. Damit aber löste das individualistische Denken das kollektive Denken ab. Die Beute wurde nicht mehr wie früher in der Gruppe der Jäger geteilt. Der Ertrag der Felder gehörte nun jedem Einzelnen und konnte im Tauschhandel verkauft werden. Im Zusammenleben wurde der Sozialismus durch den Kapitalismus abgelöst.

Auf einmal gab es Besitztum. Es war eine neue Erfahrung für die Menschheit. Weil es auf einmal Besitztum gab, stellte sich die Frage, was mit diesem nach dem Tod des Besitzers zu geschehen habe. Es entstand das Prinzip des Vererbens. Vererbt wurden Felder, Häuser, Schafe und Kühe.

Damit wurde auf einmal wichtig, von wem ein Kind abstammte. Man musste wissen, wer der Vater war. Der Vater wollte einen Erben der eigenen Abstammung. Er wollte keinen Zufallstreffer aus der Rudel-Kopulation mehr. Die Sexualität musste nun kontrolliert werden. Vor allem die Frauen durften auf keinen Fall mehr fremdgehen. Es begann die Unterdrückung der Frau, und es entstand die heutige Sexualmoral, die den früheren fröhlichen Sex der Nomadenstämme zur Todsünde erklärte.

Die Geschichte des Kapitalismus begann mit dem Verbot des Bumsens.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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