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Stadtleben 
Im Sog der Gewalt

Ob «Fan» wohl von «fanatisch» kommt?   Keystone

Kaputte Fensterscheiben, demolierte Autos - Unter dem Deckmantel des Sports ziehen Fans durch die Stadt und lassen ihre Stimmung an Gegenständen aus. Nicht zum ersten und sicher nicht zum letzten Mal.

Kommentar  
Von Silvia Finke
17.04.2015

Einige Menschen lassen ihre Stimmung an Gegenständen aus. Das Resultat: Viele kaputte Scheiben in der Europaallee. Nicht zum ersten und sicher nicht zum letzten Mal. Unter dem Deckmantel des Sports ziehen Fans – «Fan» kommt von «fanatisch», ob das wohl einen Zusammenhang hat? – durch die Stadt, zünden Pyrotechnik mitten im Menschenpulk und suchen augenscheinlich die Auseinandersetzung. Zur Not eben auch mit Autos oder Fensterscheiben.

Ich frage mich, wie das zusammenhängt. Nimmt man einmal die Hardcore-Krawallmacher, die von Land zu Land oder zumindest von Stadt zu Stadt reisen, aus, bleiben immer noch genügend Menschen, die sich in diesen Sog der Gewalt ziehen lassen – von was auch immer. Menschen, die wir alle vielleicht zwar als glühende Anhänger ihres Lieblingsvereins kennen, aber eben auch als Kollegen oder Nachbarn. Menschen, denen wir «das» eigentlich nicht zutrauen würden, wenn sie uns tagsüber auf der Strasse begegnen.

Die Polizei steht jedes Mal auf’s Neue in einem Dilemma: Hartes Durchgreifen führt zur Eskalation, Zurückhaltung oft zu einer «Siegerattitüde» im Pulk. Und montags geht es wieder in’s bürgerliche Leben, als ob nichts gewesen sei.

Wie die Menschen zwischen diesen Extremen wohl hin- und herschalten?

 Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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