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Kindle Oasis: So will Amazon gegen Tolino bestehen

Wiegt nur 130 Gramm: der neue Kindle Oasis:   Keystone

Noch nie war ein E-Reader von Amazon dünner, leichter und teurer als der Kindle Oasis. Zudem überrascht er mit seiner Hülle. Doch ob das reicht, um die heimische Konkurrenz zu schlagen?

Kommentar  
Von Thomas Heuzeroth
15.04.2016

Fünf Jahre nach dem Start des E-Readers Kindle in Deutschland legt Amazon nun eine neue Generation vor. Der Kindle Oasis ist der dünnste und leichteste Reader, den das Unternehmen bislang produziert hat.

Tatsächlich misst das Gerät nur noch 3,4 Millimeter an seiner dünnsten Stelle. Um den Reader so flach zu bauen, musste die Amazon-Entwicklungsabteilung Lab126 im Silicon Valley ein neues Konzept erdenken.

Ein Grossteil der Technik ist zusammen mit dem Akku an der unteren Seite des Oasis untergebracht. Dort ist der Reader dicker und hat somit eine Art Griff, der einen Buchrücken simulieren soll.

Teuer im Vergleich zu den Vorgänger-Modellen

Der Oasis kann mit der linken oder rechten Hand gehalten werden. Ein Beschleunigungssensor stellt sicher, dass der Inhalt auf dem Display immer richtig ausgerichtet ist.

In Deutschland kämpft Amazon mit seinem Kindle gegen den Tolino an, der von einer Allianz aus Buchhändlern mit der Deutschen Telekom als Technologie-Partner angeboten wird. Nach Angaben der Allianz steuert der Tolino auf einen Marktanteil von 50 Prozent zu und ist laut Zahlen der GfK-Marktforscher bereits Marktführer.

Ob der Oasis in Deutschland das Blatt für Amazon wieder wendet, ist fraglich. Das mittlerweile vierte Kindle-Modell kommt in den nächsten Wochen auf den Markt und gehört mit 290 Euro (WLAN) und 350 Euro (WLAN und Mobilfunk) zu den teuersten Readern. Das günstigste Kindle-Modell kostet derzeit 70 Euro.

So gross wie ein kleines Taschenbuch

Der neue Kindle hat seine Display-Grösse von sechs Zoll beibehalten, was 15,2 Zentimetern entspricht. «Wir denken, dass wir die richtige Grösse gefunden haben», sagte Marc Walliser, Design-Direktor bei Lab126. Sechs Zoll entspricht in etwa der Grösse eines kleinen Taschenbuchs.

Mit etwa 130 Gramm ist der Oasis aber leichter als die meisten Taschenbücher. Im ersten Kurztest der «Welt» lag das neue Gerät besser in der Hand als die Vorgänger.

Die Gewichtseinsparung im Vergleich zum Kindle Voyage, der 188 Gramm wiegt, erkauft sich der Oasis jedoch mit einer kürzeren Akkulaufzeit. Bei halbstündiger Nutzung pro Tag hält der Oasis etwa zwei Wochen durch.

Zusatzakku in der Hülle

Die Kurzatmigkeit soll eine neue Kindle-Hülle ausgleichen, in die ein zusätzlicher Akku eingebaut ist. Der Oasis wird grundsätzlich mit dieser Hülle ausgeliefert, die im Preis enthalten ist. Sobald der Reader in der Hülle steckt, wird er von ihr geladen.

Beide Akkus zusammen halten den Angaben zufolge zwei Monate durch. «Wir haben damit den bisher ausdauerndsten Kindle gebaut», sagte Amazon-Designer Walliser.

Mehr LEDs für angenehmeres Lesen

An der Displayauflösung hat Amazon nichts verändert. Anders als bei Tablets wird das Kindle-Display nicht hintergrundbeleuchtet, was gerade bei längerem Lesen angenehmer ist. Bislang wurde das Display mit LEDs von unten beleuchtet.

Der Oasis verfügt über 60 Prozent mehr LEDs, die an der Seite des Displays angebracht sind. Dadurch wird die Darstellung den Angaben zufolge heller, kontrastreicher und die Ausleuchtung regelmässiger.

Keine Verkaufszahlen

Das erste Kindle-Gerät lieferte Amazon 2007 in den USA aus – für 400 Dollar. In Deutschland ist der Reader erst seit 2011 zu kaufen. Amazon will nach eigenen Angaben nicht mit den Geräten Geld verdienen, sondern mit dem Verkauf von E-Books.

Zahlen zum Geräteverkauf veröffentlicht der Konzern auch nicht. Nutzer in Deutschland können derzeit auf etwa fünf Millionen Titel zugreifen, die jedoch nicht alle deutschsprachig sind. Autoren können ihre Werke bei Kindle auch direkt verkaufen. Amazon nennt das Angebot Kindle Direct Publishing (KDP).

Geschäft mit den E-Books

Von den Top-100-Titeln in deutscher Sprache, die mehr als 50'000 Mal verkauft werden, stammt den Angaben zufolge inzwischen die Hälfte aus dem KDP-Programm. Amazon baut das Kindle-System zunehmend aus. Wer Prime-Kunde ist und dafür in Deutschland 49 Euro pro Jahr bezahlt, darf aus einer Bibliothek mit mehr als einer Million Titeln monatlich ein Buch kostenlos ausleihen.

Für 10 Euro monatlich bietet Amazon eine Lese-Flatrate an. Nutzer können aus einer Million E-Books und 2000 Hörbüchern wählen. Die Titel sind aktueller als jene aus der Prime-Leihbibliothek.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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