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Mobilität 
Lässiger Kumpan im Retro-Look

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Benzinroller sollen verdrängt werden   Flickr

Was als Bierlaune anfing, ist zu einer Erfolgsstory geworden. Drei Brüder bauen auf alt getrimmte Elektroroller und machen damit Gewinn. Sie sind die Musterknaben der Green Economy.

Kommentar  
Von Robert Dunker
2015-04-10

Bei der Firma E-Bility wird zwar noch kein Mitarbeiter des Monats gekürt, aber eine stilbildende Motivationshilfe hat sich bei den 25 Angestellten schon etabliert. Für jeden verkauften Roller darf ein Mitarbeiter in den Büroräumen in Remagen einmal kräftig die Glocke läuten.

Seit Anfang dieses Monats kann es vorkommen, dass gleich mehrmals pro Stunde die Schiffsglocke bimmelt. Denn der Elektroroller der E-Bility-Marke Kumpan wird jetzt auch über den Kaffee-Discounter Tchibo vertrieben. Der Absatz soll weiter angekurbelt werden.

Es ist eine dieser kleinen Erfolgsgeschichten deutschen Unternehmertums und Erfindergeistes. 2010 von drei Brüdern gegründet, 2011 mit einem Gründerpreis ausgezeichnet, 2012 das erste Modell an den Markt gebracht, seit 2013 in der Gewinnzone – das sind die wichtigsten Eckdaten von E-Bility. Die jährliche Produktion der Kumpan-Roller lag schon vor der Kooperation mit Tchibo im vierstelligen Bereich, nun wollen die Brüder Daniel, Patrik und Philipp Tykesson kräftiger expandieren.

Die E-Roller sind laut Tchibo-Website nicht nur klimaschonend, sauber und leise – sind sollen auch noch lässig sein. Das Design ist trendgemäss retro, mit Chrom und Weisswandreifen. Ein 2,7 PS oder 3,8 PS starker E-Motor treibt das als Ein- oder Zweisitzer erhältliche, rund 70 beziehungsweise 90 Kilo schwere Zweirad an. 45 km/h sind damit erreichbar. Als Zweisitzer (Modell 1954L) kostet der E-Roller inklusive Akku-Ladegerät 3762 Euro. Die Einsitzer-Variante (Modell 1953) ist für 3577 Euro zu haben.

Für innovative Städter und Frauen

Unternehmen wie E-Bility oder das Münchner Start-up Unu wollen eine Marktlücke entdeckt haben, denn Deutschland ist nicht nur eine Nation der Autofahrer, sondern auch ein Land der Rollerfahrer, sagt E-Bility-Geschäftsführer Patrik Tykesson. Europaweit sind nur in Italien und Frankreich mehr Roller zugelassen. «Wir wollen ja nicht die Tourenfahrer erreichen, sondern Leute in Städten und Vorstädten.»

Die Zielgruppe sei zwischen 27 und 49 Jahre alt und die «innovativen Städter, die ihr privates Auto weniger als 60 Kilometer am Tag bewegen», sagt Patrik Tykesson, 32. «Und wir haben mit 50 Prozent einen grossen Frauenanteil.»

Die Idee für den Kumpan kam Patrik Tykesson vor sechs Jahren bei einer Bierrunde mit Freunden, als sie feststellten, dass in China der Elektroroller boomt, es in Deutschland aber noch nichts Vergleichbares gab. Patrik Tykesson flog kurzerhand nach China und erkundigte sich nach zuverlässigen Händlern und Vertriebswegen.

Inzwischen werden Teile aus der ganzen Welt zu E-Bility nach Remagen geliefert, damit die Kumpan-Roller von den vier Mechanikern zusammengeschraubt werden können: Die Reifen kommen beispielsweise aus Slowenien, die Elektronik aus Taiwan und Korea, die Antriebstechnik stamme dagegen aus deutscher Produktion. Eine neue Zusammenarbeit mit einem Batteriehersteller soll in den nächsten Wochen verkündet werden. Sogar eine eigene Designabteilung mit drei Mitarbeitern betreibt E-Bility mittlerweile.

Benzinroller sollen verdrängt werden

Aus dem staatlichen Fördertopf für Elektromobilität mit mehr als einer Milliarde Euro hat das rheinland-pfälzische Unternehmen nach Tykessons Aussage keinen Cent bekommen – weil sie nicht selbst forschen und entwickeln, sondern «nur» designen, zusammenbauen und verkaufen. Doch ihre Idee mit dem wiederaufladbaren Retro-Roller scheint sich herumzusprechen. Wöchentlich trudeln bei den Tykesson-Brüdern, alles studierte Betriebswirte, neue Angebot für eine strategische Partnerschaft ein. Verkaufen wollen sie nicht: «Wir haben keine Exitstrategie», sagt Patrik Tykesson.

Die drei Tykesson-Brüder sind zu den Musterknaben der Green Economy geworden. «Wir wollen ein nachhaltiges Produkt verkaufen. Unser Ziel ist es, die Benzinroller ganz vom Markt zu verdrängen.» Den mitgelieferten Akku kann man herausnehmen und an jeder Steckdose innerhalb von zweieinhalb Stunden aufladen. Mit einer Akkuladung soll der Elektroroller bis zu 40 Kilometer weit kommen.

Für eine längere Fahrt vergrössern zwei zusätzliche Akkus den Aktionsradius, sie können im Fach unter dem Sitz verstaut werden. E-Bility gewährt zwei Jahre Garantie auf die Batterien. Im Gegensatz zu Hersteller Unu, der seine Roller ausschliesslich im Internet vertreibt, wird der Kumpan über ein Netz von 250 Händlern angeboten.

 Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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