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Welt & Wirtschaft 
«Made in Germany» ist ramponiert

VW-Mitarbeiter: Die Leidtragenden des Dieselgates. Keystone

Unternehmen wie VW haben die Weltmarke Deutschland beschädigt. Schuld sind die Gier der Manager und Schummeleien, die von den CEOs gedeckt werden. Leidtragende sind wie immer die Mitarbeiter.

Kommentar  
Von Werner-Josef Gartner
17.10.2016

Deutschland wird von Europa sowie der ganzen Welt als solides organisiertes und vertrauensvolles Land und ihren Menschen angesehen. Durch die verehrenden Skandale einiger Unternehmen und Grossbanken ist der Ruf des Made in Germany erheblich ramponiert worden. Deutschland als eine der größten Exportnationen in der globalen Welt hat die gute Reputation aufs Spiel gesetzt. Die Abnehmer deutscher Produkte haben darauf vertraut wo «Germany» draufsteht ist auch «Germany» drin. Jetzt scheint es, dass bei vielen Produkten, speziell von Automobilherstellern, es sich um eine Mogelpackung handelt.

Manager sind blind für Risiken

Die Mitarbeiter in den Fabrikhallen haben darauf vertraut, dass ihre Topmanager nur nach bestem Wissen handeln. Aber sie haben mit dem Segen des Aufsichtsrats manipulierte Autos in alle Welt exportiert. An Umsatzsteigerungen liessen sie sich berauschen und sind deshalb blind für Risiken geworden.

Dabei scheint diese masslose Machtelite nicht mal von einem schlechten Gewissen geplagt zu sein, obwohl sie für den Schaden haften müssten verteilen sie nur Beruhigungstabletten. Ihnen ging es nicht darum den Luxus ihrer Kunden, durch einen neuen PKW zu mehren, sondern die Boni abzusahnen. Sie haben dabei in Kauf genommen, die Weltmarke des Unternehmens und auch das «Made in Germany» zu schädigen, sowie Arbeitsplätze zu gefährden.

Selbst Politiker müssen hier eingreifen und Stellung beziehen, damit sie nicht selbst in Verruf geraten und das Gütesiegel Deutschland, weiter beschädigt wird. Aber sie müssen zu ihrem eigenen Bedauern erkennen, dass sie nicht Treiber sind sondern Getriebene sind.

Schummeleien von CEOs gedeckt

Die Managerelite, besonders bei den Banken, erhebt sich allzu gern zu einer hochstilisierten Persönlichkeit ab. Sie gehören aber durch die skrupellosen Praktiken zu den grossen Verlierern, die ihre berufliche Krise nunmehr als Chance zur Reflexion nutzen sollten. Man muss diese Machenschaften endlich ans Tageslicht bringen.

Diese Schummeleien sowie die CEOs, die alles decken, sind selbst ein Teil des Systems und profitieren erheblich davon. Der breiten Öffentlichkeit muss deutlich gemacht werden, dass Investmentbanker sich auf Kosten der kleinen Sparer in unverschämter Weise bereichern.

Leidtragende sind die Mitarbeiter

In diesen schweren Krisenzeiten haben sich die Aufsichtsräte nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Sie haben ihre Aufgaben zu leichtfertig und mit zu wenig Kenntnis versehen, verrichtet. Im Industrie- und Bankenbereich haben sie eklatant versagt und mit zu den Schwierigkeiten beigetragen, weil sie die Risiken nicht fachmännisch beurteilten.

Aufsichtsräte sind jetzt gewarnt, dass nicht ihre Kontrollfunktion eines Tages von einer Weltaufsicht erledigt wird, wie sie gerade von den amerikanischen Aufsichtsbehörden durchgeführt wird. Dies würde die Räte in den Aktiengesellschaften entmachten und zu kleinen Aufpassern degradieren. Darum müssen Aufsichts- und Verwaltungsräte mit hohem Fachwissen ausgestattet sein, um die Funktion effizient auszuüben.

Leidtragende sind jetzt die Mitarbeiter, die über Jahre anständig und verantwortungsvoll für das Unternehmen ihren Kopf hingehalten haben. Sie müssen jetzt durch den angerichteten Schaden sowie der erheblichen Verluste ihren Arbeitsplatz verlassen und werden auf die Strasse geschickt. Es ist zu hoffen, dass die verantwortlichen Exekutives, wenn der Sturm sich verzogen hat, nicht in alte Pfade zurückkehren und die guten Vorsätze über Bord werfen.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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