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Samsung zeigt in Barcelona eine Verlegenheitslösung

Barcelona: Samsung stellte das Galaxy Tab S3 vor. Keystone

Auf der Mobilfunkmesse in Barcelona mit einem Tablet anzutreten ist gewagt. Doch Samsung wagt es, während andere ein Geräte-Feuerwerk abbrennen. Das Galaxy S8 ist schlichtweg nicht fertig geworden.

Kommentar  
Von Thomas Heuzeroth
27.02.2017

Ein grösseres Smartphone-Display, ein schnellerer Handy-Prozessor, eine bessere Kamera, neue Handy-Funktionen? Zum Mobile World Congress (MWC) in Barcelona hat der südkoreanische Smartphone-Gigant Samsung von alldem nichts mitgebracht. Stattdessen zeigte das Unternehmen am Sonntagabend während einer Präsentation einige Tablets. Ja, Tablets.

Auf der weltweit wichtigsten Leistungsschau der Mobilfunkindustrie mit einem Tablet anzutreten ist gewagt. Der Markt für Tablets ist nicht nur klein, er schrumpft auch zusehends. Nach den jüngsten Zahlen des Marktforschers IDC sind die Verkäufe zuletzt um ein Fünftel eingebrochen. Doch tatsächlich hält die Zurückhaltung der Verbraucher schon Jahre an.

Selbst Marktführer Apple kann von seinen iPads immer weniger verkaufen. Samsung hält immerhin einen weltweiten Tablet-Marktanteil von 15 Prozent, musste aber zuletzt auch einen Rückgang von mehr als zehn Prozent hinnehmen.

Auftritt in Barcelona als Verlegenheitslösung

Warum also Tablets? Der Auftritt in Barcelona war eine Verlegenheitslösung. Eigentlich zeigen die Südkoreaner dort ihr Galaxy-Flaggschiff-Smartphone, zuletzt das Galaxy S7, zu dessen Präsentation sogar Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auf die Bühne kam. Samsung produziert auch eine VR-Brille in Zusammenarbeit mit Oculus, das von Facebook gekauft wurde.

Doch in diesem Jahr ist alles anders. Samsung ist mit dem Galaxy S8 schlichtweg nicht fertig geworden. Der Konzern befand sich im vergangenen Jahr zeitweise im Ausnahmezustand. Ausgerechnet die Akkus seines grossen Galaxy Note 7 fingen mehrfach Feuer.

Die Ursachensuche und eine Rückrufaktion für drei Millionen Geräte beschäftigten den Konzern so sehr, dass er mit seinem S8 in Verzug geriet. Das Note-7-Desaster bescherte den Südkoreanern Verluste und entgangene Umsätze in Höhe von fünf Milliarden Dollar.

Galaxy S8 soll Ende März vorgestellt werden

Das Galaxy S8 soll nun Ende März vorgestellt werden. Zwar ist der Konzern damit später dran als die meisten seiner Konkurrenten, die ihre Top-Smartphones entweder vor oder auf dem MWC präsentieren, doch immerhin noch ein halbes Jahr vor Apple, das seine neuen iPhone-Modelle immer im September zeigt.

Als wäre das Durcheinander nicht Strafe genug, mussten die Südkoreaner nun zur Kenntnis nehmen, dass der iPhone-Konkurrent auch noch Samsung vom Smartphone-Thron gestossen hat. Wie die Marktforscher von Gartner melden, sind die Smartphone-Verkäufe bei Samsung im vergangenen Quartal um acht Prozent eingebrochen. Damit hat Apple die Spitzenposition der Smartphone-Hersteller eingenommen und liegt nun leicht vor Samsung.

Selbst das nun in Barcelona präsentierte Tablet dürfte schon bald in den Schatten von Apple treten. Voraussichtlich im März wird Apple seine iPad-Modelle auffrischen. Beobachter erwarten ein iPad Pro mit einer Bildschirmgröße von 10,5 Zoll, neben einem Gerät mit 9,7 Zoll und dem großen iPad mit 12,9 Zoll.

Gänzlich auf den Tablet-Markt will sich Samsung auch mit seinem Tab S3 nicht verlassen. In Barcelona zeigte der Konzern neben dem Android-Tablet auch zwei Galaxy Books mit 10,6 und zwölf Zoll. Mit einer ansteckbaren Tastatur werden die Geräte zu einem Notebook mit Windows-10-Betriebssystem. Während der PC-Markt schrumpft, gehören diese 2-in-1-Geräte zu den wenigen Kategorien, die überhaupt noch wachsen.

VR-Brille bekommt einen Controller

Auch Samsungs Virtual-Reality-Brille Gear VR bekommt eine Auffrischung. Der Konzern hatte die Gear VR in Zusammenarbeit mit der Facebook-Tochter Oculus entwickelt.

Künftig wird die Gear VR mit einem Controller verkauft, der eine grössere Interaktion zulässt als bisher. Nutzer mussten bislang über ein berührungsempfindliches Touchpad an der Seite der Brille Apps und Spiele steuern. Nun ist dies mit dem drahtlosen Controller möglich. Die Batterien des Controllers, der mit Bewegungssensoren ausgestattet ist, halten bei täglicher Nutzung von zwei Stunden insgesamt 40 Tage durch.

Samsung ist mit seinem Controller ein Nachzügler. Der Internetkonzern Google hatte seine Daydream-Brille mit einem solchen Controller eingeführt. Tatsächlich lassen sich damit Spiele deutlich einfacher bedienen als mit der bisherigen Gear VR von Samsung.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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